Beim US-Reiseportal Tripadvisor spitzt sich die Lage zu: Der aktivistische Investor Starboard Value baut laut Berichten eine Beteiligung von mehr als 9 % auf und drängt nun auf einen umfassenden Umbau des Verwaltungsrats. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf ein Schreiben des Investors berichtet, bereitet Starboard sogar vor, eine Mehrheitsliste eigener Kandidaten für das Board zu nominieren. Der Vorstoß gilt als deutliches Zeichen wachsender Ungeduld: Seit dem Einstieg im Sommer 2025 hat sich die Aktie nach anfänglichem Kursschub nahezu halbiert. Belastet wird die Bewertung unter anderem durch schwache Geschäftszahlen und die zunehmende Sorge, dass KI-gestützte Such- und Buchungslösungen den Website-Traffic unter Druck setzen könnten. Starboard argumentiert zudem, das Unternehmen werde im Vergleich zu Wettbewerbern wie Airbnb, Expedia oder Booking deutlich niedriger bewertet und sollte daher strategische Optionen prüfen – darunter einen Verkauf der Restaurantplattform TheFork oder sogar eine vollständige Veräußerung des Konzerns.
Die operative Entwicklung liefert zusätzlichen Zündstoff für den Konflikt. Im vierten Quartal 2025 stagniert der Umsatz bei 411 Mio. USD und signalisiert eine deutliche Wachstumsabkühlung. Gleichzeitig verschlechtert sich die Profitabilität erheblich. Besonders kritisch sehen Anleger den negativen operativen Cashflow von 103 Mio. USD sowie einen Free-Cashflow von minus 122 Mio. USD. Zwar wächst das Segment „Erlebnisse“ zweistellig und entwickelt sich zum wichtigsten Ergebnistreiber, doch das klassische Hotelgeschäft schrumpft deutlich. Parallel reagiert das Management mit Kostensenkungen und Stellenabbau sowie einer strategischen Neuausrichtung auf ein stärker KI-getriebenes Geschäftsmodell. Dennoch bleibt die Visibilität gering – ein konkreter Ausblick für das laufende Geschäftsjahr fehlt. Für Investoren entsteht damit eine klassische Sondersituation: Aktivistischer Druck kann Wert freisetzen, gleichzeitig erhöht sich die strategische Unsicherheit erheblich.