Portfoliocheck: SaaS ist sowas von out - und doch investiert Akre gerade jetzt in CCC Intelligent Solutions.
Der überzeugte Value Investor Charles T. Akre gründete Akre Capital Management 1989 und war von Anfang an deren CEO und Chefinvestor. 2021 verabschiedete er sich in den Ruhestand und seitdem führen seine beiden ehemaligen Partner Chris Cerrone und John Neff die Geschäfte. Chuck Akres Erfolgsprinzipien blieben und bleiben die Basis der Investmententscheidungen.
Chuck Akre gilt als einer der besten Investoren der Welt. Er favorisierte stets robuste, durch Konjunktureinbrüche kaum erschütternde Geschäftsmodelle mit wesentlichen und dauerhaften Wettbewerbsvorteilen, langfristigen Wachstums- und Reinvestitionsmöglichkeiten sowie einem attraktiven Kaufpreis im Verhältnis zu den vom Unternehmen generierten Cashflows, um eine hohe Kapitalrendite zu erzielen.
Neudeutsch formuliert setzte Chuck Akre bevorzugt auf „Compounding Machines“. Die Rendite sei ein weiterer wichtiger Bestandteil des Zinseszinseffekts, der jedoch grundsätzlich mit dem Faktor Zeit verbunden sei, dessen Bedeutung jedoch oft unterschätzt werde, weil Anleger von schnellem Wachstum stärker fasziniert seien als von Dauerhaftigkeit. Schnelle Wachstumsraten seien leicht zu beobachten und würden daher tendenziell überbewertet, während die Länge des sprichwörtlichen "Hügels" schwieriger zu erkennen ist. Dabei liege genau hierin der Schlüssel für langfristig überdurchschnittliche Renditen, erklärte Akre. Des Weiteren war er stets ein Anhänger des Focus Investing und konzentrierte sich auf einige wenige Werte. Akre setzte also auf die besten Aktien und nicht auf eine möglichst große Anzahl.
Und so sind es letztlich nur diese drei entscheidenden Grundprinzipien, die den großen Erfolg ausmachen. Das schwierigste scheint dabei die Auswahl der richtigen Qualitätsaktien zu sein, doch Akre sah das größte Problem für Anleger darin, sich nicht zum falschen Zeitpunkt und aus den falschen Gründen aus ihren Investments verscheuchen zu lassen. Er nannte dies „die Kunst, nicht zu verkaufen“ und riet stets dazu, sich nicht von herausragenden Unternehmen zu trennen, nur weil deren Kurs mal zu weit vorausgeeilt war und die Aktien deshalb überbewertet erschienen. Und schon gar nicht sollten Anleger während eines Börsencrashs in Panik die Aktien von Qualitätsaktien auf den Markt schmeißen. Im Grunde sollten Anleger möglichst selten in ihr Depot schauen und Aktien umschichten.
Diesen Prinzipien blieb Chuck Akre stets treu und die Erfolge von Akre Capital Management können sich sehen lassen: So blicken die Investoren nach 30 Jahren auf eine durchschnittliche Rendite in Höhe von 13,5 % zurück, ohne dass Akre hierzu allzu sehr auf Technologiewerte gesetzt hätte, die nur einen sehr geringen Teil seines Portfolios ausmachen. Er punktete überwiegend in anderen Sektoren, und das ist auch heute noch so, wie der Blick ins Portfolio zeigt.
Akres Käufe und Verkäufe im 3. Quartal 2025
Akre agiert stets mit ruhiger Hand, doch mit einer Turnoverrate von 5 % agierte man zuletzt ungewohnt aktiv.

Beim Medizintechnikspezialisten Danaher halbierte Akre seine Position. Diese hatte man von Ende 2013 bis Mitte 2014 etabliert und nun zum etwa vierfachen Preis verkauft. Hinzu kommen noch die Erlöse aus den zwischenzeitlich erfolgten Spin-offs von Fortive, Envista und Veralto, so dass sich Danaher als eines der erfolgreichsten Investments in diesem Zeitraum präsentiert, obwohl der Kurs noch immer weit unterhalb seiner Höchststände aus dem Corona-Boom 2021 liegt.
Ebenso stark baute Akre seine Position bei American Tower ab. Das ist keine neue Entwicklung, denn auf eine Halbierung im ersten Quartal folgte im zweiten eine Reduzierung um zwei Drittel und nun nochmals eine Halbierung der Restposition. Dabei war der Tower-REIT vor einiger Zeit noch Akres Top-Position. Sein Einstieg liegt mehr als zwei Jahrzehnte zurück und bis zum dritten Quartal 2018 kaufte Akre in beinahe jedem Quartal weitere Anteile. Seit Anfang 2024 nimmt Akre nun seine enormen Kursgewinne mit und dürfte sich bald von allen Anteilen getrennt haben. Die zunehmende Konkurrenz durch satellitengestützte Kommunikation setzt dem Geschäftsmodell zu und auch der Kurs notiert rund 40 % unterhalb seines Allzeithochs aus dem Herbst 2021.
Des Weiteren stieß Akre erneut Aktien von Roper Technologies ab, einem Serial Acquirer im Bereich missionskritischer Software. Auch hier ist Akre bereits seit Mitte 2014 an Bord und kann nun seine Anteile zum drei- bis vierfachen Kurs versilbern; der Höchststand der Aktie wurde im Frühjahr 2025 erzielt, bevor es um ein Viertel abwärts ging. Der zunehmende Erfolg der KI nagt an allen Softwareunternehmen, da KI zunehmend das Codeschreiben übernimmt und damit immer mehr Anleger die Wehrhaftigkeit des Burggrabens von Softwarefirmen hinterfragen – und damit den Wert der Roper-Beteiligungen. Mit einer Anteilsreduzierung um ein Fünftel hält sich der Verkaufsdruck seitens Akre aber noch in Grenzen.
Bei O’Reilly Automotive ist Akre bereits seit 20 Jahren investiert und reduzierte nun seine Position erneut, doch nach einem Viertel im Vorquartal waren es nun niedrigere 9 %. Im Gegenzug stockte er bei Wettbewerber CoParts weiter auf, wo er erst vor Kurzem frisch eingestiegen war.
Und dann nahm Akre noch im Finanzsektor Geld vom Tisch und verkaufte weitere Anteile seiner Langzeitinvestments Moody’s (2012), den beiden Kreditkartennetzwerken Mastercard (2010) und VISA (2012) sowie Finanzinvestor KKR (2014).
Dafür wurde die im Vorquartal neu etablierte Position an Fair Isaac massiv erhöht. Die ermitteln den sogenannten FICO-Score, was mit unserer Schufa vergleichbar ist, doch das Unternehmen hat seit einiger Zeit mit einer Kombination aus enttäuschenden Quartalsergebnissen, wirtschaftlicher Unsicherheit, verstärktem Wettbewerb und regulatorischen Herausforderungen zu kämpfen. Die Markposition ist dennoch herausragend und Akre scheint überzeugt zu sein, dass sich daran auch künftig wenig ändern wird.
Und dann ist da noch CCC Intelligent Solutions, wo Akre seit Anfang 2024 investiert ist und die Position bei fallenden Kursen immer weiter aufstockt. CCC ist auf die Schaden- und Unfallversicherungsbranche spezialisiert und hauptsächlich in den USA und China tätig. Das 1980 gegründete Unternehmen bietet eine cloudbasierte Plattform für den Versicherungssektor, die komplexe Prozesse und Interaktionen digitalisiert und mithilfe künstlicher Intelligenz Arbeitsabläufe wie die Erkennung von Fahrzeugschäden, die Reparaturkalkulation und die Abwicklung von Schadenfällen optimiert. Mit Erfolg, denn inzwischen zählen zu CCCs Netzwerk bereits mehr als 35.000 Unternehmen, darunter mehr als 300 Versicherer und 30.500 Reparaturbetriebe sowie zahlreiche Automobilhersteller, Zulieferer und Kreditgeber.
Vor einem Jahr übernahm CCC zudem EvolutionIQ und hat so seine Kompetenzen auf den Bereich der Invaliditäts- und Arbeitsunfallversicherungen ausgeweitet. Mit einem starken Fokus auf KI- und Cloud-Technologie möchte CCC Innovationen und Effizienz in der Versicherungswirtschaft vorantreiben, datengestützte Erkenntnisse liefern und eine nahtlose Integration innerhalb seines Netzwerks ermöglichen. Die Stoßrichtung ist klar: CCC erweitert sein Angebotsspektrum und gewinnt so auch neue Kunden hinzu. Gleichzeitig kann man dem bestehenden Netzwerkpartnern neue Leistungen anbieten und schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe.
Und in diesem Netzwerk liegt CCCs großer Wettbewerbsvorteil. Die umfassende Palette an KI-gestützten Lösungen, steigern die Effizienz und operative Effektivität und machen CCC zu einem bevorzugten Partner vieler führender Versicherer. Dank der nahtlosen Integrationsmöglichkeiten über seine Cloud-Plattform sind die Angebote dabei auf die spezifischen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Und natürlich wird der Großteil der Erlöse als Software-as-a-Service (SaaS) verkauft, fließt also in Form stetiger Abo-Gebühren in CCCs Kassen. Das war bis zum Siegeszug der generativen KI der Erfolgsfaktor schlechthin, auch für den Aktienkurs. Doch inzwischen gesteht der Kapitalmarkt diesem Businessmodell nicht mehr das hohe Premium zu und so fallen die Kurse trotz weiterhin starker Geschäftsergebnisse. Eine entgegengesetzte Entwicklung wird sich irgendwann zwangsläufig auflösen: entweder implodiert das Business oder die Kurse explodieren.
Akre setzt bei CCC auf das etablierte Netzwerk und den starken Burggraben, so dass die fallenden Kurse zum Aufstocken genutzt werden. Akre kauft nicht die Software, sondern das Netzwerk. Man setzt darauf, dass die Netzwerkpartner weiterhin dessen Vorteile nutzen und die mit einer Abkehr verbundenen enormen Wechselkosten scheuen. Zumal sie dann ja auch noch eine alternative Lösung finden müssten, die entweder mehr Leistung bietet oder deutlich günstiger ist. Oder beides. Netzwerkeffekte sind eben einer der effektivsten Burggräben und CCC bedient hervorragend Akres Beuteschema.
Akres Portfolio zum Ende des 3. Quartals 2025
Akre Capitals Portfoliowert sank in diesem Quartal erneut leicht auf 10 Mrd. USD. Das fokussierte Portfolio enthält unverändert 19 Positionen und es erfolgten dementsprechend keine Neuerwerbungen.
Die Assets under Management verteilen sich dabei auf private Fonds, separat verwaltete Konten und den Akre Focus ETF. Seit der Auflegung im Jahr 2009 bis zum dritten Quartal 2025 liegt die annualisierte Rendite bei 14,91 % verglichen mit 14,54 % für den S&P 500 Index. Der Investmentfonds wurde im Oktober 2025 in einen ETF umgewandelt und enthält auch einige Positionen, die Akre nicht in seinem 13F an die US-Börsenaufsicht SEC melden muss. Darunter LVMH, Constellation Software und Topicus.com, ein Spin-off von Constellation Software.
Wie Buffett und Munger fand Akre stets großen Gefallen an Finanzwerten und diese machten zum Ende des Quartals mit 63 % beinahe zwei Drittel des Portfolios aus. Dahinter folgen zyklische Konsumtitel mit 13,5 % Gewichtung vor Technologiewerten mit 11,1 %, Immobilienwerten mit 8,7 %, Gesundheitswerten mit 3,6 % und Industriewerten mit 1,9 %.

Die fünf größten Positionen Mastercard, Brookfield, KKR, VISA und Moody’s bringen es zusammen auf knapp 62 % Gewichtung. Dieses Finanz-Quintett führt schon länger Akres Portfolio an, doch nun haben VISA und Moody’s zumindest mal die Plätze getauscht.
Abseits des Finanzsektors ist Akres Portfolio über eine Reihe von Branchen verstreut, auch wenn diese zumeist nur von einem Unternehmen repräsentiert werden. Auf Rang sechs liegt unverändert der Autoteilespezialist O’Reilly Automotive gefolgt von der CoStar Group, die sich an Serial Acquirer Roper Technologies vorbeischieben konnte nach dem hier erfolgten Teilverkauf.
Dahinter schließen sich nun Airbnb, Fair Isaac, Danaher und CCC Intelligent Solutions an, die dank der anhaltenden Aufstockungen inzwischen bereits eine Depotgewichtung von 1,5 % erreicht und auf den dreizehnten Platz geklettert ist.
Der einstige Depotspitzenreiter und „gefallene Engel“ American Tower ist inzwischen auf ein Depotgewicht von 0,9 % zusammenschrumpft und vor dem endgültigen Aus stehen. Damit ginge eine ungeheure Erfolgsstory zu Ende. Und von denen finden sich eine ganze Reihe in Akres Depot. Es lohnt sich für langfristig orientierte Anleger also, hier immer ganz genau hinzusehen, um die eine oder andere Compounding Machine zu entdecken, die auch das eigene Depot bereichern könnte. Im wahrsten Sinne des Wortes…

Eigene Positionen: Brookfield, KKR
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