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26.02. 12:38

ROUNDUP 2/BaFin-Sonderprüfung: Grenke sieht sich teilweise entlastet


(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, aktueller Kurs, Analystenstimmen)

BADEN-BADEN (dpa-AFX) - Aufatmen bei Grenke: Erste Zwischenergebnisse der BaFin-Sonderprüfung deuten auf eine Entlastung von der massiven Kritik an den Bilanzierungsmethoden des Leasingspezialist hin. Doch die BaFin-Sonderprüfer haben auch einige Punkte bemängelt wie etwa bei der Grenke Bank oder beim Thema Compliance. Hier musste jüngst auch ein Vorstand seinen Hut nehmen.

An der Börse wurde der neueste Zwischenstand mit Erleichterung aufgenommen. Die Aktie, die seit dem Aufkommen der Vorwürfe Mitte September 2020 massiv unter Druck steht, legte bis zum Mittag fast 15 Prozent zu. Das Papier notiert damit seit Handelsstart unangefochten an der SDax-Spitze.

Ein Händler ging davon aus, dass die Optimisten am Markt den teils positiven Ton in der Grenke-Mitteilung goutieren dürften. Die Pessimisten dürften hingegen weiter befürchten, dass nach wie vor böse Überraschungen lauern könnten. Noch sei nichts klar, so der Händler. Er rät bei Kursstärke zum Verkauf der Papiere.

Aus Sicht von Analyst Philipp Häßler vom Analysehaus Pareto Securities habe das Leasingunternehmen zwar gute Nachrichten zu ersten Zwischenergebnissen der BaFin-Sonderprüfung vorgelegt. Es sei aber noch Vorsicht angebracht und die Aktie sei ausreichend bewertet, urteilte er.

Die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mandatierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars habe den Vorwurf der Geldwäsche nicht bestätigt, teilte das Unternehmen in der Nacht zu Freitag in Baden-Baden mit. Zudem gebe es keine Zweifel an der Existenz der Leasingforderungen. Alles in allem sieht sich Grenke nun trotz diverser Kritikpunkte der BaFin-Sonderprüfer von wesentlichen Vorwürfen zumindest teilweise entlastet.

Vorstandschefin Antje Leminsky versprach in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, dass Transparenz und lückenlose Aufklärung für den Konzern nach wie vor gelten. Sie sprach von "schweren und vielfältigen Anschuldigungen", die Untersuchungen seien "sehr komplex". Zumal viele Vorwürfe sich auf Dinge beziehen, die teils Jahre oder gar Jahrzehnte zurücklägen.

Grenke mache Fortschritte bei der Aufklärung der verschiedenen Vorwürfe und bei der Umsetzung der einzelnen Maßnahmen, um Fehler und Missstände abzustellen, betonte Leminsky. Sie verdeutlichte zudem, dass Grenke über ein funktionierendes Geschäftsmodell verfüge, weiter wirtschaftlich erfolgreich und trotz Corona profitabel sei.

Grenke ist im vergangenen Jahr mit seinem Geschäftsmodell und der Behandlung von Franchise-Gesellschaften ins Kreuzfeuer von Leerverkäufern am Aktienmarkt geraten. Diese warfen dem Unternehmen Manipulation vor. Seitdem versucht Grenke unter anderem mit eigenen Sonderprüfungen wie von KPMG oder von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton (WKGT) die Vorwürfe zu entkräften. Ende September 2020 schaltete sich auch die BaFin mit einer Sonderprüfung ein.

Einer der Hauptvorwürfe betrifft die Behandlung der erworbenen Franchiseunternehmen. Das Franchisesystem nutzt Grenke zur Expansion in neue Märkte. Bisher war das Vorgehen so: Die Kapitalmehrheit der Unternehmen liegt bei verschiedenen Finanzinvestoren, darunter der CTP Handels- und Beteiligungs GmbH (CTP), deren indirekter Eigentümer seit Februar 2020 Wolfgang Grenke ist. Nach etwa vier bis sechs Jahren erwirbt Grenke die Franchise-Unternehmen. Wie bereits im Herbst von Grenke angekündigt, soll dies geändert werden. "Wir haben sehr früh entschieden, das Franchise-Modell zu beenden", sagte Leminky.

An diesem Modell besteht auch ein wesentlicher Kritikpunkt von Mazars. Die BaFin-Sonderprüfer bemängeln, dass die Franchiseunternehmen nicht voll konsolidiert wurden. Dies solle nun für 2020 geschehen, wie Grenke am Freitag weiter mitteilte. Mit der geplanten gesellschaftsrechtlichen Übernahme der Franchiseunternehmen werden auch sämtliche Geschäftsbeziehungen zur CTP und zu den anderen Finanzinvestoren beendet.

Es gebe zudem keinen Grund an dem rechtlichen Bestand und wirtschaftlichen Gehalt der Leasingverträge mit ausstehenden Forderungen in Höhe von rund 5,6 Milliarden Euro zu zweifeln, teilte Grenke mit Bezug auf den BaFin-Sonderbericht weiter mit. Auch beim Blick auf die Kritik an den Bewertungen von den erworbenen Franchiseunternehmen in der Bilanz sieht sich Grenke entlastet. Es zeichne sich kein "systematischer Bedarf für Goodwill-Abschreibungen" ab, hieß es weiter. Die Wertansätze seien trotz methodischer Defizite vertretbar.

Mazars hat laut Grenke zudem auch Prozesse in der Grenke Bank und in der Compliance-Organisation beanstandet. Im Zusammenhang mit Compliance-Mängeln hatte Anfang Februar Konzernvorstand Mark Kindermann mit sofortiger Wirkung das Unternehmen verlassen. Grenke-Finanzchef Sebastian Hirsch verdeutlichte, dass der Vorstand der Grenke Bank verstärkt werden soll. Laut Hirsch sei Mazars der Meinung, dass Grenke bei der Kreditvergabe zu viel Risiko genommen habe, zudem sei "mangelndes Handwerk bei der Kreditvergabe" kritisiert worden. Die Grenke Bank wolle nun eine institutsspezifische Überarbeitung des Risikomodells vornehmen. Ungeachtet dessen habe Mazars zudem "keine Anhaltspunkte zur systematischen oder aktiven Geldwäsche gefunden", sagte Hirsch.

Seit September hat Grenke auch mit einem Umbau beim Management versucht, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Unter anderem hat sich Firmengründer Wolfgang Grenke aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen. Im Dezember wurde das Management um einen Risikovorstand erweitert. Ob und in welcher Form Wolfgang Grenke künftig eine Rolle im Konzern übernehmen könne, wollte Vorstandschefin Leminsky auf Nachfrage nicht beantworten. Dies könne nur Herr Grenke selbst tun, sagte sie.

Mit Blick auf die Geschäftszahlen ließ Grenke wissen, dass für das vergangene Jahr ein Nachsteuerergebnis im oberen zweistelligen Millionenbereich erwartet wird. 2019 hatte der Überschuss 142 Millionen Euro betragen. "Wir werten das Nachsteuerergebnis als klaren Erfolg", sagte Hirsch. Die bilanzielle Eigenkapitalquote zum Jahresende lag bei rund 16 Prozent und die Nettoliquidität am 22. Februar bei 1,29 Milliarden Euro. Das Testat für den Konzernabschluss werde im zweiten Quartal erwartet, wegen verschiedener Prüfungen dauere es diesmal länger als sonst, so Hirsch. "Wir haben uns einmal auf links drehen lassen. Wir haben einiges geändert und wir werden weitere Verbesserungen umsetzen", kündigte der Finanzvorstand an, der davon ausgeht, dass die Integration der Franchise-Unternehmen dauerhaft positive Effekte haben wird./stk/eas/mne/stk