Der gleichgewichtete S&P 500 ist zum ersten Mal seit April unter den 50 Tagedurchschnitt gerutscht. Was gilt es zu beachten?
Am Dienstag ist der gleichgewichtete S&P 500 mit dem Tickersymbol RSP unter den gleitenden 50 Tagedurchschnitt gefallen und hat unter diesem Durchschnitt geschlossen. Das war das erste Mal seit dem 10. April. Das ist ein Zeichen abnehmender Marktbreite und ist tendenziell bärisch. Denn für einen Bullenmarkt ist die Marktbreite wichtig. Je mehr Aktien an einem Bullenmarkt partizipieren, desto nachhaltiger ist er.
Werfen wir einen Blick auf einige Markt- und Sentimentindikatoren.
Stockbee Market Monitor – Noch überwiegt „grün“
Der „Stockbee Market Monitor“ des seit 25 Jahren erfolgreichen Momentum- und Swing Traders Pradeep Bonde ist ein Timing-Indikator mit Fokus auf die Marktbreite. Er soll nicht vorhersagen, wohin der S&P 500 oder Nasdaq exakt läuft, sondern zeigen, ob im Gesamtmarkt gerade Kauf- oder Verkaufsdruck dominiert.
Die Grundidee lautet: Große Finanzinstitutionen können ihre Aktivitäten nicht vollständig verbergen. Wenn sie auf breiter Front kaufen oder verkaufen, zeigt sich das in der Zahl der Aktien, die gleichzeitig stark steigen oder fallen.
Der Monitor beobachtet deshalb unter anderem, wie viele Aktien an einem Tag mehr als 4 % steigen oder mehr als 4 % fallen (siehe folgende Abbildung). Hinzu kommen weitere Maße für Marktbreite („market breadth“), etwa die Zahl der Aktien, die innerhalb von fünf oder zehn Tagen stark steigen oder fallen, sowie Aktien mit größeren Bewegungen über einen Monat oder ein Quartal.

https://stockbee.blogspot.com/p/mm.html
Wichtig ist weniger ein einzelner Tageswert als die Serie mehrerer Tage. Wenn beispielsweise über mehrere Tage hinweg 300, 400 oder mehr Aktien jeweils mehr als 4 % steigen und gleichzeitig deutlich weniger Aktien stark fallen, interpretiert Bonde das als „Breadth Thrust“. Damit ist ein breiter, institutioneller Kaufdruck gemeint. In solchen Phasen funktioniert das Trading von Breakouts besser und Ausbrüche zeigen häufiger Anschlusskäufe auf.
Das Gegenteil gilt bei mehreren Tagen mit sehr vielen starken Verlierern. Wenn wiederholt 300, 400 oder mehr Aktien um mindestens 4 % fallen, sieht Bonde darin anhaltenden Verkaufsdruck von Fonds. In solchen Marktphasen sind Breakouts deutlich anfälliger für Fehlsignale.
Die Farben im Monitor helfen bei der schnellen Orientierung: Grün steht für konstruktive beziehungsweise starke Werte der Marktbreite. Rot steht dagegen für schwache bzw. abnehmende Marktbreite. Entscheidend ist aber der Kontext und die Abfolge der Werte, nicht nur die Farbe eines einzelnen Feldes.
Kurz gesagt: Der „Stockbee Market Monitor“ beantwortet vor allem eine Frage: Ist der Markt gerade von breitem Kaufen oder breitem Verkaufen geprägt.
Bezogen auf die letzten Tage überwiegen (noch) die grünen Zellen. Das kann sich innerhalb von ein bis zwei Wochen jedoch schnell wandeln. Der interessierte Leser kann auf den Link unter der Abbildung klicken und sich anschauen, wie beispielsweise der „Stockbee Market Monitor“ im Januar und Februar aussah, und wie das Bild ab Anfang März relativ schnell von Grün zu Rot überging.
Marktbreite - Abnehmende Anzahl an Aktie, die an dem Aufwärtstrend partizipieren
Neben dem „Stockbee Market Monitor“ gibt es weitere Indikatoren, um sich ein Bild von der Marktbreite zu verschaffen.
Hier sind der Russell 2000 (ein Index, der 2000 kleine und mittelgroße marktkapitalisierte Unternehmen beinhaltet) und der bereits erwähnte gleichgewichtige S&P 500 zu nennen. Beide befinden sich unterhalb ihres 50 GD. Das ist ein Zeichen von abnehmender Marktbreite.
Außerdem ist es im Rahmen der Analyse der Marktbreite sinnvoll, einen Blick darauf zu werfen, wie viele Aktien sich über ihrem jeweiligen gleitenden 50 Tagedurchschnitt (SMA50) und gleitenden 200 Tagedurchschnitt (SMA200) befinden. Aktuell sind es 41,6% und 48,4% (siehe folgende Abbildung). Verglichen mit den Tiefständen von Anfang April, als wir Werte von 13 % und 17 % sahen, hinterlassen die Märkte aktuell noch einen relativ gesunden Eindruck. Gleichzeitig muss betont werden, dass diese Werte in den letzten Wochen stetig gefallen sind.

Quelle: https://finviz.com/
Zwei weitere Indikatoren der Marktbreite werden in der folgenden Abbildung dargestellt. Erstens ist es die Anzahl an Aktien, die an einem Tag steigen („advancing“) verglichen mit denen, die fallen („declining“). Zweitens ist es die Anzahl an Aktien, die ein neues 52 Wochenhoch markieren („new high“) im Vergleich mit der Anzahl an Aktien, die ein neues 52 Wochentief machen.

Quelle: https://finviz.com/
Seit drei Tagen sehen wie mehr „declining“ Aktien als „advancing“ Aktien. In einem stabilen Aufwärtstrend sollten die „advancing“ Aktien die Oberhand haben.
Die Betrachtung von 52 Wochenhochs („new highs“) und -tiefs („new lows“) ist noch bedeutender als die von steigenden und fallenden Aktien. Denn jede Aktie kann täglich positiv oder negativ schließen. Ein neues 52-Wochenhoch erfordert jedoch, dass ein Anleger bereit ist, einen höheren Preis zu zahlen als jeder andere in den abgelaufenen zwölf Monaten. Das erfordert Überzeugung. Zudem zeigt es tatsächlichen Fortschritt: Eine Aktie mag gestern 5 % gefallen und heute 1 % gestiegen sein, aber ist sie langfristig ein Gewinner? Das kann man bei dieser Art von Kursbewegungen nicht aussagen. Ein 52-Wochenhoch hingegen beweist Überzeugung und Netto-Fortschritt in einer einzigen Kennzahl. Per 09. September 2026 hat der S&P 500 drei Tage hintereinander „new lows“ angezeigt. Das heißt, dass in den letzten drei Handelstagen mehr Aktien neue 52 Wochentiefs markiert haben netto betrachtet. Das ist bärisch. Erfolgreiche CANSLIM-Trader wie Matt Caruso verfolgen die Regel, dass sie ihr Exposure stark zurückfahren, wenn die Indizes drei Tage oder mehr hintereinander „new lows“ aufweisen.
Insgesamt bekommen wir ein Bild, das durch stetig abnehmende Marktbreite charakterisiert ist. Das entspricht einer weniger konstruktiven Lage für einen Bullenmarkt.
„Angst und Geiz“ Index – Im Bereich Angst
Der „Angst und Geiz“ Index bzw. „Fear and Greed“ Index wird von CNN Business erhoben und ist vermutlich einer der bekanntesten psychologischen Indikatoren (siehe folgende Abbildung).
Der Index kann Werte zwischen 0 und 100 annehmen, wobei 0 für extreme Angst („extreme fear“) steht und 100 für extreme Gier („extreme greed“) steht. Werte von 0 bis 25 bedeuten „extreme fear“. Werte von 26 bis 45 stehen für „fear“. Werte von 46 bis 55 bedeuten „neutral“. Werte von 56 bis 75 implizieren „greed“ und Werte von 76 bis 100 bedeuten „extreme greed“.
Dieser Indikator wird aus sieben Sub-Indikatoren ermittelt. Hierunter fallen u. a. neue 52 Wochenhochs in Relation zu neuen 52 Wochentiefs, Marktvolatilität und Put/Call Ratio.
Per 09. September 2026 steht der Indikator bei 39. Damit befindet er sich im Bereich „fear“. Seit ungefähr einer Woche liegt er in diesem Bereich. Das bedeutet, dass gegenwärtig ein gewisses Maß an Pessimismus im Markt vorliegt.

Quelle: https://www.cnn.com/markets/fear-and-greed
Marktvolatilität – Auf niedrigem Niveau
Die Marktvolatilität (VIX) stellt einen weiteren Indikator dar. Hierbei handelt es sich um einen Sub-Indikator des „Fear and Greed Index“.
Die Berechnung des VIX ist komplex. Kurz zusammengefasst: Es wird die erwartete Volatilität auf Jahressicht berechnet, indem der Durchschnitt der gewichteten Preise von Out-of-the-money-Puts und -Calls für den S&P 500 in Echtzeit gebildet wird. Um die Tagesvolatilität zu berechnen, muss man den VIX durch 16 teilen (16 entspricht ungefähr der Wurzel von 252, wobei 252 für die Anzahl an Trading-Tagen pro Jahr steht).
Beispiel: Wenn der VIX einen Wert von 32 aufweist, dann beläuft sich die erwartete Tagesvolatilität des S&P 500 auf 2%. Dies wäre relativ volatil und wäre ein Anzeichen von Angst im Markt. Man sagt, dass Werte über 40 für sehr hohe Volatilität und damit für viel Pessimismus im Markt stehen, während Werte unter 20 wenig Volatilität und wenig Pessimismus implizieren.
Per 09. September 2026 steht der VIX bei 16,50. Seit knapp 1,5 Monaten verweilt der VIX unterhalb von 20. Insgesamt deutet das eher auf Optimismus am Markt hin.
Saisonalität
Bei diesem letzten Indikator geht es um eine Richtungstendenz von Aktienindizes basierend auf der Jahreszeit (siehe folgende Abbildung). Bestimmte Zeiten im Jahr sind für Aktien tendenziell bullischer, während andere Zeiten im Jahr eher bärisch sind. Es handelt sich hier um einen historischen Durchschnitt der Entwicklung des Aktienmarktes im Laufe des Jahres. Durchschnittswerte sind ein Anhaltspunkt; sie können jedoch natürlich nicht genau vorhersagen, was in diesem Jahr in dem entsprechenden Monat passieren wird.

Quelle: https://tradethatswing.com/seasonal-patterns-of-the-stock-market/
Demnach sind historisch gesehen die stärksten Monate April, Juli und November. Die schwächeren Monate sind Januar, Juni und September. Folglich befinden wir uns aktuell in einem tendenziell schwächeren Monat.
Was lässt sich abschließend sagen?
Aktuell gibt uns der Markt tendenziell ein eher bärisches Gesamtbild. Insbesondere gilt es die abnehmende Marktbreite genau auf dem Radar zu haben. Jedoch sind wir weit von einer Übertreibung nach unten entfernt und der September ist historisch gesehen einer der schwächsten Monate. Daher gäbe es also noch ausreichend Luft in Richtung Süden.
Die CPI-Zahlen für August, die morgen veröffentlicht werden sollen, sowie die Fed-Konferenz am kommenden Mittwoch werden vermutlich Einfluss darauf haben, in welche Richtung die Märkte sich bewegen werden.
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