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08.10. 11:01

ROUNDUP: Argenx erleidet Studienflop mit Mittel gegen Autoimmunkrankheit Sjögren


AMSTERDAM (dpa-AFX) - Das Biotechunternehmen Argenx hat bei seinen Medikamententests einen Rückschlag hinnehmen müssen. Das Unternehmen stoppte eine weit vorangeschrittene Phase-III-Studie mit dem Wirkstoff Efgartigimod Sc zur Behandlung des Sjögren-Syndroms. An der Börse sorgte die Nachricht für einen prozentual zweistelligen Kurseinbruch. Da half auch nicht, dass Argenx zugleich bei einem weiteren Medikament positive Studienergebnisse zu vermelden hatte. Mit einer Studie zu einem möglichen Medikament gegen Zöliakie hatte das Unternehmen Erfolg.

Die im EuroStoxx 50 gelistete Aktie verlor zuletzt als weit abgeschlagenes Indexschlusslicht fast 16 Prozent an Wert. Damit ist die bisherige Jahresbilanz inzwischen leicht negativ. Auf Sicht von fünf Jahren hat sich der Wert des Papiers aber fast verdreifacht. Und binnen zehn Jahren hat sich die Aktie sogar auf fast das 60-Fache verteuert.

Argenx erwirtschaftet sein Geld derzeit zu fast 100 Prozent mit dem Wirkstoff Efgartigimod Alfa, der zur Behandlung der schweren Muskelschwächekrankheit Myasthenia gravis (Mg) eingesetzt wird. Das Unternehmen ist daher auf der Suche auch nach anderen Einsatzgebieten und neuen Wachstumstreibern.

Bei der nun gefloppten Studie kam erneut der Wirkstoff Efgartigimod Alfa zum Einsatz. Eine Zwischenanalyse habe gezeigt, dass das wichtigste Ziel der Tests nicht erreicht werden könne, teilte Argenx zur Begründung am Donnerstag mit. In der Studie sollte untersucht werden, ob sich die Aktivität der Krankheit nach 48 Wochen stärker verringert als bei der Vergabe eines Placebo. Beim Sjögren-Syndrom handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, zu deren Symptomen unter anderem starke Erschöpfung und extreme Trockenheit von Mund und Augen gehören.

Für Bernstein-Analyst Justin Smith ist der Rückschlag indes keine große Überraschung. Er hatte der Studie ohnehin lediglich eine Erfolgschance von 20 Prozent beigemessen, da Sjögren schlichtweg ein "Friedhof der Forschung" sei. So habe es vor einem Studienerfolg von Novartis im vergangenen Jahr mehr als zwei Jahrzehnte keine bedeutenden Innovationen mehr in dem Bereich gegeben. Zudem sei es wegen des komplexen und heterogenen Krankheitsbildes extrem schwer, die passenden Patienten für Studien auszuwählen.

Für weitaus wichtiger hält Smith jedoch die aktuellen Meldungen von Argenx zum Wirkstoffkandidaten FB102. In einer Studie der mittleren Phase - also Phase II - zur Behandlung von Zöliakie erzielte Argenx ein positives Ergebnis und erreichte nach eigenen Angaben das wichtigste Ziel des Tests. Bei der Autoimmunerkrankung Zöliakie wird der Dünndarm durch Gluten geschädigt. Das Unternehmen will den Wirkstoff nun weiterentwickeln und in die entscheidende Studienphase III überführen.

Der Bernstein-Experte sieht damit den jüngsten Chefwechsel gerechtfertigt. Der wichtigste Grund für die Personalrochade sei gewesen, die eigene Medikamentenpipeline durch Innovationen von außen zu verbreitern, so der Analyst. So ist FB102 kein originär eigenes Medikament, sondern kam im Zuge der mehr als 2 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Forte Biosciences erst jüngst im Juli dieses Jahres unter das Dach von Argenx.

Zuvor hatte Karen Massey Anfang Mai den Chefsessel beim Unternehmen übernommen, sie war vor ihrer Ernennung im Vorstand für das operative Geschäft tätig gewesen. Der bis dahin langjährige Chef und Mitgründer, Tim Van Hauwermeiren, wechselte im Zuge dieses geplanten Führungswechsels auf den Posten des Vorsitzenden des Verwaltungsrats. /tav/mis/stk