Die Qualcomm-Aktie erlebt nach den jüngsten Quartalszahlen einen regelrechten Kurssprung und zählt so den stärksten Gewinnern im Technologiesektor. Dabei sind es weniger die eigentlichen Geschäftszahlen, die die Euphorie auslösen, sondern vielmehr neue Perspektiven im boomenden Markt für KI-Rechenzentren. Qualcomm kündigt an, noch im laufenden Jahr erste Auslieferungen eines speziell entwickelten Rechenzentrums-Chips an einen großen Hyperscaler zu starten. Konzernchef Cristiano Amon spricht dabei von einer langfristigen Zusammenarbeit über mehrere Chip-Generationen hinweg. Für Anleger markiert dies einen potenziell strategischen Wendepunkt: Qualcomm versucht damit, sich unabhängiger vom schwankungsanfälligen Smartphonegeschäft zu machen und stärker am milliardenschweren KI-Infrastrukturboom zu partizipieren.
Operativ fällt das Quartal dagegen eher gemischt aus. Qualcomm erzielt im zweiten Geschäftsquartal einen Umsatz von 10,6 Mrd. USD und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 2,65 USD und übertrifft damit die Analystenschätzungen leicht. Belastend wirkt weiterhin die Schwäche im Smartphonegeschäft: Die Umsätze im Handset-Segment gehen um 13 % zurück. Gleichzeitig wächst jedoch das Automotive-Geschäft kräftig um 38 %, was die zunehmende Diversifizierung des Konzerns unterstreicht.
Kritischer bewerten Investoren und Analysten den vorsichtigen Ausblick für das laufende Quartal, der unter den bisherigen Markterwartungen liegt. Qualcomm kämpft weiterhin mit einem schwierigen Smartphone-Markt, steigenden Speicherpreisen und einer insgesamt zurückhaltenden Konsumstimmung im Elektroniksektor. Analysten von J.P. Morgan und Morgan Stanley warnen zudem davor, dass Engpässe und hohe Preise bei Speicherchips länger anhalten könnten als bislang angenommen. Dennoch überwiegt aktuell am Markt die Hoffnung, dass Qualcomm durch KI-Chips, Rechenzentrumslösungen und sogenannte ASICs ein neues langfristiges Wachstumsfeld erschließen kann. Mehrere Analystenhäuser heben nach den Zahlen ihre Kursziele für die Aktie an.