aktien Magazin

Börsen: Die Leitplanken für 2020 mit 8 spannenden Charts plus ein Prognose-Ausblick auf den Jahreswechsel 2029/30

Kommentare aktien Magazin 889 Leser

Jahreswechsel sind laut Alois Wögerbauer  immer ein guter Zeitpunkt sich abseits der Tagesaktualität einige grundsätzliche Gedanken zu machen – umso mehr, wenn der Wechsel auch ein Schritt in ein neues Jahrzehnt ist.

Müsste man die vergangenen 10 Jahre in einem Satz zusammenfassen, so gäbe es viele Möglichkeiten, so der 3 Banken-Generali Investment Geschäftsführer. „Die Zinsen verschwinden, die Dividenden bleiben.“ Oder: „Zehn Jahre umsonst gefürchtet – was nun?“

Zudem fragt Wögerbauer in einer aktuellen Publikation der gemeinsamen Fondstochter der 3 Banken Gruppe (Oberbank AG, Bank für Tirol und Vorarlberg Aktiengesellschaft, BKS Bank AG) sowie der Generali Versicherung AG, ob es jemals in diesen 10 Jahren echte Euphorie bei Anlegern und Beratern gegeben hat? In seiner Wahrnehmung nicht. Dies sollten auch jene selbstkritisch und ehrlich berücksichtigen, die jetzt im Nachhinein analysieren, wo man wie viel hätte verdienen können, so Wögerbauer. Der Blick in den Rückspiegel sei nicht sonderlich schwer.

Es sei auch gar nicht mehr so bemerkenswert, weil eben seit Jahren typisch, welche Themen sich aktuell in den Hitlisten der meistgekauften Bücher fänden. Derzeit werde gerne „Der größte Crash aller Zeiten“ gelesen, gefolgt von „Der Weltsystemcrash“. Es müsse an der Grundsehnsucht des Menschen nach schlechten Nachrichten liegen. Ansonsten sei es schwer zu erklären, warum sich Crashpropheten so lange so prominent halten könnten. Emotionen von Fakten zu trennen werde immer die zentrale Herausforderung der Geldanlage sein.

Lehren der vergangenen 10 Jahre…

Die Euro-Krise, die Rettung Griechenlands, die Sorge um Italien, der Konflikt Russland- Ukraine, die Syrien-Krise, das Dauerthema BREXIT, zuletzt der Handelsstreit USA-China – diese Liste der potentiellen Anlegersorgen ließe sich noch lange fortsetzen. Zudem: Wer denke heute noch an die Kernschmelze eines Atomkraftwerkes in Fukushima, welche 2011 die Welt in Atem gehalten habe? Alles wichtig und kein Ereignis davon sei zu verniedlichen.

Aber: Wer sich nur darauf fokussierte, habe essentielle Dinge und attraktive Investmentmöglichkeiten übersehen: Die Weltwirtschaft sei im abgelaufenen Jahrzehnt im Schnitt um 3 % bis 4 % gewachsen. China sei zu einer wirtschaftlichen Weltmacht geworden. Die Digitalisierung habe in vielen Industrien disruptive Veränderungen ausgelöst. Aus einfachen Handys seien hochwertige Computer, leistungsstarke Kameras und beständige Lebensbegleiter geworden. Soziale Medien würden zum globalen Phänomen – über Kontinente, Altersklassen und Einkommensstufen hinweg. Die Pharmaindustrie, die Medizintechnik und die Biotechnologie hätten beeindruckende Fortschritte geschafft. Der Onlinehandel habe kaum vorstellbare Dimensionen erreicht. Und da wir nebenbei auch noch Essen, Trinken, Wohnen und unsere Körper pflegten, hätten auch diese traditionellen Geschäftsmodelle eine gute Geschäftsentwicklung gehabt.

Eine einfache Plus-Minus-Liste und das nüchterne Abwägen von Chancen und Risiken hätten gereicht, um ein befriedigendes Anlageergebnis zu erzielen. Nehmen Sie diesen Ratschlag auch mit ins neue Jahrzehnt, empfiehlt Wögerbauer. Man müsse nicht jede Aktion der Notenbanken für richtig finden. Genauso sei es unerheblich, ob Ihnen der Präsident des Staats XY sympathisch sei oder nicht. Einzig wichtig sei es, die richtigen Schlüsse aus dem aktuellen Umfeld zu ziehen, welches nun mal so ist, wie es ist.

Die Leitplanken für 2020

Geldanlagestrategien sollten gemäß Wögerbauer grundsätzlich mittel- bis langfristigen Charakter haben – und sich nicht nur auf die Erwartungen für die kommenden 12 Monate konzentrieren. Dennoch mache es gerade zum Jahreswechsel Sinn, die Gedanken zu ordnen, die Rahmenerwartungen zu definieren und sich zu überlegen, an welcher Stelle im Depot Anpassungen Sinn machten. Gerade die jüngsten Jahre hätten gezeigt, dass sich das Umfeld auch während eines Jahres oft rasch ändern könne. Die Portfoliokonstruktion werde daher immer eine Mischung aus Agieren und Reagieren sein. Die Leitplanken der 3 Banken Gruppe für das kommende Jahr verdeutlichen die nachfolgenden 8 Grafiken.

1. Seit 2015 wurden etwa 2. 500 Mrd. EUR in Anleihekäufe gesteckt. Die Inflationserwartungen hat das aber nicht bewegt. Laut Wögerbauer ist es Zeit für neue Ideen.boersenausblick20292030-01

Quellen: Bloomberg, 3 Banken Gruppe

2. Der Höhepunkt der negativen Renditen bei Staatsanleihen liegt laut Wögerbauer hinter uns. Und angesichts einer Lernkurve der EZB und einer sich stabilisierenden Wirtschaft erwarte man vorerst keinen Rückfall.

boersenausblick20292030-02Quellen: Bloomberg, 3 Banken Gruppe

3. Japan – das Land der Nullzinsen, aber nicht das Land der Negativzinsen…boersenausblick20292030-03Quellen: Bloomberg, 3 Banken Gruppe

4. Deutliches Bilanzsummenwachstum der führenden Notenbanken im abgelaufenen Jahrzehnt. Die Rückführung wird nach Ansicht von Wögerbauer auch im neuen Jahrzehnt nicht gelingen.

boersenausblick20292030-04Quellen: Bloomberg, 3 Banken Gruppe

5. US-Aktien lagen zuletzt deutlich vor dem Rest der Welt – aufgrund der Gewinnentwicklung der US-Firmen durchaus zu Recht, so Wögerbauer. Dennoch: Keine Entwicklung unbeobachtet fortschreiben, lautet der Ratschlag.

boersenausblick20292030-05Quellen: Bloomberg, 3 Banken Gruppe

6. Hohe und nachhaltige Dividendenrendite als überzeugendes Argument. Dauerzinstief als Basis für weitere Bewertungsausdehnung für Aktien. Glaubt Wögerbauer.

boersenausblick20292030-06Quellen: Bloomberg, 3 Banken Gruppe

7. Aus Sicht des US-Präsidenten ist der USD „too strong“… und darauf wird er 2020 konsequent hinweisen, glaubt Wögerbauer.

boersenausblick20292030-07

Quellen: Bloomberg, 3 Banken Gruppe

8. Rohstoffe als einzig verbliebene Asset-Klasse ohne Hype durch Liquidität…

boersenausblick20292030-08Quellen: Bloomberg, 3 Banken Gruppe

Der Jahreswechsel 2029/2030 – der Blick zurück

Als Börsianer mit einer Markterfahrung von 30 Jahren ist die Demut vor der Prognostizierbarkeit der Zukunft für Wögerbauer die wesentliche Lebenserfahrung. Wenn wir kaum klar sagen können, was kommendes Jahr sein wird, wie solle man dann wissen, was in 10 Jahren ist? Versuchen dürfe man es trotzdem, weil es nach dem Motto „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“ gut tue, sich von den Tagesaktualitäten zu lösen. Dass ein Grundoptimismus auch Grundeinstellung sei und dass da und dort auch der Wunsch Vater des Gedankens sein möge, sei legitim.

Es werden Dinge passieren, die wir heute noch gar nicht erahnen können, ist sich Wögerbauer sicher. Dennoch: Sein Fazit in 10 Jahren zum Jahreswechsel 2029/2030 könnte in etwa so aussehen:

* Die Weltwirtschaft ist in den 20er-Jahren weniger stark gewachsen als in den 10er-Jahren – es waren aber im Schnitt solide 2 % bis 3 % p.a., was als zufriedenstellend wahrgenommen wird.

* Die Bedeutung der Emerging-Markets hat weiter zugenommen – in der Wirtschaft, in der Geldanlage, in der Geopolitik.

* Die Minuszinsen sind verschwunden, weil man erkannt hat, dass es keine ökonomische Logik gibt. Die Zinswende hat aber nicht stattgefunden, „Nullzins“ in der Euro-Zone ist Dauerzustand.

* Sparer und Käufer von heimischen Staatsanleihen haben über 10 Jahrelang jedes Jahr an Kaufkraft verloren, da die Inflation bei im Schnitt 2 % lag.

* Die Bilanzsummen der Notenbanken sind weiter gestiegen. Auf jede Reduktion folgte eine Ausweitung, die höher war als die Reduktion.

* Kein Land hat die Euro-Zone verlassen. Man ist übereingekommen, gemeinsame Staatsanleihen zu begeben. Diese „Euro-Bonds“ werden ein mächtiges und liquides internationales Anlagesegment.

* Die Aktienmärkte notieren auf Höchstständen, was viele Anleger vorsichtig macht. 2030 könnte sich die Wirtschaft abschwächen.

* Die Aktienbewertung ist insgesamt teurer geworden, was angesichts des Fehlens von attraktiven Zinsen als normal wahrgenommen wird.

* Bargeld ist nicht abgeschafft, wird aber massiv weniger genützt. Gold ist nicht explodiert, hat aber 10 Jahre lang gut die Kaufkraft gesichert.

* Bitcoin hat sich nicht durchgesetzt, auch keine andere Kryptowährung. Die Notenbanken haben das verhindert und eine eigene Kryptowährung etabliert.

* Der Klimawandel wird als beherrschbar eingestuft, weil man erkennt, dass die Antwort „Technologie“ ist - und nicht „Verbieten“. Vor allem die Emerging-Markets machen raschere Fortschritte als erwartet.

* Die Hitliste der Bücher führt an: „Warum der Weltcrash 2030 zwingend kommen wird.“