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4 Schwachstellen, die für die deutsche Wirtschaft und die lokale Börse nichts Gutes verheißen

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Der deutsche Aktienmarkt erwies sich im Vorjahr als ein Rohrkrepierer. Im internationalen Performance-Wettstreit ergab sich jedenfalls nur ein hinterer Rang. Auch die lange Zeit vergleichsweise gut gelaufene Wirtschaft zeigte zuletzt Schwächesignale. Im abgelaufenen Quartal gelang es auch nur knapp, einer Rezession zu entgehen.

Auffällig dabei ist auch folgendes: Erstmals seit längerer Schreiben sind in internationalen Medien wie etwa in der britischen Wochenzeitung „The Economist“ wieder Artikel zu finden, in denen die Autoren die Frage stellen, ob Deutschland künftig wieder als ein schwaches Glied in der Euro-Zone einzustufen ist.

Tröstlich dabei ist, dass sich solche Berichte in der Vergangenheit mitunter als Kontraindikatoren entpuppten. Das heißt, es kam letztlich anders als befürchtet. Objektiv betrachtet ist es allerdings schon so, dass sich Deutschland derzeit mit einigen Herausforderungen konfrontiert sieht. Das sehen auch immer mehr etablierte Volkswirte so, wozu auch passt, dass Konjunkturumfragen auf eine deutliche wirtschaftliche Abschwächung in Deutschland hindeuten.

Mit der Frage, „Ist Deutschland das schwache Glied der Eurozone?“ setzten sich auch die Experten bei Natixis auseinander, der Investmentbank der französischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Der dortige Chefvolkswirt Patrick Artus kommt zu dem Schluss, dass Deutschland zahlreiche Schwachstellen aufweist, die das Land verwundbar machen. Über vier davon schreiben wir nachfolgend etwas mehr.

1. Die hohe Sensitivität der deutschen Wirtschaft gegenüber dem Industriezyklus, in einer Phase, in der sich die Nachfrage nach Industrieprodukten weltweit sowohl aufgrund von zyklischen als auch von strukturellen Gründen verlangsamt.

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Das Gewicht des verarbeitenden Gewerbes in der deutschen Wirtschaft ist sehr hoch, wie die nachfolgende Grafik bestätigt.

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Quelle: Natixis

Aus konjunktureller Sicht verlangsamt sich laut Artus die globale Nachfrage nach Industrieprodukten jedoch deutlich, wie aus der nächsten Grafik zu entnehmen ist.

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Quelle: Natixis

Aus struktureller Sicht entwickeln sich die OECD und die Welt nach Ansicht von Artus zunehmend zu Dienstleistungswirtschaften (siehe die beiden nächsten Grafiken), da sich die Nachfrage von der Industrie hin zu Dienstleistungen verlagert. Für Länder wie Deutschland, in denen die Industrie einen großen Teil der Wirtschaft ausmacht, ist dies deutlich negativ, so Artus.

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Quelle: Natixis

2. Das hohe Gewicht der Automobilindustrie, die von den neuen Umweltstandards negativ betroffen sein wird.

Das Gewicht der Automobilindustrie ist in Deutschland hoch, wie die nachfolgende Grafik zeigt.

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Quelle: Natixis

Aber die deutsche Automobilindustrie wird nach Einschätzung von Artus einen großen Schlag erleiden: Die unvermeidliche Verlagerung auf Elektroautos aufgrund der neuen CO2-Emissionsnormen wird aus seiner Sicht bei einem erheblichen Teil der Wertschöpfung im Automobilsektor dazu führen, dass aufgrund des asiatischen Monopols bei der Herstellung von Elektrobatterien sich diese Wertschöpfung nach Asien verlagern wird (siehe Tabelle).

Die größten Hersteller von Elektro-Batterien (2016)

3. Eine sinkende Wettbewerbsfähigkeit auf Kostenebene

Seit der Krise hat Deutschland einen erheblichen Teil des Kosten-Wettbewerbsvorteils verloren, den es sich im Zeitraum der Reformen in der Amtszeit des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder aufgebaut hat (Grafik links unten). Laut Artus ist es zu erwarten, dass sich die deutschen Exporte entsprechend abschwächen werden (Grafik rechts unten).

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Quelle: Natixis

4. Eine zunehmende Sparneigung bei den Privathaushalten sowie auf Regierungsebene

Die Tatsache, dass die Haushalte (Grafik links unten) und der Staat (Grafik rechts unten) in Deutschland im Zuge der jüngsten konjunktureller Abkühlung ihre Sparquoten erhöht haben, deutet laut Artus nicht auf eine antizyklisches Gegensteuern zur Bekämpfung dieser wirtschaftlichen Abschwung-Bewegung hin.

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Quelle: Natixis

Fazit: Sollten sich diese Schwachpunkte im volkswirtschaftlichen Datenkranz von Deutschland durchsetzen, würde das mit erklären, warum der deutsche Aktienmarkt im Vorjahr so schlecht abgeschnitten hat. Und auch eine künftig im internationalen Vergleich wieder bessere Performance von DAX & Co. wäre dann als deutlich schwieriger einzustufen, verglichen mit einer Situation wie in den Vorjahren, als Deutschland innerhalb der EU so etwas wie eine Funktion als Lokomotive innehatte.
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