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Der amerikanische Weltraum-ETF mit neuem Allzeithoch. Was steckt dahinter? Welche Aktien gehören auf die Watchliste?

Artikel, Aktienanalysen Marius Müllerhoff 220 Leser

Der amerikanische Weltraum ETF („Procure Space ETF“) mit dem Tickersymbol UFO hat am vergangenen Donnerstag ein neues Allzeithoch markiert. Dies geschah in einem Marktumfeld, das seit geraumer Zeit von Verkaufsdruck der Indizes geprägt ist. So befinden sich der S&P 500 und die Nasdaq Composite jeweils unterhalb ihres gleitenden 200 Tagedurchschnitts.

Für den Weltraum-Sektor gibt es aktuell im Wesentlichen drei Katalysatoren:

Der erste und bedeutendste ist der bevorstehende Börsengang von Elon Musks SpaceX. Das Unternehmen hat vertraulich Unterlagen bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereicht und strebt eine Bewertung von bis zu 1,75 Billionen US-Dollar an. Ein mögliches Listing ist für Juni 2026 geplant. Mit einem angestrebten Emissionsvolumen von bis zu 75 Milliarden US-Dollar würde dies den bisherigen Rekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 bei weitem übertreffen. Da SpaceX bislang nicht börsennotiert ist, nutzen viele Anleger den UFO-ETF als Ersatzinvestment. Der IPO unterstreicht auch die Tendenz, dass heute private Unternehmen zunehmend Aufgaben übernehmen, die früher staatlichen Raumfahrtagenturen vorbehalten waren, während gleichzeitig die strategische Bedeutung von Satelliten für Kommunikation, Verteidigung und Erdbeobachtung wächst.

Der zweite Katalysator ist historischer Natur. Am 1. April 2026 startete die NASA-Mission Artemis II vom Kennedy Space Center. Hierbei handelt es sich um erste bemannte Mission jenseits des erdnahen Orbits seit Apollo 17 im Dezember 1972!

Drittens ist der geopolitische Wettbewerb zu nennen: Raumfahrt gilt heute als Schlüsselindustrie, und Staaten investieren entsprechend massiv in Satellitennetze und militärische Anwendungen. Börsennotierte Unternehmen im Sektor sind die direkten Nutznießer dieses Trends.

Der UFO-ETF erzielte in den vergangenen zwölf Monaten eine Rendite von 130 %. Beim S&P 500 lag die Performance bei 17 %. Die folgende Abbildung stellt die aktuellen 10 Top Holding des genannten ETFs dar.

10 Top Holding des genannten ETFs

Quelle: https://procureetfs.com/ufo/

Planet Labs PBC – Betreiber einer der weltweit größten kommerziellen Satellitenflotten steht am Allzeithoch


Planet Labs PBC (PL) ist ein Pionier im Bereich der satellitengestützten Erdbeobachtung und hat sich als datengetriebenes Raumfahrtunternehmen positioniert.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 2010 in Kalifornien von ehemaligen NASA-Ingenieuren. Ziel war es von Beginn an, die Erde täglich vollständig zu erfassen. Heute betreibt Planet eine der größten Flotten von Kleinsatelliten weltweit.

Das Geschäftsmodell basiert auf dem Verkauf von Geodaten und Analysediensten. Kunden sind Regierungen, Unternehmen aus dem Verteidigungssektor, Landwirtschaftsbetriebe, Energieunternehmen und Versicherer. Die Einnahmen stammen überwiegend aus Abonnements für kontinuierliche Datennutzung. Durch die Kombination mit künstlicher Intelligenz entstehen zusätzliche Mehrwerte, etwa bei der Analyse von Ernteerträgen oder geopolitischen Entwicklungen. So sammelt Planet Labs täglich riesige Mengen an Bilddaten der Erdoberfläche. Diese Daten wären für Menschen allein kaum effizient auszuwerten. KI-Modelle werden daher darauf trainiert, Muster, Veränderungen und Auffälligkeiten automatisch zu erkennen. Beim Thema Landwirtschaft bedeutet das konkret: Die KI analysiert Satellitenbilder und erkennt Unterschiede in der Vegetation, etwa durch Farbveränderungen oder Wachstumsdichte. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand von Pflanzen ziehen. So kann ein Landwirt frühzeitig erkennen, ob ein Feld unter Trockenstress leidet oder Schädlingsbefall vorliegt lange bevor dies mit bloßem Auge sichtbar wäre. Das verbessert Ernteerträge und reduziert Kosten.

Im Wettbewerb steht Planet Labs unter anderem mit Maxar Technologies und Airbus Defence & Space.

Am 19. März 2026 präsentierte das Unternehmen seine Zahlen für das vierte Quartal sowie das Gesamtjahr 2026. Die Aktie konnte um knapp 35 % zulegen und ein neues Allzeithoch markieren. Der Quartalsumsatz erreichte 87 Millionen US-Dollar, ein Plus von 41 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit übertraf man die Analystenerwartung von 78 Millionen US-Dollar deutlich. Der Gewinn je Aktie lag bei minus 0,05 US-Dollar und entsprach damit den Markterwartungen. Für das Gesamtjahr erzielte Planet Labs einen Rekordumsatz von 308 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 26 %. Das Unternehmen erzielte erstmals ein positives bereinigtes Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 15,5 Millionen US-Dollar für ein volles Geschäftsjahr.  

Besonders stark zeigte sich das Verteidigungs- und Geheimdienstgeschäft: Dieser Bereich wuchs im Gesamtjahr um 50 % und war der Hauptwachstumstreiber. Zu den neuen Großaufträgen zählen ein Vertrag über 240 Millionen US-Dollar mit Deutschland sowie ein neunstelliger Auftrag aus Schweden. Der Auftragsbestand stieg um 79 % auf über 900 Millionen US-Dollar und sorgt für gute Planbarkeit beim künftigen Umsatzwachstum.

Außerdem veröffentlichte das Management einen Ausblick für das erste Quartal 2027 sowie das Gesamtjahr 2027, die beiden über den Erwartungen der Wall Street lagen. So erwartet man beispielsweise für das Gesamtjahr 2027 einen Umsatz in Höhe von 415 Millionen bis 440 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von knapp 45 %, wenn man die 440 Millionen US-Dollar als Referenzwert nimmt.

Der Chart macht einen sehr bullischen Eindruck. Obwohl das Gap Up, das aus den Quartalszahlen resultierte, zunächst nicht gehalten werden konnte, steht die Aktie nach drei bullischen Plustagen hintereinander wieder an ihrem Allzeithoch. Insbesondere am vergangenen Donnerstag zeigte die Aktie eine signifikante Stärke. Idealerweise sehen wir nun eine kurzfristige Konsolidierung nahe des Allzeithochs. Dem Ausbruch aus dieser Konsolidierung kann gefolgt werden.

Planet LabsWachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Intuitive Machines – Pionier im Bereich kommerzieller Mondmissionen mit neuem 52 Wochenhoch


Intuitive Machines (LUNR) gehört zu den spannendsten neuen Raumfahrtunternehmen an der US-Börse. Das Unternehmen, das sich auf kommerzielle Mondmissionen, Satellitenkommunikation und Raumfahrtinfrastruktur spezialisiert hat, profitiert von der zunehmenden Kommerzialisierung des Weltraums und arbeitet eng mit staatlichen Auftraggebern zusammen.

Gegründet im Jahr 2013 in Houston und seit 2023 an der Nasdaq notiert, schrieb das Unternehmen im Februar 2024 Geschichte, als sein Lander „Odysseus" als erstes privat finanziertes Raumschiff auf dem Mond aufsetzte.

Das Geschäftsmodell umfasst vier Segmente:

  • Mondtransportdienste im Rahmen des NASA-Programms für kommerzielle Mondnutzlast-Services,
  • Satellitendienstleistungen,
  • erdnahe Netzwerke sowie
  • Raumfahrtprodukte und -infrastruktur.

Umsätze entstehen primär durch staatliche Verträge mit der NASA, dem US-Verteidigungsministerium und aus kommerziellen Partnerschaften. Im September 2024 vergab NASA an Intuitive Machines einen Vertrag zum Aufbau und Betrieb eines Kommunikations- und Navigationsnetzwerks im erdnahen Weltraum bis zum Mond. Der Vertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren mit einer optionalen Verlängerung um weitere fünf Jahre und einem maximalen Gesamtwert von 4,82 Milliarden US-Dollar. Das Geschäftsmodell ähnelt dabei einem Mobilfunkvertrag: Intuitive Machines verkauft Kommunikationsminuten auf dem Netzwerk. Dieser Auftrag ist der mit Abstand bedeutendste im Portfolio. Auf der kommerziellen Seite gibt es Partnerschaften mit privaten Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Beispielsweise können Universitäten oder Technologieunternehmen Nutzlasten buchen, um Experimente auf dem Mond durchzuführen. Ein konkretes Szenario: Ein Halbleiterunternehmen testet Materialien unter Mondbedingungen und bezahlt Intuitive Machines für den Transport und die Datenübertragung.

Im Wettbewerb steht das Unternehmen mit Astrobotic Technology, Rocket Lab sowie mit Firefly Aerospace.

Am 19. März 2026 legte Intuitive Machines seine Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Die Aktie gab zunächst nach, konnte den Tag letztlich jedoch mit gut 4 % im Plus abschließen. Der Quartalsumsatz belief sich auf 45 Millionen US-Dollar und lag damit unter der Analystenerwartung von 54 Millionen US-Dollar. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch 55 Millionen US-Dollar erwirtschaftet. Als Ursache nannte das Management den Regierungsstillstand Ende 2025, der Projektabläufe verzögert hatte. Der Verlust je Aktie lag bei minus 0,05 US-Dollar und übertraf damit die Analystenerwartung von minus 0,06 US-Dollar leicht. Der Gesamtumsatz für das Jahr 2025 belieft sich auf 210 Millionen US-Dollar.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management einen Umsatz zwischen 900 Millionen und einer Milliarde US-Dollar sowie ein positives bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Rund zwei Drittel dieses Umsatzes sind bereits durch bestehende Aufträge gedeckt. Katalysator für diesen Umsatzsprung ist die im Januar 2026 abgeschlossene Übernahme von Lanteris Space Systems für 800 Millionen US-Dollar, die das Unternehmen in nationale Sicherheitsprogramme einführt.

Der Aktienchart sieht sehr bullisch aus. Am vergangenen Donnerstag brach die Aktie unter hohem Handelsvolumen auf ein neues 52 Wochenhoch aus und schloss nahe des Tageshochs. Mutige Trader können auf Tagesschlusskurs vom Donnerstag noch auf den Zug aufspringen. Alternativ bietet es sich an, auf eine Konsolidierung zu warten und den Ausbruch zu handeln.

Intuitive Machines Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox


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