ASML Holding N.V.EI Kaufen
12.08. 21:59 1.573,400€ +1,25%
CoreWeave Inc.DI Kaufen
12.08. 21:59 107,873$ +19,43%
Infineon Technologies AGEI Kaufen
12.08. 21:59 63,470€ +0,99%
Siltronic AGEI Kaufen
12.08. 21:59 83,300€ +5,44%
STMicroelectronics N.V.EI Kaufen
12.08. 21:59 47,125€ -1,32%
12.08. 12:27

AKTIEN IM FOKUS: Chipwerte profitieren dank Coreweave von frischer KI-Fantasie


FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein überraschend starker Quartalsbericht von Coreweave sowie ein weit über den Erwartungen liegender Ausblick von Super Micro Computer haben am Mittwoch Aktien aus Europas Halbleiterbranche Auftrieb für eine weitere Erholung gegeben. Die Fantasie und Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) erhielt neue Nahrung.

Hierzulande zählten Infineon im Dax zu den Spitzenwerten mit gut 3 Prozent auf bis zu 64,95 Euro. Sie überwanden wieder die 21-Tage-Linie, die den kurzfristigen Trend signalisiert und auch die 100-Tage-Linie - ein mittelfristiger Trendindikator bei aktuell knapp unter 64 Euro.

Im MDax legten Aixtron und Elmos um etwas mehr als 3 Prozent zu und Suss Microtec sowie Siltronic um mehr als 4 Prozent.

Im EuroStoxx zählten ASML mit gut 2 Prozent Zuwachs zu den Favoriten und bestätigten den Ausbruch über ihre 50-Tage-Linie. Zum Rekordhoch bei 1.741 Euro von Ende Juni fehlen gerade einmal knapp 10 Prozent. Für STMicro ging es am Mittwochvormittag zugleich in Paris um bis zu 1,9 Prozent anach oben.

Coreweave habe mit den Resultaten signalisiert, dass die Geldausgaben für KI weiter auf Hochtouren laufen, kommentierte Marktexperte Stephen Innes. "Trotz des Geredes über erste Risse im KI-Boom hat CoreWeave dem Markt recht deutlich vor Augen geführt, dass der Ausbau der Infrastruktur keineswegs plötzlich zum Stillstand gekommen ist."

Dabei verwies Innes nicht nur auf die angehobene Jahresumsatzprognose des Anbieters von KI-Rechenleistung, sogenannter Neoclouds, nach einem neuen Quartal mit rasantem Wachstum. Die entscheidende Zahl sei der Auftragsbestand. Dieser hatte am Quartalsende 104 Milliarden US-Dollar betragen, und anschließend waren bereits weitere Kundenverträge im Wert von mehr als 25 Milliarden Dollar hinzugekommen. "Das ist ein beachtliches Volumen an vertraglich zugesicherter Nachfrage für eine Branche, der die Skeptiker ständig prophezeien, sie werde bald unsanft auf dem Boden der Tatsachen landen."

Über Bewertungen, zirkuläre Finanzierung, Verschuldung, Kreditrisiken oder auch die Frage, ob jeder für KI ausgegebene Dollar letztlich eine akzeptable Rendite abwerfe, lasse sich trefflich streiten, so Innes. Doch sei dies etwas völlig anderes, als zu behaupten, die Nachfrage nach Rechenleistung sei bereits abgeflaut.

Dabei verwies er auf das Unternehmen als inzwischen recht verlässlichen Indikator für die Nachfrage nach KI-Infrastruktur, das Kunden wie OpenAI, Meta und Microsoft beliefere und gleichzeitig eng mit dem KI-Chiphersteller Nvidia verbandelt sei. "Würde der Investitionszyklus im KI-Bereich also ins Stocken geraten, müsste sich dies hier bereits bemerkbar machen", erklärte Innes.

Stattdessen aber ist laut Vorstandschef Michael Intrator die Kapazität weiterhin so knapp, dass neu unterzeichnete Verträge Margen aufwiesen, die fünf bis zehn Prozentpunkte über denen jüngster Abschlüsse lägen. Und das, so Innes, signalisiere, "dass die Kunden weiterhin um knappe Rechenkapazitäten konkurrieren und die Anbieter ihre Preissetzungsmacht behalten".

Dieses Bild hatte am Dienstagabend auch der Ausblick von Super Micro Computer untermauert, dessen Umsatzprognose für das laufende dritte Quartal selbst die höchsten Analystenschätzungen übertroffen hatte. Innes erinnerte obendrein daran, dass Microsoft erst kürzlich das schnellste Cloud-Wachstum seit 2022 bekannt gegeben hatte und der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft von Alphabet im Vergleich zum Vorquartal rasant gewachsen war.

Dennoch sieht der Marktexperte durchaus berechtigte Skepsis hinsichtlich der Finanzstruktur hinter dem KI-Boom. "CoreWeave selbst hat sich zweistellige Milliardenbeträge geliehen und gleichzeitig massiv in Chips und Rechenzentren investiert; die Bilanz des Unternehmens bleibt daher ein zentraler Diskussionspunkt." Gleichzeitig aber zeige ein Blick auf die operativen Daten, dass die Kundennachfrage weiterhin stark sei. "Dieses Spannungsfeld könnte sich letztlich zu einer der entscheidenden Debatten über die nächste Phase der KI-Entwicklung am Markt entwickeln", erwartet Innes./ck/ag/mis