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DAX & Co.: Deutschland ist die Favoriten-Börse der Deutsche Bank – das sind die 10 Top-Picks

Strategien Jürgen Research 65 Leser

Nach einem starken Vorjahr hat die deutsche Börse auch 2026 einen überzeugenden Start hingelegt. Und laut Deutscher Bank ist auch nach der jüngsten Rekordjagd das Ende des Kursaufschwungs noch nicht erreicht. Von zehn Einzelaktien sind die Analysten besonders angetan.

In einer aktuellen Publikation zur derzeitigen Markteinschätzung für das erste Quartal 2026 zeigt sich die Deutsche Bank Research für die globalen Aktienmärkte grundsätzlich konstruktiv gestimmt, hebt dabei jedoch mit Deutschland ein Land besonders hervor.

Während die taktische Übergewichtung europäischer Aktien gegenüber US-Titeln jüngst beendet wurde, bleibt Deutschland der klare Favorit der zuständigen Analysten. Ihre Vorliebe für den heimischen Markt begründen die Strategen bei dem deutschen Kreditinstitut mit einer Kombination aus attraktiven Bewertungen, sich verbessernden Wirtschaftsdaten und massiven fiskalischen Impulsen.

Warum Europa zurückgestuft wurde und Deutschland dennoch glänzt


Die Entscheidung, die taktische Präferenz für Europa gegenüber den USA aufzugeben und auf neutral zurückzukehren, resultiert aus einer erwarteten Ausweitung der Wachstumsfalle. Dank des „Triple B“ – dem One Big Beautiful Bill Act (OBBBA), einem massiven US-Gesetzespaket zur Senkung von Steuern und zur Förderung von Investitionen – dürfte das Wirtschaftswachstum und das Gewinnwachstum der Unternehmen in den USA im ersten Quartal vorübergehend deutlich stärker ausfallen als in Europa. Dennoch bevorzugt die Deutsche Bank Europa weiterhin aus einer Risiko-Rendite-Perspektive, da die großen Marktrisiken wie Handelskonflikte oder Instabilitäten im Technologiesektor eher die USA betreffen.

Innerhalb dieses Umfelds sticht Deutschland als bevorzugte Region heraus. Die Analysten beobachten eine Trendwende beim zuvor extrem negativen Sentiment. Während die Stimmung im November noch von Enttäuschung geprägt war, deuten jüngste Daten auf eine Erholung der tatsächlichen Aktivität hin. So erreichte der Einkaufsmanagerindex (PMI – Purchasing Managers Index) für das Baugewerbe den höchsten Stand seit 45 Monaten.

Zudem wuchsen die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe mit der höchsten Rate seit 2011, sieht man von der Sonderphase nach der Pandemie ab. Die Deutsche Bank erwartet, dass die nun startenden Staatsausgaben diese Dynamik weiter verstärken und die Stimmung endgültig von Enttäuschung in Optimismus drehen wird.

Die Industrieaktivitäten scheinen eine Trendwende zu vollziehen


Die Industrieaktivitäten scheinen eine Trendwende zu vollziehen

Quelle: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research

Der MDAX als Renditebringer und die 10 Top-Picks


Besonders hohes Aufholpotenzial sieht das Institut beim MDAX, der in den letzten vier Jahren massiv hinter dem DAX zurückgeblieben ist. Für den DAX prognostizieren die Analysten bis Ende 2026 einen Stand von 28.600 Punkten (Stand am 14.01.26: 25.286,24 Punkte), während dem MDAX 39.500 Punkte zugetraut werden (Stand am 14.01.26: 31.774.24 Punkte).

Der MDAX hat in den letzten vier Jahren um 68 % schlechter abgeschnitten als der DAX


Der MDAX hat in den letzten vier Jahren um 68 % schlechter abgeschnitten als der

Quelle: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research

Um direkt von der erwarteten Erholung und dem deutschen staatlichen Stimulus-Programm zu profitieren, hat die Deutsche Bank einen Korb aus zehn Top-Picks zusammengestellt. Diese Aktien weisen eine hohe Sensitivität gegenüber den Bereichen auf, die am stärksten vom deutschen Aufschwung profitieren dürften:

In Summe vereint das Portfolio zyklische Industrie, Infrastruktur, Finanzwerte und ausgewählte Konsumtitel. Seit der Auflage am 15.04.2025 liegt der Gesamtertrag des Aktienkorbs mit plus 43 % deutlich über der Performance des STOXX Europe 600 Index sowie des MDAX (Stand 12.01.2026). Und sie versprechen gemessen an den Erwartungen der Deutschen Bank noch immer Kurszuwächse von im Schnitt 16%.

Performance der German Top-Picks im Vergleich zum STOXX Europe 600 Index und zum MDAX


Performance der German Top-Picks im Vergleich zum STOXX Europe 600 Index und

Quelle: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research; (Stand 12.01.2026)

Auch zwei österreichische Titel in der Favoritenliste


Ergänzender Hinweis zur Zusammensetzung der Favoritenliste. Den Deutschland-Fokus definiert die Deutsche Bank nicht nur über den Firmensitz, sondern über die wirtschaftliche Exponierung. Maßgeblich ist, welche Unternehmen am stärksten vom deutschen Investitions- und Konjunkturzyklus profitieren dürften.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, warum zwei österreichische Unternehmen Teil der Top-Picks sind. Voestalpine und Palfinger erzielen einen wesentlichen Teil ihrer Umsätze in Deutschland und gelten operativ als direkte Profiteure deutscher Industrie-, Bau- und Infrastrukturprojekte. Aus Analystensicht sind sie damit ein ebenso klarer Deutschland-Hebel wie begünstigte inländische Titel.

Die zehn Top-Picks der Deutschen Bank im Überblick


Die zehn Top-Picks der Deutschen Bank im Überblick

Quelle: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research; (Stand 12.01.2026)

Zusätzliche Details zu den Empfehlungen


Nachfolgend noch jeweils einige weitere Informationen zu den zehn Favoriten der Deutschen Bank:

Top-Pick Nr. 1: TUI (ISIN: DE000TUAG505, Xetra-Schlusskurs am 14.01.26: 9,03 Euro) Der Reisekonzern steht für eine zyklische Erholung im Konsum- und Dienstleistungsbereich. Als voll integrierter Weltmarktführer erzielt TUI fast 30 % seines Umsatzes in Deutschland und profitiert direkt von einer Erholung der Kauflaune. Eine geplante Senkung der Luftverkehrsteuer könnte die Profitabilität zusätzlich stützen. Die Aktie wird im historischen Vergleich mit einem deutlichen Abschlag gehandelt und bietet bei steigenden Buchungszahlen einen hohen operativen Hebel.

Top-Pick Nr. 2: Volkswagen (ISIN: DE0007664039, Xetra-Schlusskurs am 14.01.26: 103,70 Euro) Der Wolfsburger Automobilkonzern ist laut DB der deutsche Hersteller mit der höchsten Inlandsabhängigkeit. Das Unternehmen profitiert massiv von neuen Kaufanreizen für Elektrofahrzeuge (EV – Electric Vehicle) und steuerlichen Abschreibungsvergünstigungen. Während die Lkw- und Transportersparte von der anziehenden Transportnachfrage gewinnt, stützen sinkende Energiepreise die Margen der gesamten Gruppe.

Top-Pick Nr. 3: Heidelberg Materials (ISIN: DE0006047004, Xetra-Schlusskurs am 14.01.26: 231,10 Euro) Der Baustoffhersteller hält als führender Zementproduzent einen Marktanteil von rund einem Drittel in Deutschland. Das Unternehmen ist ideal positioniert, um vom Anstieg der deutschen Bauvolumina und Infrastrukturprojekte zu profitieren, auf die etwa 10 % des Konzernumsatzes entfallen. Die hohe Preissetzungsmacht des Konzerns gilt als wesentlicher Stützpfeiler für die erwartete Margenerholung.

Top-Pick Nr. 4: Siemens Energy (ISIN: DE000ENER6Y0, Xetra-Schlusskurs am 14.01.26: 126,15 Euro) Der Energietechnikkonzern agiert im Zentrum eines globalen Investitionszyklus für Stromsysteme, der durch die Elektrifizierung und den Bedarf von Rechenzentren getrieben wird. In Deutschland sorgen der Netzausbau und der Kapazitätsausbau bei Gaskraftwerken für zusätzlichen Rückenwind. Besonders die Nachfrage nach Gasturbinen und Upgrades der Transportinfrastruktur spielen dem Unternehmen in die Karten.

Top-Pick Nr. 5: Commerzbank (ISIN: DE000CBK1001, Xetra-Schlusskurs am 14.01.26: 36,03 Euro) Die auf das Firmenkundengeschäft fokussierte Bank ist eng mit dem deutschen Mittelstand verwoben. Die Analysten erwarten einen Anstieg der Kreditnachfrage, insbesondere durch Infrastruktur- und Verteidigungsprojekte. Neben dem Zinsgeschäft bieten die fiskalischen Ausgaben der Regierung zusätzliche Chancen für Provisionserträge im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft.

Top-Pick Nr. 6: Bechtle (ISIN: DE0005158703, Xetra-Schlusskurs am 14.01.26: 43,84 Euro) Der IT-Dienstleister erzielt rund 60 % seines Umsatzes im Inland, wobei ein beachtlicher Anteil von 40 % auf den öffentlichen Sektor entfällt. Als Marktführer im Bereich IT-Services profitiert Bechtle unmittelbar von staatlichen Investitionsprogrammen in die digitale Infrastruktur und der fortschreitenden Digitalisierung der Verwaltung.

Top-Pick Nr. 7: KION (ISIN: DE000KGX8881, Xetra-Schlusskurs am 14.01.26: 64,00 Euro) Der Intralogistik-Spezialist gilt als wichtiger Indikator für die industrielle Gesundheit der Europäischen Union (EU). Als einer der weltweit führenden Anbieter von Gabelstaplern und Lagerautomatisierung profitiert KION indirekt von jedem konjunkturellen Aufschwung in Deutschland und der damit verbundenen Nachfrage nach effizienteren Lieferketten.

Top-Pick Nr. 8: Vossloh (ISIN: DE0007667107, Xetra-Schlusskurs am 14.01.26: 80,90 Euro) Der Bahntechnik-Spezialist konzentriert sich rein auf die Schieneninfrastruktur und erwirtschaftet 14 % seiner Erlöse in Deutschland. Angesichts des massiven Investitionsstaus bei der Bahn liefert das Unternehmen Hardware und Datenservices für die Instandhaltung, was durch langfristige Modernisierungsprogramme der Regierung abgesichert wird.

Top-Pick Nr. 9: Voestalpine (ISIN: AT0000937503, Wiener-Schlusskurs am 14.01.26: 39,90 Euro) Der österreichische Stahl- und Industriekonzern weist eine Deutschland-Abhängigkeit von 20 % bis 25 % auf. Das Unternehmen profitiert einerseits von sinkenden Energiekosten in der energieintensiven Stahlproduktion und andererseits von EU-Handelsmaßnahmen gegen Billigimporte. Trotz hoher Investitionen in die Dekarbonisierung bleibt die Cashflow-Generierung stabil.

Top-Pick Nr. 10: Palfinger (ISIN: AT0000758305, Wiener-Schlusskurs am 14.01.26: 37,60 Euro) Der österreichische Anbieter von Hebe- und Ladesystemen generiert 15 % seines Umsatzes in Deutschland. Die Produkte des Unternehmens finden breite Anwendung im Bauwesen, der öffentlichen Infrastruktur und bei Bahnprojekten – allesamt Sektoren, die im Fokus des aktuellen deutschen Konjunkturpakets stehen.

Fazit: Unter dem Strich sendet die Studie ein klares Signal: Wer in Europa investieren will, kommt an deutschen Aktien kaum vorbei. Während die großen globalen Risiken weiterhin präsent sind, sehen die Analysten der Deutschen Bank in Deutschland eine seltene Kombination aus aufhellender Konjunktur, fiskalischem Rückenwind, moderaten Bewertungen und noch zurückhaltender Anlegerpositionierung.


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