Deutsche Bank nennt ihre Top-Aktien in Europa – das sind die 8 deutschen Favoriten
In einem Empfehlungsupdate zum vierten Quartal hat die Deutsche Bank über 24 Branchen hinweg ihre europäischen Aktienfavoriten aktualisiert. Wir nennen die Namen der acht deutschen Top-Picks auf Sicht der nächsten zwölf Monate.
Der europäische Aktienmarkt bietet eine enorme Vielfalt, doch für Anleger hierzulande ist die wichtigste Frage meistens die naheliegendste: Welche Titel aus dem eigenen Land haben das Potenzial, den Markt in den kommenden Monaten zu schlagen?
Eine fundierte Antwort liefert das aktuelle Europa-Empfehlungs-Update der Deutschen Bank Research für das Schlussquartal. Das Analystenteam hat darin seine kontinentale Favoritenliste für die nächsten zwölf Monate aktualisiert.
Aus der Sicht hiesiger Anleger stechen aus dem umfangreichen Gesamtwerk acht deutsche Unternehmen besonders ins Auge. Die Bandbreite dieser Titel reicht von etablierten Software-Pionieren bis hin zu traditionsreichen Industrie- und Automobil-Schwergewichten.
So unterschiedlich die Branchen auch sind, so ähnlich ist die Ausgangslage: Bei vielen dieser Titel wurde in den vergangenen Monaten im Hintergrund an Restrukturierungen, neuen Produktpipelines oder strategischen Transformationen gefeilt, die vom breiten Markt derzeit aus Sicht der Deutschen Bank noch übersehen oder falsch bewertet werden. Die Experten bei dem deutschen Kreditinstitut zeigen in der zitierten Studie somit auf, an welchen Ecken des heimischen Marktes sich das Risiko-Rendite-Verhältnis aus ihrer Sicht besonders günstig präsentiert.
Die acht deutschen Zwölfmonats-Favoriten im Detail-Check
Die favorisierten Aktien heißen Thyssenkrupp, Adidas, Heidelberg Materials, Siemens Energy, Volkswagen, SAP, Scout24 und RWE. Wir berichten nachfolgend, wo genau die Deutsche Bank bei diesen Werten die Anlagestory, sowie die Chancen und Risiken sieht und wie hoch man die Kurspotenziale taxiert (diese reichen bis zu 81 %).
Favorit Nr. 1: Volkswagen AG (ISIN: DE0007664039 - Kurs am 07.10.26: 69,98 Euro – Kursziel: 105,00 EUR – Kurspotenzial: 50,0 %)
Bei Volkswagen erwartet die Deutsche Bank, ass der Autobauer trotz des Gegenwinds in der Branche besser abschneiden wird als der Markt. Das Investment-Szenario verbindet eine zunehmende Restrukturierung, Lokalisierung in China, erhebliche Kosten- und Cashflow-Hebel sowie eine fundamentale Absicherung durch Vermögenswerte. Die Genehmigung des „Zukunftsplans 2030“ verlagert laut den Analysten die Debatte von der Frage, ob VW sich verändern kann, hin zu der Frage, ob das Management die Pläne erfolgreich umsetzen kann.
Anlage-Thesen:
- Ein durch Umsetzung getriebener Wendepunkt: Die Genehmigung des „Zukunftsplans 2030“ widerlegt die Ansicht, dass VW „nicht reformierbar“ sei. Der Fokus liegt nun ganz auf der Umsetzung der vereinbarten Restrukturierungsmaßnahmen.
- Neuausrichtung in China und „Local-for-Local“-Strategie: Eine lokalisierte Entwicklung und Produktion soll die Kostenwettbewerbsfähigkeit und die Geschwindigkeit verbessern. Gleichzeitig wird China zu einer stärkeren Technologie- und Exportbasis für den globalen Süden ausgebaut.
- Kosten- und Kapazitätsmaßnahmen sichern die Erholung ab: Rund 50.000 Stellenstreichungen, eine Vereinfachung des Produktportfolios und das Vorgehen gegen ca. 500.000 Einheiten an Überkapazitäten in Europa unterstützen eine mittelfristige Verbesserung der Gewinnmarge.
- Das operative Geschäft ist stärker als die offiziellen Zahlen: Rund 10 Milliarden Euro an Sondereffekten drücken die prognostizierte operative Marge für das Geschäftsjahr 2026 auf 0 bis 1 %. Die bereinigte (zugrundeliegende) Marge liegt jedoch weiterhin bei rund 4 %.
- Verbesserung des Cash-Profils: Die Prognose für den Netto-Cashflow im Automobilbereich von 3 bis 6 Mrd. EUR bleibt intakt. Die Analysten prognostizieren, dass der freie Cashflow von rund 5,0 Mrd. EUR im Jahr 2026 auf 8,2 Mrd. EUR im Jahr 2028 ansteigen wird.
- Absicherung durch Vermögenswerte stützt die Bewertung: Die börsennotierten und nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerte von VW bieten Bewertungsschutz und strategische Optionen. Das gilt trotz der jüngsten Dämpfer bei den Erwartungen für Porsche.
- Produktzyklus und regionale Umsetzung: Die Erneuerung der Produktpalette, die lokalisierte Entwicklung und die stärkere Nutzung von China als Export-Hub sollten die Wettbewerbsfähigkeit verbessern und die Erholung der Gewinne unterstützen.
- Die Umsetzung bleibt entscheidend: Die Profitabilität in China, die Erholung von Porsche und die strukturellen Nachteile bei den Kosten in Deutschland bleiben die Hauptrisiken. Die robuste Cash-Generierung verschafft dem Unternehmen jedoch die nötige Zeit für diese Transformation.
Bewertungsüberlegungen: Die Deutsche Bank bewertet Volkswagen mit einer 50/50-Mischung aus den erwarteten Kennzahlen für 2027 (Unternehmenswert/EBIT und Kurs-Gewinn-Verhältnis / KGV) und prüft dies mit einem EV/IC-Modell (Unternehmenswert zu investiertem Kapital) gegen. Die Analysten glauben, dass dies das längerfristige Renditepotenzial sowie den Appetit des Marktes auf die Branche und das spezifische Unternehmen am besten widerspiegelt.
Zudem wendet man längerfristige Zielmultiplikatoren von Vergleichsunternehmen an, um das Kursziel abzuleiten. Konkret nutzt man ein KGV von 8x und ein Unternehmenswert/EBIT-Verhältnis von 4x. Dabei wird VW ein Aufschlag im Vergleich zum restlichen Sektor gewährt, da der Markt der Elektrofahrzeug-Strategie des Konzerns mehr Vertrauen schenkt.
Hauptrisiken: Zu den wesentlichen Abwärtsrisiken gehört die potenzielle Unfähigkeit, erwartete Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben, ein weiter schwächelnder Euro und eine Verlangsamung des chinesischen Premium-Automobilmarktes. Da die Gruppe in dieser Region (ähnlich wie alle deutschen Premium-Hersteller) überproportional stark engagiert ist, wiegt dieses Risiko schwer.
Darüber hinaus weisen die Analysten darauf hin, dass die hochgradig zyklische Natur der Cash-Generierung von Volkswagen ein erhebliches Abwärtsrisiko darstellt. Weitere Risiken sind rechtliche und finanzielle Folgen des Abgasskandals, eine schwächere Umsatzentwicklung, ein schwächerer USD und ein nicht plangemäß erreichtes Kostensenkungsprogramm.
Favorit Nr. 2: Heidelberg Materials (ISIN: DE0006047004 - Kurs am 07.10.26: 142,50 Euro – Kursziel: 220,00 EUR – Kurspotenzial: 54,4 %)
Die Deutsche Bank sieht in den Aktien von Heidelberg Materials eine starke Wette auf eine weltweite Erholung des Bauwesens, unterstützt durch die Dekarbonisierung in Europa.
Anlage-Thesen:
- Führender Hersteller von Zement, Zuschlagstoffen (wie Sand und Kies) und Transportbeton mit starken Positionen in einer Reihe von Schlüsselmärkten.
- Da die USA die wichtigste Region des Unternehmens sind (rund 20 % des Umsatzes), bleibt der Übergang zum neuen Infrastrukturgesetz (Infrastructure Bill) ein zentraler Faktor.
- Gut aufgestellt für eine Erholung der Volumina in Europa, insbesondere in Deutschland (ca. 9 % des Umsatzes), gestützt durch einen großen Infrastrukturfonds.
- An der Spitze der Bewegung zur Dekarbonisierung von Zement in Europa (wobei Preisaufschläge und Kosteneinsparungen zu höheren Margen führen).
- CO₂-armer/freier Zement wird nun bereits seit einem Jahr aus Brevik (Norwegen) verschifft, und ein zweites Projekt in Padeswood (Großbritannien) ist ebenfalls im Gange.
- Steigerung der künftigen Auslastung der Zementkapazitäten in Europa durch ein Werkschließungsprogramm. Zusammen mit anderen Maßnahmen zur Kostenreduzierung ist dies Teil des Programms „Transformation Accelerator“ (erstmals angekündigt im November 2024, angestrebt werden 500 Mio. EUR an Kosteneinsparungen bis Ende 2026).
- Bleibt den Schwellenländern verpflichtet, insbesondere Afrika, das in den letzten Jahren die Quelle starken Wachstums war.
- Die jüngste Expansion in Australien fügt der Wachstumsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzu.
- Die Aktien werden mit einem Abschlag (Discount) gegenüber europäischen und nordamerikanischen Konkurrenten gehandelt (2027E EV/EBITDA von rund 6,2x, KGV von 10x, Dividendenrendite von rund 3 %).
- Die prognostizierte Free-Cashflow-Rendite der Deutschen Bank für 2027E liegt bei 4,4 % und die Gesamtkapitalrendite (ROIC) bei 11,2 %.
Zusätzliche Kernpunkte der Analysten:
- Im Gegensatz zu einigen börsennotierten Konkurrenten bleibt Heidelberg Materials eine reine Wette auf die schwere Baustoffseite (Zement, Zuschlagstoffe und Transportbeton).
- Starke Präsenz in den USA, wo das Unternehmen der zweitgrößte Zementproduzent ist (wir schätzen den Marktanteil auf ca. 12 %).
- Als größter Zementproduzent Europas ist Heidelberg gut aufgestellt, um von der lang erwarteten Erholung der Volumina von ihren Tiefständen zu profitieren.
- Mit einem voll funktionsfähigen CO₂-Abscheidungs- und Speicherungsprojekt (CCS) in Brevik und einem weiteren im Bau befindlichen Projekt in Padeswood steht Heidelberg an der Spitze der europäischen Dekarbonisierungsbewegung. Dies führt zu Preisaufschlägen für CO₂-arme Zementprodukte sowie zu Kosteneinsparungen.
Bewertungs-Überlegungen: Das Kursziel von 220 EUR basiert auf einer abgezinsten Discounted-Cashflow-Methodik mit einem gewichteten durchschnittlichen Kapitalkostensatz von 8,7 % (risikofreier Zinssatz 2,4 %, Beta 1,2, Risikoprämie von 7,0 %) und einem terminalen Wachstum von 2,0 % (um das langfristige BIP-Wachstum widerzuspiegeln, was gemäß der Analysteneinschätzung angemessen ist verglichen mit dem Rest des Abdeckungsbereichs).
Hauptrisiken: Zu den Abwärtsrisiken gehören Faktoren, die sich negativ auf die Weltwirtschaft auswirken (einschließlich der USA, Großbritanniens und Deutschlands, in denen das Unternehmen eine prominente Rolle einnimmt).
Hinzu kommt eine etwaige Unfähigkeit, die gestiegenen Kostenpreise durch Preiserhöhungen auszugleichen, politische Risiken in Gebieten mit weniger stabilen Rahmenbedingungen, jegliche Rücknahme bestehender Konjunkturpakete (in den USA oder Europa) oder anderer regulatorischer Rahmenbedingungen, höhere Zinssätze sowie alle anderen Faktoren, die sich negativ auf den Wohn- und Gewerbeneubau auswirken.
Favorit Nr. 3: Siemens Energy (ISIN: DE000ENER6Y0 - Kurs am 07.10.26: 144,04 Euro – Kursziel: 210,00 EUR – Kurspotenzial: 45,8 %)
Siemens Energy] ist laut Deutscher Bank ideal positioniert, um vom laufenden Investitions-Superzyklus im elektrischen Energiesystem zu profitieren. Sowohl die Nachfrage als auch die Preise werden durch den Ausbau der KI (Künstlichen Intelligenz) massiv angekurbelt. Die Analysten sehen starkes Aufwärtspotenzial für die Margen sowie Spielraum für weitere Aktienrückkäufe und eine Vereinfachung des Portfolios.
Anlage-Thesen:
- Durchschnittliches Umsatzwachstum p.a. im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich bis zum Geschäftsjahr 2030: Das Zusammenwachsen von Daten und Strom bleibt ein großes Investitionsthema. Die KI-Revolution wird sich nur dann voll entfalten, wenn ausreichend Strom- und Netzwerkinfrastruktur zur Verfügung steht, um sie zu unterstützen.
- Positive Preisdynamik: Die Preisgestaltung für Gasturbinen und Netzausrüstung bleibt angesichts des knappen Angebots und der langen Vorlaufzeiten sehr günstig. Kunden geben bereits Bestellungen für die Jahre 2031–2032 auf. Die Analysten schätzen, dass die Projektmarge im Auftragsbestand von ENR für neue Gasturbinen mittlerweile um mehr als 20 Prozentpunkte höher liegt als vor drei Jahren.
- Starkes Aufwärtspotenzial für die Margen, mehr als 20 % in Sicht: Die Analysten erwarten ein neues Margenziel von rund 20 % für 2030 (gegenüber 12 % im Geschäftsjahr 2026). Zusammen mit dem Ende der an die Siemens AG gezahlten Markenprämien (+100 Basispunkte) und geplanten Portfolioveränderungen (+100 Basispunkte) sehen die Experten sogar einen Weg zu 22 %.
- Gasturbinen-Aftermarket [Ersatzteil- und Servicegeschäft] als nächste Wachstumsphase: Siemens Energy bietet ein sehr attraktives „Rasierer/Rasierklingen“-Geschäftsmodell. Die Deutsche Bank prognostiziert, dass das Unternehmen seine installierte Basis bis 2030 um 160 GW erweitern wird, was erhebliche Wachstumschancen im Aftermarket schaffen wird. Selbst wenn sich die Nachfrage nach neuen Gasturbinen im nächsten Jahrzehnt halbieren sollte, würde der Gewinn im Gasgeschäft von Siemens Energy nach Einschätzung der Deutschen Bank weitgehend stabil bleiben.
- Aktionärsfreundliche Haltung: Das Unternehmen verfügt über eine Netto-Cash-Position von acht Mrd. EUR. Das Management wird sein Aktienrückkaufprogramm im November voraussichtlich von sechs Mrd. EUR auf potenziell zwölf Mrd. EUR aufstocken.
- Weitere Portfolio-Vereinfachung: Der geplante Ausstieg aus der TI-Sparte (Turbomachinery & Process Industries) wird es Siemens Energy ermöglichen, sein Öl- und Gas-Engagement zu eliminieren und sein Margenprofil um +70 Basispunkte zu verbessern. Dies wird das Profil zudem noch besser mit dem von GEV (GE Vernova) vergleichbar machen, wodurch sich die Lücke zwischen den Bewertungsmultiplikatoren der beiden Unternehmen verringert.
- Attraktive Bewertung gegenüber Wettbewerbern aus dem Elektrosektor: Mit einem erwarteten KGV für 2028E von 17x ist die Aktie günstiger als alle anderen europäischen Elektrounternehmen in unserem Abdeckungsbereich – trotz des stärkeren Gewinnwachstums und der höheren Vorhersehbarkeit.
Bewertungs-Überlegungen: Das Kursziel von 210 EUR basiert auf dem Durchschnitt von zwei Ansätzen: Einer SOTP-Bewertung (Sum-of-the-parts – Summe der Einzelteile) unter Verwendung von EV/EBITA und EV/Sales basierend auf den eigenen Prognosen bis 2028. Einem fünfjährigen DCF-Modell (Discounted Cash Flow) unter Verwendung des eigenen theoretischen EV/EBITA-Methode für den Terminal-Wert (WACC - Weighted Average Cost of Capital, auf Deutsch: gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten von 8 %, langfristiges Wachstum von 4 %).
Zudem bereinigt man die Nettoverschuldung um schuldenähnliche Verpflichtungen wie Pensionen, Factoring sowie Rückstellungen für auftragsbezogene Verluste und Risiken.
Hauptrisiken: Zu den wichtigsten Abwärtsrisiken mit Blick auf das Kursziel gehören erstens Probleme bei der Projektausführung, zweitens win Verfehlen des Kostensenkungsprogramms von Siemens Gamesa, drittens die Notwendigkeit neuer Rückstellungen zur Behebung von Qualitätsproblemen im Onshore-Bereich (Windkraft an Land) und viertens eine höher als erwartete Normalisierung des Working Capitals (WCR / Nettoumlaufvermögen).
Favorit Nr. 4: Adidas (ISIN: DE000A1EWWW0- Kurs am 07.10.26: 146,85 Euro – Kursziel: 210,00 EUR – Kurspotenzial: 43,0 %)
Bei den Aktien von Adidas spricht die Deutsche Bank von einer erfolgreichen Sportartikelmarke mit starkem Umsatzwachstum und einer Outperformance am Markt, die durch eine robuste Pipeline neuer Produkte unterstützt wird.
Anlage-Thesen:
- Signifikante Erholung bei Umsatz und Gewinn: Adidas hat in den letzten drei Jahren, seit der Ankunft des neuen CEOs, eine deutliche Erholung verzeichnet. Dies ist auf einen stärkeren Fokus auf eine Vielzahl von Sportarten, Forschung und Entwicklung neuer Technologien sowie auf erfolgreiche Schuh-Franchises zurückzuführen. Dies treibt ein durchschnittliches währungsbereinigtes Umsatzwachstum p.a. von rund 10 % für den Zeitraum 2025 – 2028 an, einhergehend mit Marktanteilsgewinnen sowohl in der Kategorie „Performance“ (Sport) als auch „Lifestyle“. Da für 2026 und 2027 eine Ausweitung der EBIT-Marge erwartet wird, die durch Aktienrückkäufe unterstützt wird, sehen die Analysten für die nächsten drei Jahre ein Wachstum beim Gewinn je Aktie im mittleren Zehnerprozent-Prozentbereich.
- Wachstum über dem globalen BIP: Für die Sportartikelkategorie wird weiterhin ein Wachstum prognostiziert, das über dem globalen BIP liegt. Adidas hält hierbei eine klare weltweite Nummer-2-Position, strebt jedoch an, in allen Märkten außerhalb der USA die Führung zu übernehmen. Der jüngste Erfolg beim London-Marathon, bei dem die Zwei-Stunden-Barriere durchbrochen wurde, hat die technologischen Errungenschaften des Unternehmens hervorgehoben. Dies verleiht der Marke die Authentizität, um auf höchstem Niveau zu konkurrieren. In der Kategorie Running (Laufen) hat Adidas in den letzten Jahren Marktanteile an einige Spezialanbieter verloren, aber die Analysten gehen davon aus, dass sich diese Lücke allmählich schließt, da die Leistung der Elite-Athleten auf die Hobbyläufer abfärbt.
- Fokus zurück auf den Großhandel: Der Wettbewerb im Sportartikelsegment hat zugenommen, da der Fokus der etablierten Akteure auf den Direktvertrieb (Direct-to-Consumer) es Herausforderer-Marken ermöglichte, den Großhandelsplatz bei Einzelhändlern zu füllen. Diese Herausforderer-Marken sind im Allgemeinen in den Bereichen Running und Outdoor stark, den zwei am schnellsten wachsenden Kategorien. Da Adidas seinen Fokus wieder verstärkt auf den Großhandelskanal gelegt hat, glauben die Analysten, dass dies helfen wird, einen Teil dieser verlorenen Marktanteile zurückzugewinnen.
- Katalysator Fußball-Weltmeisterschaft: Kurzfristig sollte die jüngste Fußball-Weltmeisterschaft in den USA als weiterer Katalysator für eine stärkere Umsatzentwicklung sorgen, als der Konsens erwartet, und könnte zu Anhebungen der EBIT-Prognose für das Gesamtjahr führen. Der Halo-Effekt (Abstrahleffekt) der starken Performance-Franchises sollte auch auf die Lifestyle-Franchises von „Originals“ abfärben und helfen, den Umsatzrückgang aus dem Auslaufen des „Terrace“-Trends (Samba, Gazelle) auszugleichen. Die Bekleidungslinien von Adidas haben den Sweet Spot getroffen, um die Überschneidung zwischen Sport und Alltagskleidung maximal zu nutzen.
Bewertungs-Überlegungen: Die Deutsche Bank bewertet die Adidas-Aktien mithilfe eines abgezinsten Cashflow-Modells (Discounted Cash Flow) mit einem WACC von 9 %, einer terminalen Umsatzwachstumsrate von 2,5 % und einer EBIT-Marge von 12,5 %, was die attraktiven strukturellen Wachstumschancen für globale Sportmarken widerspiegelt.
Dies impliziert den Angaben zufolge ein KGV von rund 21x für das Fiskaljahr 2026 und von rund 17 für 2027, was weitgehend im Einklang mit dem längerfristigen Durchschnitt der Marke liegt.
Hauptrisiken: Der Marktführer Nike unterperformt bereits seit einigen Jahren. Eine Erholung der Markenattraktivität („Brand Heat“), angetrieben durch Modetrends oder Marketing, könnte es für Adidas schwieriger machen, das erwartete Umsatzwachstum zu erzielen.
Die Menge an überschüssigen Lagerbeständen, die in der gesamten Sporteinzelhandelslandschaft zu sehen ist, hat zu einer erhöhten Intensität von Rabattaktionen geführt. Dies könnte es für Adidas erschweren, seine Bruttomarge zu halten, und es besteht das Risiko erhöhter Werbeausgaben, um den Marktanteil zu sichern.
Favorit Nr. 5: Scout24 (ISIN: DE000A12DM80 - Kurs am 07.10.26: 69,50 Euro – Kursziel: 126,00 EUR – Kurspotenzial: 81,3 %)
Die Deutsche Bank bezeichnet Scout24 als Marktführer bei deutschen Immobilienanzeigen mit einem diversifizierten Ökosystem aus Produkten und einer klar artikulierten KI-Strategie, die das Unternehmen weit vor seine europäischen Konkurrenten stellt. Eine stetige Umsetzung der Wachstums- und Margenziele sollte eine Neubewertung (Re-Rating) unterstützen.
Anlage-Thesen:
- Attraktive Bewertungsniveaus: Trotz robuster Fundamentaldaten, einer Anhebung der Prognose (Guidance) und einer stetigen Umsetzung der Ziele in den letzten zwölf Monaten wurde Scout24 Opfer des Narrativs der „KI-Disruption“. Dies führte zu einer Abwertung (De-Rating) der Aktie auf rund 11x EV/EBITDA für 2027, verglichen mit ihrem historischen Durchschnitt von rund 18x. Die Analysten glauben, dass dies einen interessanten Einstiegspunkt darstellt.
- Starke Burggräben (Moats): Scout24 bleibt der Marktführer für spezialisierte Immobilien-Kleinanzeigen in Deutschland, hat sich jedoch über das traditionelle „Anzeigen“-Modell hinausbewegt, um ein Ökosystem aus Produkten zu schaffen. Im Jahr 2025 wurden rund 50 % des Umsatzes durch rund 23.000 Immobilienmakler in Deutschland generiert, die einen monatlichen ARPU (durchschnittlicher Erlös pro Nutzer) von rund 1.000 EUR zahlen. Rund 20 % wurden über andere Umsatzströme wie Wertermittlungsdienste, den Verkauf von Leads und Softwarelösungen erzielt. Scout24 hat zudem Immobiliensuchende in Deutschland mit einem Abonnement für Privatkunden monetarisiert (ca. 20 % des Umsatzes). Diese diversifizierte Umsatzbasis und die Fähigkeit von Scout24, mehrere Parteien auf seine Plattform zu bringen, ist gerade im Zeitalter der KI ein bedeutender Burggraben.
- Robustes Umsatzwachstum: Der diversifizierte Ansatz von Scout24 zur Umsatzgenerierung, sein „More-for-More“-Ansatz bei Preiserhöhungen und seine innovative Produktentwicklung (z. B. eingebettete KI-Lösungen) positionieren das Unternehmen gut, um ein attraktives Wachstum zu unterstützen (prognostizierte Umsatz-CAGR der Deutschen Bank von 12,5 % über den Zeitraum 2025 – 2028 mit einem Spitzenumsatz von 925 Mio. EUR bis 2028).
- Solide Margenexpansion: Scout24 ist hochprofitabel und cash-generativ. Die Analysten sehen Spielraum für weitere Verbesserungen, angetrieben durch operative Hebeleffekte und weitere durch KI getriebene Kosteneffizienzen. Die Deutsche Bank erwartet, dass die bereinigten EBITDA-Margen bis 2028 auf rund 63 % expandieren werden, ausgehend von geschätzten rund 61 % im Jahr 2026.
- Attraktive Kapitalallokationspolitik: Scout24 wandelt rund 60 % seines bereinigten EBITDA in freien Cashflow (FCF) um (Stand 2025) und hat ein großes Aktienrückkaufprogramm laufen (insgesamt rund 500 Mio. EUR), gepaart mit einer attraktiven Dividendenpolitik. Eine geringe Verschuldung lässt Raum für attraktive zukünftige M&A-Aktivitäten (Fusionen und Übernahmen).
Bewertungsüberlegungen: Die Analysten bewerten Scout24 anhand von Handelsmultiplikatoren im Vergleich zu Wettbewerbern (Peers). Die Deutsche Bank glaubt, dass sich der Abschlag gegenüber spezialisierten Wettbewerbern angesichts der Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells verringern sollte, und bewerten das Unternehmen mit einem KGV von rund 18x für 2027. Untermauert wird die Bewertungsthese mit einer abgezinsten Cashflow-Analyse (Discounted Cash Flow) (WACC von 8 %, langfristige Wachstumsrate von 3 %).
Hauptrisiken: Genannt werden hier makroökonomische Schocks, zunehmender Wettbewerb, Veränderungen im Management, die Unfähigkeit, wertsteigernde Produkte durchzusetzen, um das ARPU-Wachstum voranzutreiben, wertvernichtende M&A-Aktivitäten, der Verlust von Schlüsselkunden, regulatorische Änderungen und disruptive Technologien.
Favorit Nr. 6: Thyssenkrupp (ISIN: DE0007500001 - Kurs am 07.10.26: 13,45 Euro – Kursziel: 18,00 EUR – Kurspotenzial: 33,8 %)
Thyssenkrupp verfügt gemäß Deutscher Bank über mehrere unkorrelierte und potenziell wirkungsvolle Katalysatoren, hinkt den Mitbewerbern hinterher und bietet auf Basis der Summe der Einzelteile erhebliches Aufwärtspotenzial.
Anlage-Thesen:
- Einige potenzielle Katalysatoren: Nach Jahren der Underperformance, die durch Geopolitik, operative Probleme und Bedenken hinsichtlich des Stahlgeschäfts getrieben wurde, haben sich die Aktien von Thyssenkrupp seit der Heraufstufung im April 2026 gut entwickelt. Dennoch hinken sie den Stahl-Wettbewerbern seit Oktober 2025 um ca. 15 % hinterher und blieben bei Ausklammerung von TKMS (Thyssenkrupp Marine Systems) um ca. 35 % hinter den Erwartungen zurück. Die Analysten sehen diesen Titel weiterhin als eine Aktienstory mit weiteren potenziellen Katalysatoren.
- TKMS (macht 30 % der Marktkapitalisierung von Thyssenkrupp aus) befindet sich weiterhin in einer hervorragenden Position („Sweet Spot“) mit dem Potenzial für weitere Großaufträge. Diese könnten auf zurechenbarer Basis auch zusätzliche erhebliche liquide Mittel (2,7 bis 2,8 Mrd. EUR oder 30 % der Marktkapitalisierung) einbringen.
- Das Management befindet sich zudem im Prozess der Umstrukturierung des Portfolios und strebt eine Abspaltung (Spin-off) von MX [Materials Services] (geplant für das 4. Quartal 2026) und Automotive sowie eine Trennung der Stahleinheit an (wir würden auch nicht ausschließen, dass weitere Einheiten hinzugefügt werden). Dies bietet Anlegern die Aussicht auf weitere Sachausschüttungen (Dividenden in Form von Aktien).
- Schließlich wurde der Stahlverkauf an Jindal gestoppt. Die Vorteile aus der EU-Politik (CBAM [CO₂-Grenzausgleichssystem], Handelsschutz) haben jedoch bereits eingesetzt. Dies sollte die Aussichten für das Geschäft materiell verbessern und letztendlich Rückenwind für den Unternehmenswert bedeuten. Das Management hat für Ende September einen Stahl-Kapitalmarkttag angesetzt. Aus Sicht der Deutschen Bank muss das Management fokussiert bleiben, um eine spürbare Steigerung der zugrundeliegenden Performance zu erzielen, und die Restrukturierungsbemühungen deuten darauf hin, dass dies geschieht.
- Die Analysten glauben, dass die Thyssenkrupp eine Aktie bleibt, bei der die Anleger Volatilität akzeptieren müssen, man ist jedoch der Ansicht, dass sich das Risiko-Rendite-Verhältnis als vorteilhaft erwiesen hat. Mit ca. 20 % Aufwärtspotenzial im Basisszenario und mehr als 100 % in einem Blue-Sky-Szenario (bestmöglicher Verlauf) rät man zum Kauf.
Bewertungs-Überlegungen: Die Deutsche Bank bewertet Thyssenkrupp auf Basis der Summe der Einzelteile für 2027 (Gewichtung 60 %), basierend auf dem Unternehmenswert/EBITDA-Verhältnis, sowie auf einem Blue-Sky- und einem Downside-Szenario (Gewichtung jeweils 20 %).
Die Analysten wenden zudem einen Abschlag (Discount) an, um der Konglomeratstruktur und dem negativen freien Cashflow (FCF) im aktuellen Risikoumfeld Rechnung zu tragen.
Hauptrisiken: Die wesentlichen Abwärtsrisiken beziehen sich auf makroökonomische Faktoren, Geopolitik, politische Unterstützung, die Nachfrage und ein potenzielles Versagen bei der Umsetzung der Turnaround-Initiativen, der Wertkristallisation sowie großer strategischer Schritte.
Favorit Nr. 7: SAP (ISIN: DE0007164600 - Kurs am 07.10.26: 187,52 Euro – Kursziel: 200,00 EUR – Kurspotenzial: 6,7 %)
Während die Analysten der Deutschen Bank im Software-Sektor allgemein weiterhin selektiv vorgeht, behalten sie im Vorfeld der Bekanntgabe der Drittquartalsergebnisse eine relative Präferenz für SAP bei. Geführte Branchengespräche deuten den Angaben zufolge auf keinerlei Verschlechterung des Nachfrageumfelds hin, was das Vertrauen stärkt, dass das CCB-Wachstum (Current Cloud Backlog) über den Erwartungen bleiben kann.
Anlage-Thesen:
- Selektive Auswahl im Software-Sektor: Die Analysten bleiben im Software-Bereich weiterhin wählerisch, da die beschleunigte KI-Innovation und die Notwendigkeit für etablierte Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle an eine KI-Welt anzupassen, weiterhin operative Umsetzungsrisiken (Execution Risks) bergen. Innerhalb des Sektors betrachten sie die KI-Strategie und das Produktangebot von SAP als die fortschrittlichsten – daher rührt unsere relative Präferenz.
- Solide Ergebnisse für das 3. Quartal erwartet: Mit Blick auf die Berichtssaison für das 3. Quartal erwartet die Deutsche Bank ein weiteres solides Zahlenwerk, das den Aktien weiteren Auftrieb geben könnte, da man bisher keine greifbaren Anzeichen einer KI-Disruption sieht, die bereits in den Bewertungen reflektiert wäre. Geführte Branchengespräche der letzten Monate deuten auf ein gesundes Nachfrageumfeld für SAP-Lösungen hin. Das stärkt das Vertrauen in die CCB-Performance im 3. Quartal, wo der aktuelle Bloomberg-Konsens ein währungsbereinigtes Wachstum von ca. 24 % erwartet – ein Rückgang gegenüber den 26 % im 2. Quartal, was man als konservativ einschätzt.
- Attraktive Einstiegspunkte bei Volatilität: Obwohl man (genau wie in den Jahren 2020 – 2022) weder für SAP noch für die breitere Software-Industrie eine reibungslose Fahrt durch die bevorstehende Transformationsphase erwarten, bieten das aktuelle Kursniveau und potenzielle zukünftige Schwankungen überzeugende Einstiegspunkte für geduldige Investoren in eine nach Ansicht der Deutschen BANK langfristig attraktive Wachstumsgeschichte. SAP verfügt über eine starke Marktstellung als Marktführer bei Kernanwendungssoftware mit einem einzigartigen Satz an Daten und Geschäftskontexten, die das Unternehmen mit KI-Modellen nutzen kann. Genau wie im Jahr 2020 glaubet man, dass CEO Christian Klein SAP in der entstehenden KI-Softwarewelt erneut erfolgreich transformieren kann, und zwar durch:
- Die Erhöhung der Kundennähe über FDEs (Field Delivery Engineers).
- Die Umstellung der Erlösmodelle für KI-Anwendungsfälle von nutzerbasierten („Seat-based“) auf nutzungsbasierte („Consumption-based“) Modelle.
- M&A-Aktivitäten (Fusionen und Übernahmen), um SAPs KI-Technologie-Stack und seine Position bei Geschäftsdaten zu stärken.
Bewertungsüberlegungen: Die Analysten bewerten SAP mit ca. 20x EV/uFCF (Unternehmenswert zum unverwässerten freien Cashflow) für das Geschäftsjahr 2027. Dies entspricht einem leichten Aufschlag gegenüber einer breiten globalen Software-Vergleichsgruppe, was man auf das überdurchschnittliche Wachstum von SAP und die sich schnell entwickelnde KI-Strategie zurückführt.
Hauptrisiken: Hier finden folgende Aspekte Erwähnung: Aufkommender Wettbewerb durch neue KI-Marktteilnehmer und/oder KI-Modell-Unternehmen. Beeinträchtigung der Software-Ausgaben, beispielsweise durch KI-bezogene oder makroökonomische Unsicherheiten.
Marktanteilsverluste im ERP-Bereich und anderen Segmenten, während SAP seine Kunden in die Cloud und zu neuen KI-Lösungen überführt. Versäumnis, über sein expandierendes Partnernetzwerk differenzierte Branchenlösungen für die Cloud und Bereiche wie KI, IoT (Internet der Dinge) oder Industrie 4.0 zu entwickeln. (Geo-)politische oder makroökonomische Schocks.
Favorit Nr. 8: RWE (ISIN: DE0007037129 - Kurs am 07.10.26: 57,80 Euro – Kursziel: 65,00 EUR – Kurspotenzial: 12,5 %)
Die Deutsche Bank sieht bei RWE vielfältige starke Investitionsmöglichkeiten. Zudem hält man den deutschen Konzern für den am schnellsten wachsenden integrierten Versorger beim Gewinn je Aktie im Zeitraum 2027 – 2031.
Anlage-Thesen:
- Starke fundamentale Wachstumsgeschichte: RWE verfügt über eine starke fundamentale Basis mit einer Vielzahl globaler Investitionsmöglichkeiten über verschiedene Technologien hinweg: Erneuerbare Energien in den USA, Erneuerbare Energien im Vereinigten Königreich sowie Gasstromerzeugung in Deutschland und den USA. Zudem baut das Unternehmen stetig eine große Beteiligung an deutschen Stromnetzen zu einer attraktiven RAB-Prämie (Regulated Asset Base / regulierte Vermögensbasis) auf. Neue Verträge im Zusammenhang mit Rechenzentren in Europa und ein erster dieser Art in den USA werden in Kürze erwartet.
- Konservative Gewinnprognose: Die Ergebnisprognose (Guidance) von RWE für 2026 erscheint angesichts des höheren Rohstoffkomplexes zunehmend konservativ. Unter Anwendung einer Mark-to-Market-Sensitivität auf die aktuellen Strompreise sehen die Analysten ein Aufwärtspotenzial von 13 % gegenüber dem Konsens. Gleichzeitig prognostizieren sie ein Aufwärtspotenzial von rund 15 % gegenüber der RWE-Prognose für 2031 und von rund +10 % gegenüber dem Konsens. Die Bilanz kann noch stärker gehebelt werden, die Renditen können höher ausfallen, die Verträge für Rechenzentren werden kommen, und der Bereich Energiehandel (Supply & Trading) schneidet fast immer besser ab als erwartet.
- Katalysatoren in diesem Jahr: Zu den Treibern für dieses Jahr gehören:
- Die Ergebnisse der deutschen Gaukshandel/Gasausschreibungen im 4. Quartal.
- Ankündigungen neuer Verträge mit Rechenzentren.
- Eine größere Beteiligung an Amprion.
- Eine Anhebung der Gewinnprognose (Guidance Upgrade).
- Die nächste britische Offshore-Wind-Ausschreibung (AR8) im Dezember.
- Attraktive Bewertung trotz Prämie: RWE wird nach Schätzungen der Deutschen Bank mit einer Prämie von 24 % gegenüber dem Sektor gehandelt, bezogen auf das relative KGV der nächsten zwei Jahre. Dies liegt leicht über dem Durchschnitt von 18 % seit 2020. Während RWE im Einklang mit seinem durchschnittlichen Abschlag gegenüber EDPR gehandelt wird (z. B. rund 40 %), erscheint die Aktie auf dieser Basis im Vergleich zu ENGIE und Iberdrola günstig bewertet. Angesichts einer jährlichen durchschnittlichen Gewinnwachstumsrate von 10 % im Zeitraum 2027 – 2031 – der höchsten unter allen integrierten Versorgern – hält man den Titel für attraktiv.
Bewertungsüberlegungen: Die Analysten bewerten RWE mithilfe einer Sum-of-the-Parts-Methodik (SOTP), bei der man hauptsächlich einen abgezinsten Cashflow-Ansatz (WACC nach Steuern von 6,6 %) verwendet. Hinzukommen, wo angemessen, auch andere Multiplikatoren.
Die Hauptkomponenten des ermittelten Unternehmenswertes (Enterprise Value / EV) für RWE teilen sich wie folgt auf: Offshore-Windkraft: ca. 30 %, Onshore-Windkraft/Solar: ca. 45 % und flexible Erzeugung (Flexible Generation): ca. 25 %. Insgesamt bewertet man RWE mit einem implizierten 18,5x KGV-Multiplikator für 2027, was eine Prämie zum Sektor darstellt. Die Aktie bietet für das Geschäftsjahr 2027E eine Dividendenrendite von ca. 2,5 %.
Hauptrisiken: Zu den wesentlichen Abwärtsrisiken gehören die folgenden Punkte: Niedrigere Strompreise, politische Risiken in den USA für das Onshore-Geschäft (Wind/Solar an Land), ein schlechtes Ergebnis bei der deutschen Gasausschreibung oder ein schlechter Verkaufspreis (Farm-down Price) für den Offshore-Windpark „Sofia“.
Weitere etwaige Risiken sind ein Ausbleiben weiterer Verträge im Bereich Rechenzentren, ein Umfeld mit höheren Zinssätzen, eine Abwertung des USD oder des britischen Pfunds (GBP) gegenüber dem Euro, politische Risiken im Vereinigten Königreich durch eine Reform-Regierung bei den nächsten Unterhauswahlen.
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