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DAX-Aufsteiger Beiersdorf und MDAX-Aufsteiger Encavis im Qualitätscheck

Aktienanalysen Florian Schachtschneider 373 Leser

Liebe Leser, liebe Investoren,

Anfang Juni teilte die Deutsche Börse mit, dass mit Beiersdorf ein alter Bekannter wieder in den DAX aufgenommen wird. Dafür muss Delivery Hero weichen. Etwas mehr als ein Jahr nach dem Abstieg aus dem DAX feiert Beiersdorf sein Comeback in der ersten deutschen Börsenliga. Im Index der mittelgroßen Werte, dem MDAX, wird der Betreiber von Wind- und Solarparks Encavis aufgenommen, welcher bisher eine Ebene tiefer im SDAX notiert war und nun seinen Platz mit dem Finanzdienstleister Hypoport tauscht. Die Änderungen wird die Deutsche Börse zum Montag, den 20. Juni umsetzen. Im Folgenden werde ich die beiden Unternehmen analysieren und darstellen, was diese Unternehmen ausmacht.

Beiersdorf

Beiersdorf wurde 1882 gegründet und zählt heute zu den international führenden Unternehmen der Konsumgüterindustrie. Ein starkes globales Markenportfolio und mehr als 20.000 Mitarbeiter in über 170 Tochtergesellschaften weltweit tragen zum Erfolg des Konzerns bei. Die Marktkapitalisierung beträgt 22,14 Mrd. Euro und es wird eine Dividende je Aktie von 0,70 Euro ausgeschüttet. Das Management hält keine großen Aktienpakete.

Unternehmensbereiche

Das Unternehmensgeschäft gliedert sich in die folgenden zwei eigenständigen, unabhängigen voneinander agierende Bereiche Consumer und tesa. In beiden Bereichen nimmt Beiersdorf marktführende Positionen ein. Im Unternehmensbereich Consumer liegt der Fokus im Bereich Haut- und Körperpflege. Das Portfolio beinhaltet Marken wie NIVEA, La Prairie, Eucerin und Hansaplast. Im Jahr 2021 lag der Umsatz bei 6,13 Mrd. Euro. Im Jahr 2019 wurde mit C.A.R.E.+ die Unternehmensstrategie formuliert, welche wettbewerbsfähiges und nachhaltiges Wachstum sichern soll und zugleich Antworten, auf die sich schnell verändernden Rahmenbedingungen gibt. Hierzu zählen Megatrends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit.

Mit der digitalen Strategie wird das Ziel verfolgt, Verbraucher immer gezielter dort anzusprechen, wo sie sich in ihrem jeweiligen Alltag im digitalen Raum ohnehin bewegen. Beiersdorf will somit seine Produkte direkt zu den Verbrauchern bringen. Dafür wird systematisch in neue Technologien und digitale Ansätze investiert. Dabei haben die digitale Interaktion mit den Verbrauchern und die emotionale Ansprache durch unsere Marken, zum Beispiel durch personalisierte Markenerlebnisse, höchste Priorität. Ein Beispiel für eine große digitale Initiative im Jahr 2021 ist das spezielle, dynamische Messaging, das für NIVEA SUN entwickelt wurde. Auf Basis von Wetterdaten und dem persönlichen Nutzungsverhalten wurden Verbraucher über den richtigen Sonnenschutz informiert und gleichzeitig diese Information mit dem passenden Produktangebot verknüpft. Mit über 200 dynamischen Präzisionsmarketing-Anzeigen wurden im Sommer 2021 im Vereinigten Königreich und Deutschland über 16 Mio. Verbraucher erreicht.

In den kommenden Jahren sollen neue Wachstumsmärkte und Geschäftsfelder erschlossen werden. Ein wichtiger Meilenstein zur Erschließung von Wachstumspotenzialen in China war die Eröffnung des großen Innovationszentrum im Jahr 2020. Seitdem ist dies der zweitgrößte Standort des globalen Forschungs- und Entwicklungsnetzwerks. Der jüngste Neuzugang im unternehmensweiten Forschungsverband ist ein hochmodernes Innovationszentrum in New Jersey, USA, welches neue Wachstumschancen im wichtigen nordamerikanischen Markt ermöglichen soll. Es bietet optimale Bedingungen für schnelle Entwicklung lokaler Produktinnovationen. Das Unternehmen geht davon aus, dass es hier einiges an Wachstum generieren kann, da die USA einer der weltweit größten Märkte für Hautpflege- und Sonnenschutzprodukte sind.

Des Weiteren wurde im Jahr 2021 angefangen, ein neues Produktionswerk in Leipzig für 220 Mio. Euro zu bauen. Pro Jahr werden im Werk mit einer Grundfläche von 32.000 m2 bis zu 450 Mio. Kosmetikprodukte vom Band laufen – insbesondere Deodorants, Haarsprays, und Rasierschäume für den gesamten europäischen Markt. Die Produktion soll Ende des Jahres 2022 aufgenommen werden. Im Bereich Klimaschutz wird seit Januar 2022 im Berliner Werk nahezu klimaneutral produziert – hierzu wurde vom fossilen Brennstoff Erdgas auf Biomethan umgestellt. Lediglich Teile des Fuhrparks und der Notstromversorgung werden noch mit fossilen Energien betrieben. Im Werk in Polen wird die jährliche Produktkapazität um mehr als 100 % von 190 Mio. auf 400 Mio. Stück pro Jahr gesteigert. Auch in Mexiko wird Beiersdorf 130 Mio. in das Produktionszentrum investieren. Nach Abschluss der Erweiterung im Jahr 2024 wird der Standort in Mexiko einer der drei größten Produktionsstandorte weltweit sein.

Im Unternehmensbereich tesa konzentriert sich Beiersdorf auf die Entwicklung innovativer Klebebänder und selbstklebender Systemlösungen für Industrie, Gewerbe und Endverbraucher. Seit 2001 wird tesa als eigenständiger Teilkonzern geführt. Mit 61 Tochtergesellschaften und mehr als 4.800 Mitarbeitern ist tesa in mehr als 100 Ländern aktiv. Im Jahr 2021 lag der Umsatz bei 1,5 Mrd. Euro. Neben den deutschen Standorten gehören die Tochtergesellschaften in China, den USA, in Italien und Singapur zu den größten und strategisch wichtigsten Einzelgesellschaften von tesa.

Im Bereich Direct Industries versorgt tesa Industriekunden – insbesondere aus den Branchen Elektronik, Druck und Papier, Automobil sowie Bau und Konstruktion. Die Systemlösungen des Unternehmens werden zur Optimierung und Effizienzsteigerung von Produktionsprozessen, als Befestigungslösungen in konstruktiven Anwendungsbereichen sowie als maßgeschneiderte Schutz- und Verpackungssysteme eingesetzt. Ein weiteres zukunftsorientiertes Geschäftsmodell bearbeitet tesa Labtec GmbH. Diese Tochtergesellschaft entwickelt und produziert arzneimittelhaltige Pflaster sowie Oral- und Bukkalfilme für die Pharmaindustrie.

Der Bereich Trade Markets umfasst diejenigen Märkte, deren Endkunden tesa bis auf das Onlinegeschäft nicht auf direktem Weg, sondern über Handelspartner oder handelsähnlich Kanäle mit marktgerechten Produkten versorgt. Hierzu zählen Privatpersonen und handwerkliche Fachkräfte. Des Weiteren vermarktet tesa innovative Produktlösungen, die unter anderem für den täglichen Gebrauch in Büro und Haushalt sowie im Handwerk bestimmt sind.

Finanzperformance

In den letzten drei Jahren stieg der Umsatz um durchschnittlich 1,8 % pro Jahr, von 7,23 Mrd. Euro auf 7,63 Mrd. Euro. Der Gewinn je Aktie reduzierte sich in den letzten drei Jahren um durchschnittlich 4,3 % pro Jahr, von 3,21 Euro auf 2,81 Euro. In den kommenden vier Jahren soll der Umsatz um durchschnittlich 6,5 % pro Jahr steigen. Im Jahr 2025 wird ein Umsatz von 9,81 Mrd. Euro erwartet. Der Gewinn je Aktie soll in den kommenden vier Jahren um durchschnittlich 11,7 % pro Jahr steigen. Im Jahr 2025 wird ein Gewinn je Aktie von 4,38 Euro erwartet. Das Unternehmen ist mit einem KUV22 von 2,7 und einem KGV22 von 29,5 bewertet.

Im TraderFox Aktien-Terminal Qualitäts-Check erhält Beiersdorf einen Score von 09/15!Quelle: TraderFox Aktien-Terminal

 

Encavis

Das Kerngeschäft von Encavis ist der Erwerb und Betrieb von Solar- und Onshore-Windparks und nutzt die vielfältigen Chancen der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Als unabhängiger Betreiber umweltfreundlicher und emissionsfreier Kraftwerkskapazitäten hat Encavis das Erzeugungsportfolio seit 2009 kontinuierlich ausgebaut. Das Unternehmen konzentriert sich bei der Akquisition neuer Anlagen auf einen Mix aus in Entwicklung befindlichen Projekten und baureifen bzw. schlüsselfertigen Projekten oder bereits bestehenden Anlagen, welche über garantierte Einspeisevergütungen verfügen oder für die langfristige Stromabnahmeverträge abgeschlossen werden. Alle Entwicklungsprojekte und fertige Anlagen befinden sich grundsätzlich in geografischen Regionen, die sich durch ein stabiles wirtschaftliches Umfeld und verlässliche Investitions- und Rahmenbedingungen auszeichnen.

Encavis beschäftigt knapp 150 Mitarbeiter. Die Marktkapitalisierung beträgt 2,84 Mrd. Euro. Das Management hält keine großen Aktienpakete. Bei der Hauptversammlung 2022 wurde beschlossen, dass die Dividende erneut angehoben wird – auf 0,30 Euro je Aktie (Vorjahr 0,28 Euro). Diese bereits zehnte Erhöhung der Dividende in Folge erfüllt das 2017 gegebene Dividendenversprechen für das Geschäftsjahr 2021. Die gesamte Stromproduktion des Konzerns im Jahr 2021 beläuft sich auf rund 4,42 TWh. Davon entfallen rund 2,75 TWh auf die im Eigenbestand gehaltenen Solar- und Windparks.

Portfolio

Das Unternehmensportfolio umfasst derzeit insgesamt 206 Solar- und 96 Windparks mit einer Leistung von mehr als 3 GW in Deutschland, Italien, Frankreich, Finnland, Dänemark, Schweden, Österreich, Spanien und Irland. Davon betreibt der Konzern 33 Solar- und 56 Windparks im Rahmen des Segments Asset Management für Dritte. Die Tochtergesellschaft Encavis Asset Management AG bietet institutionellen Investoren attraktive Möglichkeiten, in Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien zu investieren. Das Geschäftsfeld Asset Management umfasst alle Dienstleistungen in diesem Bereich, das heißt die Initiierung von Fonds und die individuelle Gestaltung und Strukturierung sonstiger Investitionen für professionelle Anleger.

Des Weiteren ist die Encavis Technical Services GmbH auf die technische Betriebsführung von Solarparks spezialisiert. Dabei verfügt das Unternehmen über ein erfahrenes Team sowie über ein ausgezeichnetes und zuverlässiges internationales Partnernetzwerk, mit dem ein kundenorientierter Vor-Ort-Service sichergestellt werden kann. Außerdem ist das Encavis Technical Service Team völlig unabhängig von Modulherstellern und Projektentwicklern. Die Servicedienstleistungen umfassen die Bereiche Störungsmanagement, Monitoring, Performanceanalyse und Regelwartung. Neben der technischen Betriebsführung der Solarparks sind die weiteren Kunden beispielsweise die Stadtwerke Düsseldorf und Mainz und Google Deutschland.

Wesentliche Ereignisse

Am 29. Dezember 2021 gab Encavis bekannt, von Statkraft einen noch ausstehenden Teil des Solarparks Talayuela in Spanien erworben zu haben. Statkraft entwickelte, erstellte und verkaufte diesen großen Solarpark an Encavis. Im Mai 2021 erwarb das Unternehmen den Windpark Paltusmäki in Finnland. Mit dem Erwerb des bereits in Betrieb befindlichen Windparks konnte Encavis nicht nur die eigenen Erzeugungskapazitäten im Windsegment um 21,4 MW vergrößern, sondern fügt mit Finnland auch einen weiteren interessanten Wachstumsmarkt hinzu. Der Windpark Paltusmäki besteht aus fünf Windenergieanlagen. Von jeder Windenergieanlage wird eine jährliche Stromproduktion von 12,24 GWH erwartet.

Weitere fünf Solarparks wurden im November 2021 in den Niederlanden von Statkraft erworben. Die Gesamterzeugungskapazität liegt bei 74 MWp und drei der fünf Solarparks, welche zusammen eine Erzeugungskapazität von 50 MWp aufweisen, sind schon an das Stromnetz angeschlossen. Die beiden weiteren Solarparks wurden Anfang 2022 ebenfalls angeschlossen und konnten mit der Netzeinspeisung starten. Außerdem wurde im Dezember 2021 bekannt gegeben, dass Encavis zwei weitere Solarparks mit einer Erzeugungskapazität von 105 MWp in Dänemark akquiriert wurden. Darüber hinaus gab Encavis im Oktober 2021 bekannt, dass mit dem Bau des ersten dänischen Solarparks an der westlichen Nordseeküste mit einer Erzeugungskapazität von 12 MWp im Rahmen der strategischen Partnerschaft mit GreenGo begonnen zu haben. Die hochmodernen Solarmodule sollen ab der zweiten Hälfte des Jahres 2022 erneuerbare Energie liefern.

Wachstumschancen

Die globale Energiewende lässt die Energienachfrage aus erneuerbaren Quellen steigen. Der Ausbau erneuerbarer Energien nimmt eine Schlüsselrolle ein. Demnach hat sich das Wachstum erneuerbarer Energien mit anhaltender Dynamik fortgesetzt und wird sich weiter fortsetzen. Im vergangenen Jahr wurden für die globale Energiewende und entsprechende Klimatechnologien mehr als 900 Mrd. USD investiert. Der anhaltend starke Ausbau erneuerbarer Energien und die globale Energiewende wird dabei von folgenden Faktoren maßgeblich bestimmt: Der Energiesektor wird im Zentrum der Lösung des Klimawandels bleiben, da dieser für fast drei Viertel der globalen Emissionen verantwortlich ist. Somit wird der Druck auf den Wandel des Energiesystems auch in den kommenden Jahrzehnten nicht nachlassen.

Im Vorfeld der Weltklimakonferenz 2021 in Glasgow sind viele Länder neue Verpflichtungen eingegangen, um die Emissionen zu reduzieren und den Umbau der Energiesysteme voranzutreiben. Sofern alle Zusagen erfolgreich umgesetzt werden, würden die weltweiten energiebezogenen CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 um rund 40 % sinken. Für die internationale Energieagentur sind es die folgenden vier Maßnahmen, mit welchen die ambitionierten Ziele erreicht werden könnten: Die Förderung der sauberen Elektrifizierung, die Stärkung der Energieeffizienz, die Verringerung der CO2-Emission aus dem Betrieb fossiler Brennstoffe und die Förderung von Innovationen im Bereich der sauberen Energie – dabei spielen Photovoltaik und Windenergie eine Schlüsselrolle.

Laut den Experten der internationalen Energieagentur liegt das Marktpotenzial für die Hersteller von Windturbinen, Solarzellen, Lithium-Ionen-Batterien und Brennstoffzellen bis zum Jahr 2050 auf weit über eine Billionen USD. Dies entspricht etwa der Größe des derzeitigen globalen Ölmarktes und verdeutlicht die außerordentlich hohe wirtschaftliche Relevanz. Auch die Ukraine-Krise verdeutlicht, dass die große Abhängigkeit Europas von Gas- und Öllieferungen aus Russland nicht nachhaltig ist. Vielmehr wird der Ausbau der erneuerbaren Energien als die Lösung für die Stromversorgung Europas angesehen. Dies dürfte den erneuerbaren Energien in Europa nochmals einen ordentlichen Schub geben.

Finanzperformance

In den letzten drei Jahren stieg der Umsatz um durchschnittlich 12,6 % pro Jahr, von 256,69 Mio. Euro auf 366,56 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie stieg in den letzten drei Jahren um durchschnittlich 135,1 % pro Jahr, von 0,04 Euro auf 0,52 Euro. In den kommenden vier Jahren soll der Umsatz um durchschnittlich 6,2 % pro Jahr steigen. Im Jahr 2025 wird ein Umsatz von 465,98 Mio. Euro erwartet. Der Gewinn je Aktie soll in den kommenden vier Jahren um durchschnittlich 7,3 % pro Jahr steigen. Im Jahr 2025 wird ein Gewinn je Aktie von 0,69 Euro erwartet. Das Unternehmen ist mit einem KUV22 von 7,4 und einem KGV22 von 33,8 bewertet.

Im TraderFox Aktien-Terminal Qualitäts-Check erhält Encavis einen Score von 08/15!Quelle: TraderFox Aktien-Terminal

 


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