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Die Nasdaq ist unter den 200 Tagedurchschnitt gefallen. Was sagen die psychologischen Indikatoren zur aktuellen Lage?

Artikel, Strategien Marius Müllerhoff 89 Leser

Am vergangenen Freitag ist die Nasdaq Composite unter den gleitenden 200 Tagedurchschnitt (GD) gefallen und schloss auch unterhalb dieses sehr wichtigen Durchschnitts. Das war das erste Mal seit Anfang Mai 2025, dass die Nasdaq unterhalb des 200GD geschlossen hat. Das ist sehr bärisch.  

Der S&P 500 beendete die letzte Woche noch knapp oberhalb des 200GD. Der Russell 2000 schloss ebenfalls noch über dem 200GD. Beide befinden sich jedoch unterhalb des 50GD.

Werfen wir einen Blick auf einige psychologische Indikatoren. Diese bringen das aktuelle Sentiment des Marktes zum Ausdruck.

„Angst und Geiz“ Index – Im Bereich der extremer Angst


Der „Angst und Geiz“ Index bzw. „Fear and Greed“ Index stellt den ersten Indikator vor, den wir uns anschauen wollen. Er wird von CNN Business erhoben und ist vermutlich einer der bekanntesten psychologischen Indikatoren (siehe folgende Abbildung).

Der Index kann Werte zwischen 0 und 100 annehmen, wobei 0 für extreme Angst („extreme fear“) steht und 100 für extreme Gier („extreme greed“) steht. Werte von 0 bis 25 bedeuten „extreme fear“. Werte von 26 bis 45 stehen für „fear“. Werte von 46 bis 55 bedeuten „neutral“. Werte von 56 bis 75 implizieren „greed“ und Werte von 76 bis 100 bedeuten „extreme greed“.

Dieser Indikator wird aus sieben Sub-Indikatoren ermittelt. Hierunter fallen u. a. neue 52 Wochenhochs in Relation zu neuen 52 Wochentiefs, Marktvolatilität und Put/Call Ratio.

Per 16. März 2026 steht der Indikator bei 23 und damit den zweiten Tag in Folge im „extreme fear“-Bereich. Das aktuell niedrige Niveau bedeutet, dass gegenwärtig ein hohes Niveau an Pessimismus im Markt vorliegt. Daher steht die berechtigte Frage im Raum, wie viel Luft der Markt kurzfristig nach unten noch hat.

„Angst und Geiz“ Index

Quelle: https://www.cnn.com/markets/fear-and-greed

AAII-Indikator – Schlagartiger Anstieg des Pessimismus


Ein zweiter psychologischer Indikator ist der AAII-Indikator (siehe folgende Abbildung). Die Abkürzung „AAII“ steht für „American Association of Individual Investors“. Der AAII-Indikator bzw. die AAII-Umfrage befragt Privatanleger, wohin sich der Markt in den nächsten sechs Monaten bewegen wird. Historisch gesehen liegt der Wert für bullisch bei 37,5%, für neutral bei 31,5% und für bärisch bei 31%.

AAII-Indikator

Quelle: https://www.aaii.com/sentimentsurvey

Der Pessimismus unter privaten Anlegern hinsichtlich des kurzfristigen Ausblicks für Aktien hat in der neuesten AAII Sentiment Survey schlagartig zugenommen. Gleichzeitig gingen Optimismus und neutrale Erwartungen zurück.

Der bullische Sentimentwert, also die Erwartung, dass Aktienkurse in den nächsten sechs Monaten steigen werden, sank leicht gegenüber der Vorwoche auf 31,9%. Damit liegt der Optimismus bereits die vierte Woche in Folge unter seinem historischen Durchschnitt von 37,5 %.

Der neutrale Sentimentwert fiel um auf 21,7 %. Dieser Wert ist ungewöhnlich niedrig und liegt zum 86. Mal in den letzten 88 Wochen unter seinem historischen Durchschnitt von 31,5 %.

Der bärische Sentimentwert stieg deutlich an auf 46,4 %. Damit liegt der Pessimismus ungewöhnlich hoch und bereits die fünfte Woche in Folge über seinem historischen Durchschnitt von 31,0 %.

Der „Bull-Bear-Spread“ (bullisches minus bärisches Sentiment) lieg bei –14,4 %. Dieser Wert ist ungewöhnlich niedrig und liegt ebenfalls bereits die fünfte Woche in Folge unter seinem historischen Durchschnitt von 6,5 %.

Folglich zeigen die Ergebnisse der jüngsten AAII-Umfrage eine deutliche pessimistische Haltung der privaten Anlagen hinsichtlich der nächsten sechs Monate.

NAAIM Exposure Index – Auf dem niedrigsten Stand seit Ende April


Der dritte Indikator ist der NAAIM Exposure Index („National Association of Active Investment Managers“). Dieser stellt das durchschnittliche Engagement an den US-Aktienmärkten dar, das von den Investmentmanagern gemeldet wird. Dieser Index gibt Einblick in die tatsächlichen Anpassungen, die aktive Risikomanager in den letzten zwei Wochen in den Konten der Kunden vorgenommen haben. Die blaue Linie in der folgenden Abbildung zeigt einen zweiwöchigen gleitenden Durchschnitt der Antworten der NAAIM-Manager.

NAAIM Exposure Index

Quelle: https://www.naaim.org/programs/naaim-exposure-index/

Der aktuelle Wert liegt bei 66,99. Dies ist der niedrigste Wert seit dem 30. April 2025. Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Investmentmanager gering investiert sind. Sobald sie wieder vermehrt auf der Käuferseite aktiv sind, sollte das eine stärke Rallye nach oben bewirken.  

Marktvolatilität (VIX) – Auf erhöhtem Niveau


Die Marktvolatilität (VIX) stellt den vierten Indikator dar (siehe folgende Abbildung). Hierbei handelt es sich um einen Sub-Indikator des Fear and Greed Index.

Die Berechnung des VIX ist komplex. Kurz zusammengefasst: Es wird die erwartete Volatilität auf Jahressicht berechnet, indem der Durchschnitt der gewichteten Preise von Out-of-the-money-Puts und -Calls für den S&P 500 in Echtzeit gebildet wird. Um die Tagesvolatilität zu berechnen, muss man den VIX durch 16 teilen (16 entspricht ungefähr der Wurzel von 252, wobei 252 für die Anzahl an Trading-Tagen pro Jahr steht).

Beispiel: Wenn der VIX einen Wert von 32 aufweist, dann beläuft sich die erwartete Tagesvolatilität des S&P 500 auf 2%. Dies wäre relativ volatil und wäre ein Anzeichen von Angst im Markt. Man sagt, dass Werte über 40 für sehr hohe Volatilität und damit für viel Pessimismus im Markt stehen, während Werte unter 20 wenig Volatilität und wenig Pessimismus implizieren.

Per 16. März 2026 steht der VIX bei 23,5. Am vergangenen Montag schoss der Vix auf über 35 hoch. Das stand für viel Pessimismus. Der aktuell Wert von 23,6 liegt in einem Bereich leicht erhöhter Volatilität. Das impliziert kein hohes Maß an Pessimismus.

Allerdings muss man berücksichtigen, dass der Vix seit Anfang Februar überwiegend einen Wert oberhalb von 20 aufweist. Das deutet darauf hin, dass seit geraumer Zeit ein gewisses Maß an Unsicherheit vorliegt.

Die Marktvolatilität (VIX)

Quelle: www.tradingview.com

Marktbreite - Abnehmende Anzahl an Aktie, die an dem Aufwärtstrend partizipieren


Die Marktbreite stellt den fünften Indikator dar. Um sich ein gutes Bild von der Marktbreite zu verschaffen, kann man sich verschiedene Indikatoren und breit gefächerte Indizes anschauen.

So spiegelt beispielsweise der bereits genannte Russell 2000 (ein Index, der 2000 kleine und mittelgroße marktkapitalisierte Unternehmen beinhaltet) die Marktbreite wider.

Außerdem ist es im Rahmen der Analyse der Marktbreite sinnvoll, einen Blick darauf zu werfen, wie viele Aktien sich über ihrem jeweiligen gleitenden 50 Tagedurchschnitt (SMA50) und gleitenden 200 Tagedurchschnitt (SMA200) befinden. Aktuell sind es 30,8% und 42,2%. (siehe folgende Abbildung). Verglichen mit den Tiefständen von Anfang April, als wir Werte von 13 % und 17 % erlebten, sehen die Märkte aktuell gesund aus. Gleichzeitig muss betont werden, dass diese Werte in den letzten Wochen stetig gefallen sind. Vor einem Monat lagen sie bei ca. 50 für SMA50 und SMA200.

Marktbreite Indikator

Quelle: https://finviz.com/

Zwei weitere Indikatoren der Marktbreite werden in der folgenden Abbildung dargestellt. Erstens ist es die Anzahl an Aktien, die an einem Tag steigen („advancing“) verglichen mit denen, die fallen („declining“). Zweitens ist es die Anzahl an Aktien, die ein neues 52 Wochenhoch markieren („new high“) im Vergleich mit der Anzahl an Aktien, die ein neues 52 Wochentief machen.

Marktbreite Indikator 2

Quelle: https://finviz.com/

Seit sieben Tagen hintereinander sehen wie mehr „declining“ Aktien als „advancing“ Aktien. Der heutige 16. März 2026 ist der erste Tag mit mehr „advancing“ Aktien. In einem stabilen Aufwärtstrend sollten die „advancing“ Aktien die Oberhand haben.

Die Betrachtung von 52 Wochenhochs („new highs“) und -tiefs („new lows“) ist bedeutender als die von steigenden und fallenden Aktien. Denn jede Aktie kann täglich positiv oder negativ schließen. Ein neues 52-Wochenhoch erfordert aber, dass ein Anleger bereit ist, einen höheren Preis zu zahlen als jeder andere in den abgelaufenen zwölf Monaten. Das erfordert Überzeugung. Zudem zeigt es tatsächlichen Fortschritt: Eine Aktie mag gestern 5 % gefallen und heute 1 % gestiegen sein, aber ist sie langfristig ein Gewinner? Das kann man bei dieser Art von Kursbewegungen nicht aussagen. Ein 52-Wochenhoch hingegen beweist Überzeugung und Netto-Fortschritt in einer einzigen Kennzahl. Per 16. März 2026 hat der S&P 500 sieben Tage hintereinander „new lows“ angezeigt. Das heißt, dass in den letzten sieben Handelstagen netto betrachtet mehr Aktien neue 52 Wochentiefs markiert haben. Das ist bärisch. Erfolgreiche CANSLIM-Trader wie Matt Caruso verfolgen die Regel, dass sie ihr Exposure stark zurückfahren, wenn die Indizes drei Tage oder mehr hintereinander „new lows“ aufweisen.  

Insgesamt bekommen wir ein Bild, das durch abnehmende Marktbreite charakterisiert ist.

Was lässt sich abschließend sagen?


Aktuell gibt uns der Markt ein bärisches Gesamtbild. Die meisten Indikatoren weisen auf Pessimismus und abnehmende Marktbreite hin. Aus Sicht des Sentiments ist eine technische Gegenbewegung der Indizes nicht unwahrscheinlich.


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