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3D-Drucker-Aktien: Diese drei Titel musst Du kennen!

Aktienanalysen Ferdinand Schnitzer 4.989 Leser

Liebe Leser,

vor ein paar Jahren existierte ein regelrechter Hype um 3D-Druck-Aktien. Der 3D-Druck Bereich ist also nicht neu an der Börse. Seitdem ist viel Zeit vergangen und die Technologien rund um den 3D-Druck wurden weiterentwickelt. In der jüngsten Vergangenheit rückte der Bereich wieder in das Rampenlicht der Börse. Für dieses Momentum spielen einige Faktoren eine Rolle:

1. Stellenausschreibung von Tesla: Bereits im Oktober 2020 sorgte Tesla für eine Art Wiederauferstehung des 3D-Druck-Bereiches. Zu dieser Zeit veröffentlichte der Elektroautobauer eine Stellenausschreibung, in der Fertigungstechniker mit 3D-Druck-Erfahrungen für die Gigafactory gesucht wurden. In der Ausschreibung wurde außerdem auf das "Additive Manufacturing" von Tesla eingegangen. Die Folge waren Kurssprünge im 3D-Druck-Bereich.

2. Cathie Wood und ARK Invest: Ein zweiter Faktor für das Momentum in diesem Bereich stellt das Engagement der erfolgreichen Investorin Cathie Wood dar. Die Gründerin und Geschäftsführerin von ARK Investment Management äußerte sich ebenfalls im Oktober 2020 in einem Interview mit Barron positiv über die 3D-Druck-Branche. Dabei geht sie unter anderem darauf ein, dass sich die Akzeptanz aufgrund der Schnelligkeit und Kosteneffizienz der Technologie erhöhen dürfte. Außerdem spricht sie in diesem Kontext das Potenzial für die Luft- und Raumfahrt an, was die Fantasie nochmals ankurbelte. Ihre Investment-Ideen rund um den 3D-Druck-Bereich hat Sie in einem ETF zusammengefasst. Dieser "The 3D Printing ETF" investiert in verschiedene Unternehmen aus dem 3D-Druck-Bereich. Dabei unterscheidet sie die folgenden Bereiche: 3D-Druckhardware, CAD (Computergestütztes Design), 3D-Drucksimulationssoftware, 3D-Druckzentren, Scannen und Messen und 3D-Druckmaterialien. Im Dezember 2020 umfasst der ETF 49 Unternehmen. Das sind die größten 20 Positionen (Stand: 12. Februar 2021):

Quelle: ARK INVEST

3. Wallstreetbets: Ein dritter Faktor, der auch für das Momentum der 3D-Druck-Aktien mitverantwortlich sein könnte, ist die Wallstreetbets-Bewegung. Diese hat sich über die Social-Plattform Reddit zur Mission gesetzt, hoch-geshortete Aktien zu kaufen, um Hedgefonds durch einen Short-Squeeze in Bedrängnis zu bringen. Auch Aktien aus dem 3D-Druck Bereich wurden tendenziell häufig leerverkauft. Das ist also ein weiterer Faktor, welcher das positive Momentum der 3D-Druck-Aktien erklären könnte.

Wir von TraderFox haben zwei Kurslisten rund um das Thema 3D-Druck erstellt, die wir auf regelmäßiger Basis aktualisieren. Diese könnt ihr im Explorer unter "Im Rampenlicht" finden. Ihr kommt zum Explorer, indem ihr zum Trading-Desk (https://traderfox.com/) geht. Auf dem Trading-Desk angekommen befindet sich der Explorer links oben im Eck - einfach auf das Raketensymbol klicken. Im Explorer könnt ihr zum Beispiel verschiedene Anlagetrends oder Indizes finden. Unter "Im Rampenlicht" sammeln wir alle Trends, die aktuell relevant sind. Dort ist beispielsweise E-Mobilität, Wasserstoff oder 5G Technologie aufgelistet. Wenn ihr auf einen Anlagetrend klickt, öffnen sich alle relevanten Aktien des Trends. In diesem Artikel möchte ich mich auf den Anlagetrend "3D Drucker Technologien" konzentrieren und drei Aktien genauer vorstellen. 

Einfach gesagt geht es bei diesem Anlagetrend um die Herstellung von dreidimensionalen Produkten. Diese Technologie sorgt vor allem in der Produktionswirtschaft für starke Veränderungen. Zum Beispiel können Prototypen vergleichsweise einfach und kostengünstig produziert werden. Dabei kann die Technologie in verschiedenen Branchen Anwendung finden. Von der Medizin, zum Beispiel bei Prothesen, über die Automobilwirtschaft und in vielen weiteren Branchen ist der Einsatz möglich.

Vor allem jüngste Entwicklungen sprechen für die 3D-Druck-Technologie. Auf der einen Seite ist die Covid-Pandemie zu nennen. Diese hat gezeigt, wie vernetzt die globalisierte Welt ist. Die Lieferketten sind oftmals sehr verzwickt. Ein exogener Schock wie die weltweite Pandemie kann die Lieferketten teilweise unterbrechen. Folglich wird das Bedürfnis geweckt, Produkte vor Ort herzustellen. Das kann Zeit und Geld sparen. Nichtsdestotrotz kann die Pandemie die 3D-Druck-Branche kurzfristig belasten. Auf der anderen Seite kann das zunehmende Umweltbewusstsein ein Treiber der Technologie sein. Durch die Produktion vor Ort können lange Wege rund um den Globus reduziert werden. Außerdem wird der Technologie nachgesagt, dass der Materialverbrauch sehr gering sei und folglich Abfall minimiert werden kann.

Proto Labs: Der profitable Prototyping-Spezialist 


Das 1999 gegründete US-amerikanische 3D-Druck-Unternehmen hat sich auf das Prototyping und die Fertigung von Kurzserien fokussiert. Dabei umfasst das Angebot Blech- und Spritzgussteile. Auf der Firmenwebseite nennt sich das Unternehmen selbst als den größten Hersteller in diesem Segment. Aktuell hat es mehr als 2500 Mitarbeiter, die in zwölf Produktionsstätten weltweit arbeiten. Diese sind sowohl in Amerika, in Europa als auch in Japan lokalisiert. Während der meiste Umsatz mit 79 Prozent in den Vereinigten Staaten gemacht wird, wächst der Umsatz in Japan am stärksten. Im Jahr 2019 wurden beispielsweise 48 000 Produktentwickler bedient. Die Kunden kommen dabei aus verschiedenen Branchen. Konkret kommen die Kunden beispielweise zu circa 20-25 Prozent aus dem Gesundheitsbereich, zu 20 Prozent aus dem Elektronikmarkt, 10 Prozent aus der Industrie und dem Maschinenbau, 5 Prozent aus der Luftfahrt und 5 Prozent aus der Automobilbranche. Der gesamte Produktionsprozess ist dabei digitalisiert. Dabei können Produktentwickler rund um die Uhr ein 3D-CAD-Modell online hochladen. Völlig automatisiert wird dann ein Angebot inklusive Design-Feedback und Preisen erstellt. Ist das Design anschließend fertig, werden Anweisungen digital an die Produktion gesendet. Der ganze Prozess dauert dabei laut Proto Labs nur 15 Tage oder sogar weniger. Dieses "On Demand Manufacturing" bietet dabei folgende Vorteile für den Endkunden: Das Prototyping ist sehr zeiteffizient. Somit kann die Zeit bis zum ersten Euro Umsatz deutlich reduziert werden. Die "On-Demand" Produktion führt außerdem dazu, dass der Produktionsprozess immer wieder aufs Neue verbessert werden kann. Die Produktionsrisiken können somit reduziert werden. Zudem können laut Proto Labs die Kosten reduziert werden. Die Vorteile für den Endkunden liegen somit auf der Hand. Auch für uns Investoren hat das "Digital Manufacturing" einen echten Mehrwert - die Skalierbarkeit. Durch den komplett digitalen Prozess kann die Produktion einfach durch das Hinzufügen neuer Maschinen skaliert werden. Das Sammeln von Daten macht es zusätzlich möglich, die Produktion immer besser und effizienter zu gestalten.

Das Unternehmen fällt vor allem aufgrund der Profitabilität positiv in der Peer Group auf. Das EPS konnte dabei in den letzten fünf Jahren um fast acht Prozent gesteigert werden. Gleichzeitig stieg der Umsatz um beinahe 17 Prozent an. Auch wenn Analysten in der Zukunft mit leicht rückläufigen bzw. stagnierenden Umsätzen und Gewinnen rechnen, hat Proto Labs in der Vergangenheit schon bewiesen, dass es ein funktionierendes Geschäftsmodell hat. Das abschwächende prognostizierte Wachstum des Unternehmens kann allerdings durch eine hohe finanzielle Stabilität kompensiert werden. Aktuell beträgt die Eigenkapitalquote 87 Prozent. Für das Jahr 2019 hat das Unternehmen Gesamtverbindlichkeiten von nur 90 Millionen US-Dollar. Demgegenüber stehen liquide Mittel von 160 Millionen US-Dollar.

> Zum TraderFox Qualitätscheck von Proto Labs Inc. 

Nichtdestotrotz dürfen zwei negative Punkte nicht ignoriert werden: Zum einen sind die Margen von Proto Labs, also die Brutto-Marge, die EBIT-Marge und die Gewinnmarge, seit 2013 konstant sinkend. Das untermauert das kompetitive Umfeld im 3D-Druck-Bereich. Zum anderen wird die Profitabilität des Unternehmens im Moment teuer an der Börse bezahlt. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von 96 ist historisch hoch. Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis von aktuell über 13 ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Vor allem aufgrund des abschwächenden Wachstums ist das Rückschlagsrisiko erhöht. Die Aktie ist sehr gut gelaufen seit dem Corona-Tief.

3D Systems Corp.: Transformation mit Turnaround-Fantasie


Einer der bekanntesten Unternehmen aus dem umkämpften 3D-Druck-Bereich ist 3D Systems. Konkret stellt das Unternehmen 3D-Drucker, die dazugehörigen Materialien sowie 3D-Scanner her und verkauft diese. Zusätzlich wird ein 3D-Druckservice „on demand“ angeboten. Das US-amerikanische Unternehmen hat aktuell eine Marktkapitalisierung von 6,25 Milliarden US-Dollar. Gegründet wurde es bereits im Jahre 1986.

Aktuell befindet sich das Unternehmen in einem Transformationsprozess. Innerhalb dieses Prozesses beschreibt das Unternehmen in der aktuellen Investorenpräsentation vier verschiedene Meilensteine:

1) Strategic Purpose: Das Unternehmen sieht sich als führend bei additiven Produktionslösungen.

2) Reorganize: Die Hauptanwendungsbereiche sind im Gesundheitswesen sowie in der Industrie.

3) Restructure: Das Unternehmen hat sich bis Ende 2020 zum Ziel gesetzt, 60 Millionen US-Dollar an Kosten einzusparen.

4) Divest/ Invest: Der vierte Meilenstein ist der Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten und die Investition in zukünftiges Wachstum im Bereich „Additive Manufacturing“.

Gelingt der Transformationsprozess nachhaltig, kann das Unternehmen von den zukünftigen Wachstumsaussichten der Branche profitieren. Dabei beschreibt das Unternehmen die potenzielle Marktentwicklung in der Investorenpräsentation. Hier wird angenommen, dass der Markt in den nächsten fünf Jahren um 24 Prozent jährlich wachen soll. In der Vergangenheit hat sich der Transformationsprozess des Unternehmens allerdings noch nicht in den Kennzahlen niedergeschlagen. Der Umsatz ist sowohl auf 2-Jahressicht als auch auf 5-Jahressicht rückläufig. Gewinne kann das Unternehmen keine ausweisen. Außerdem hat sich die Anzahl an ausstehenden Aktien von 2019 auf 2020 erhöht. Die Altaktionäre wurden also verwässert. Positiv ist allerdings die hohe Eigenkapitalquote von fast 61 Prozent.

> Zum TraderFox Wachstumscheck von 3D Systems Corp.

Aufgrund der hier dargebotenen Kennzahlen kann eine Investition in die Aktie nicht begründet werden. Wer in diese Aktie also investiert, glaubt an die Transformation des Unternehmens. Sollte das prognostizierte Marktwachstum eintreten, so kann auch die 3D Systems Aktie davon profitieren. Kurzfristig gesehen können Nachrichten wie die von Tesla den Aktienkurs positiv beeinflussen. Langfristig betrachtet allerdings müssen die Fundamentaldaten des Unternehmens nachziehen. Der jüngste Kursanstieg hat eine positivere zukünftige Entwicklung der Fundamentaldaten womöglich schon vorweggenommen.

Autodesk Inc.: Der "Schaufelverkäufer" im 3D-Druck-Bereich


Das 1982 gegründete Unternehmen ist ein Softwarehersteller im 3D-Druck-Bereich. Als Hersteller der Software für den 3D-Druck ist das Unternehmen sozusagen der Schaufelverkäufer. Die CAD-Software findet Anwendung unter anderem in den Bereichen Automotive, Maschinenbau oder auch in der Gebäudetechnik. Seit 2015 gehören auch Unternehmen aus der Medizin zu den Kunden von Autodesk. Die meisten Umsätze werden in den Bereichen Architektur, Maschinenbau und Bau erzielt. Das Unternehmen hat also Kunden aus verschiedenen Branchen und ist somit nicht von einer Branche abhängig. Eingesetzt wird die Software, um Modelle digital zu visualisieren. Das Ziel dabei ist, die Produkte auf digitale Weise zu optimieren, bevor sie in die Realität umgesetzt werden. In der Vergangenheit hat das Unternehmen regelmäßig gezeigt, dass es sich um ein hochinnovatives Unternehmen handelt. Zum Beispiel wurde im November 2020 das Unternehmen Spacemaker für 240 Millionen US-Dollar übernommen. Spacemaker hilft Architekten und Stadtplaner innerhalb weniger Minuten Bauentwürfe zu erstellen.

Positiv an dem Unternehmen sind prinzipiell folgende Punkte:

1) Seit 2016 wird über ein Abo-Modell Geld verdient. Das führt zu wiederkehrenden und somit planbaren Einnahmen. Insgesamt stammen 93 Prozent der Einnahmen aus Abo-Einnahmen. Auch wenn die Umstellung zunächst einmal dazu führte, dass das Unternehmen von 2016 bis einschließlich 2019 aufgrund fehlender Einmalkäufe einen Verlust machte, ist der Umstieg auf ein Abo-Modell langfristig als positiv zu werten.

2) Außerdem positiv hervorzuheben ist, dass das Unternehmen auch unabhängig von der 3D-Branche Geld verdienen kann. Sollten die aktuellen Entwicklungen nicht nachhaltig sein, so hat Autodesk noch andere Standbeine. Ist aber der aktuelle 3D-Druck-Hype nachhaltig, kann das Unternehmen zusätzlich profitieren.

3) Als Software-Verkäufer hat das Unternehmen „Login-Effekte“, die dem Unternehmen positiv zugutekommen. Hat sich ein Kunde einmal an die Software von Autodesk gewöhnt, wird er nicht so schnell die Software wechseln. Das Wechseln der Software geht mit hohen Einarbeitungszeiten einher. Folglich kann hier von einem echten Burggraben gesprochen werden.

Negativ anzumerken ist die Konkurrenzsituation. In der Peer Group sind finanziell starke Unternehmen wie beispielsweise Adobe oder auch ANSYS vertreten. Anhand der Kennzahlen wird allerdings die führende Marktstellung des Unternehmens deutlich. Vor allem mithilfe der Bruttomarge kann die Preissetzungsmacht eines Unternehmens quantifiziert werden. Diese liegt bei sehr hohen 90 Prozent. Die strategische Umstellung von Einmalkauf auf Abo-Erlöse spiegelt sich kurzfristig negativ an der Profitabilität wider. Die Prognosen gehen allerdings von steigenden Gewinnen in der Zukunft aus. Das erzielte EPS von 0,96 im Jahr 2020 soll auf über 7 Dollar pro Aktie im Jahr 2023 ansteigen. Wie bei vielen anderen Unternehmen ist der Aktienkurs in der Vergangenheit stärker gestiegen als die fundamentalen Kennzahlen des Unternehmens. Die Folge ist eine Multiple Expansion. Diese ist beim Kurs-Umsatz-Verhältnis seit 2009 festzustellen. Während das KUV im Jahr 2009 noch bei 2 lag, stieg es konstant über die letzten Jahre an. Heute beträgt es in etwa 19.

> Zum TraderFox Qualitätscheck von Autodesk Inc.

Anhand des Charts wird ersichtlich, dass die Geschäftsentwicklung von Autodesk nicht so stark mit den Entwicklungen im 3D-Druck-Bereich korreliert. In der Vergangenheit waren bei direkten Playern aus dem 3D-Druck-Bereich Zyklen festzustellen. Auf Phasen der Euphorie folgte in der Vergangenheit eine längere Durststrecke. Bei Autodesk hingegen ist ein konstanter Aufwärtstrend festzustellen. Trotz des Momentums und der hohen Kursstabilität sollte aber auch hier ein kurzfristiges Rückschlagsrisiko aufgrund der Bewertung mit in die Due Diligence mit einbezogen werden.

Das Fazit für den gesamten 3D-Druck-Bereich ist eher gemischt. Prinzipiell gibt es verschiedene Wege, um diesen Trend zu spielen. Der vorgestellte Softwarehersteller Autodesk ist als Schaufelverkäufer eine konservativere Möglichkeit. Bei vielen anderen direkten 3D-Druck-Aktien werden aktuell die starken Kursanstiege nicht durch Fundamentales untermauert. Die Bewertungen haben sich massiv nach oben katapultiert. Im Moment ist vor allem die Zukunftsfantasie und die Story hinter den Unternehmen - vor allem im Medizinbereich sowie in der Raumfahrt - ein entscheidender Treiber.

Viele Grüße

Ferdinand Schnitzer