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Die Haustierbranche – ein unterschätzter Wachstumsmarkt - das sind die Top-4-Aktien!

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Liebe Leser,

Zukunftstrends wie zum Beispiel die E-Mobilität, Wasserstoff, oder Biotechnologie sind zurzeit allgegenwärtig. Viele Aktien aus den genannten Branchen weisen eine sehr hohe Bewertung auf und

in die Kurse ist bereits viel erwartetes Wachstum eingepreist.

Eine Wachstumsbranche, die derzeit wenige Investoren auf dem Schirm haben, die jedoch ungeachtet der Konjunkturzyklen jedes Jahr ein konstantes Wachstum aufweist, ist die Haustierbranche.

Mit Wachstumsraten von rund 5 Prozent pro Jahr kann die Haustierbranche zwar nicht mit Megatrends wie Wasserstoff mithalten, jedoch konnte die Branche unbeeinflusst der allgemeinen Marktlage auch in Krisen bislang mit einem konstanten Wachstum glänzen. Beispielsweise nahmen während der Krisenjahre 2008 bis 2010 laut des US Bureau of Labour Statistics die Ausgaben für Haustiere jährlich um 6,2 Prozent zu. Somit stellt die Haustierbranche eine perfekte Ergänzung zu zyklischeren Megatrends dar.

Profiteur mehrerer Entwicklungen


Die Haustierbranche profitiert dabei von mehreren Entwicklungen. Zum einen wäre da der Demographische Wandel. Mehr und mehr Menschen wünschen sich im Alter einen Vierbeiner an ihrer Seite. So ist die Anzahl der Haustiere in Deutschland von rund 23 Millionen im Jahr 2008 auf etwa 34 Millionen im Jahr 2017 gestiegen ist. Zudem ist eine zunehmende Vermenschlichung der Haustiere feststellbar. Immer mehr Tierhalter sehen ihr Haustier als Familienmitglied und sind somit bereit, mehr Geld für Tierfutter und andere Produkte auszugeben. Auch von der weltweit wachsenden Mittelschicht und dem steigenden Wohlstand in China profitiert die Haustierbranche.

2017 stiegen in China die Ausgaben für Produkte rund ums Haustier um 27% auf 25 Milliarden USD. Noch lebt in rund 100 Millionen Haushalten in China ein tierischer Begleiter. In den nächsten Jahren könnte sich die Anzahl an Haustieren in chinesischen Haushalten aber noch stark erhöhen. Nicht zuletzt befeuert die Corona-Krise den Trend zum Haustier. In einer Umfrage von YouGov im Mai 2020 wünschten sich rund 16 Prozent der befragten Personen in Deutschland ein Haustier. Ein Drittel der befragten Deutschen besaß bereits ein Haustier.

Auch in den kommenden Jahren könnte die Branche von diesen Trends stark profitieren. So kommt es, dass bereits Fondsmanager an dem Megatrend partizipieren. Der aktiv gemanagte „Allianz Pet

and Animal Wellbeing Fonds“ beispielsweise setzt auf Unternehmen, die allein in der Haustierbranche tätig sind und schnitt 2020 mit einer Rendite von 28 Prozent deutlich besser als der Gesamtmarkt ab. Grund genug, einen Blick auf Einzelaktien aus der Branche zu werfen.

Arzneimittelhersteller


Ein großer Kostenfaktor für das Haustier sind die Tierarztbesuche und damit verbunden häufig auch Tierarzneimittel. Die im Bereich Tierarzneimittel tätigen Unternehmen zeichnen sich durch breit diversifizierte Portfolios und sicher wiederkehrende Umsätze aus. Üblich ist es auch, dass Kooperationen mit Tierärzten eingegangen werden. Von hohem Vorteil sind für die Hersteller einfachere Zulassungsverfahren als bei gewöhnlichen Arzneimitteln, was sich in hohen Margen widerspiegelt.

Zoetis Inc.


Zoetis ist ein US-amerikanischer Hersteller von Tierarzneimitteln und Diagnosegeräten. Mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent ist das Unternehmen der weltweite Marktführer für Tierpharma mit Fokus auf Nutz- und Haustiere. Die Medikamentenpalette lässt sich dabei auf die Gebiete Antiinfektiva, Impfstoffe, Antiparasitika und medizinische Futtermittelzusatzstoffe aufgliedern.

Obwohl Zoetis in über 120 Ländern weltweit aktiv ist, wird die Hälfte aller Umsätze in den USA generiert. Sich selbst bezeichnet das Unternehmen als Profiteur der weltweit wachsenden Mittelschicht, was darauf schließen lässt, dass Zoetis seine Position in den Schwellenländern weiter ausbauen möchte. Hier ist hervorzuheben, dass die Umsätze in China im dritten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 63% zunahmen. Gesamt betrug das durchschnittliche Umsatzwachstum der letzten 5 Jahre 5,5%, das EPS konnte sogar um 22% jährlich gesteigert werden. Dass Zoetis ein Marktführer auf seinem Gebiet ist, sieht man auch an der hohen Gewinnmarge, die fast 24% beträgt.

Im TraderFox Qualitätscheck erreicht die Aktie 14 von 15 Punkten

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Tierfutterhersteller und Tierfutterversand


Im Bereich Tierfutter finden sich vor allem Konsumgüterhersteller, die lediglich eine ihrer Sparten der Herstellung von Tierfutter widmen. Bekannte Namen wie Nestlé und General Mills mit starken Marken und Burggräben bestimmen das Geschäft.

Nestlé


Tierfutter rund um die Marke Purina PetCare findet man in jedem Supermarkt. Zu Purina gehören Marken wie Felix für Katzen und Purina Pro Plan, das als besonders qualitativ vermarktete Futter für Hunde. Nur die wenigsten wissen aber, dass all diese Marken zu Nestlé gehören. Mit über 11% Anteil am Gesamtumsatz macht die Tiernahrungssparte nach Nespresso den zweitgrößten Anteil am Konzernumsatz aus. Zudem wuchs die Tierfuttersparte mit einer Umsatzsteigerung von zuletzt 10% mehr als doppelt so stark wie der Gesamtumsatz. Heimtierfutter ist somit einer der wichtigsten Wachstumstreiber des Unternehmens. Nestlé kündigte jüngst an, zwei weitere Purina Fabriken in den USA errichten zu wollen, um der erhöhten Nachfrage nachkommen zu können. Es kann also auch in der Zukunft von erhöhten Wachstumsraten in diesem Bereich ausgegangen werden und selbst wenn der Trend irgendwann abflachen sollte, ist Nestlé mit seinen unterschiedlichen Produkten sehr breit aufgestellt.

Quelle: Dividenden-Check TraderFox

Zooplus AG


Zooplus ist mit einem Erlös von 1,5 Milliarden Euro nach eigenen Aussagen „Europas führender Internet-Händler für Heimtierprodukte“. Der Online-Handel ist im Bereich Heimtierbedarf noch recht klein. Erst 14% aller Umsätze wurden in Deutschland 2019 über den Online Handel erzielt. Zooplus vertreibt über ihre Plattform hauptsächlich Tierfutter und Zubehör. Das Unternehmen mit Sitz in München ist in 30 Ländern aktiv, die Kernmärkte liegen im DACH-Raum und in Mitteleuropa. Aktuell treibt Zooplus die unternehmerische Expansion in Osteuropa voran. Aufgrund der Corona-Pandemie verzeichnete Zooplus 2020 einen starken Anstieg der Nachfrage und steigerte seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2020 um über 18%. Von 2017 bis 2019 schrieb Zooplus rote Zahlen. Erst im Krisenjahr

2020 konnte wieder ein Gewinn ausgewiesen werden.

Die Profitabilität ist dabei mit einer EBITDA-Marge von 1,5% noch eher gering. Als Gründe werden seitens des Unternehmens vor allem Investitionen in die Expansion ins Ausland und die teure Akquise von Neukunden genannt. Positiv anzumerken ist, dass die Kundenloyalität im dritten Quartal auf einen Rekordwert der Wiederkaufrate von 97% gestiegen ist. 97 Prozent aller Umsätze sind also wiederkehrend und benötigen kein Neugeschäft. In Zusammenhang mit einem überproportionalen Wachstum der Eigenmarken, die in der Pandemie um rund 32% zulegen konnten, könnte langfristig eine hohe Profitabilität erreicht werden. So soll die EBITDA-Marge laut Prognosen im nächsten Jahr auf zwischen zwei und vier Prozent anwachsen.

Im TraderFox Wachstums-Check erreicht Zooplus 14 von 15 Punkten.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Tierversicherungen


Ein echter Nischenmarkt mit einer teilweise sehr niedrigen Marktdurchdringung und viel Wachstumspotenzial ist der Markt für Tierversicherungen in Nordamerika. Während in Ländern wie dem Vereinigten Königreich bereits 25% aller Haustiere versichert sind, liegt die Marktdurchdringung in Nordamerika erst bei 1-2%. Von 2015 bis 2019 nahmen die Umsätze mit Tierkrankenversicherungen in Nordamerika jährlich um 22% zu, liegen aber mit 1,7 Milliarden Dollar immer noch auf einem eher niedrigen Niveau. Zu ihren Wettbewerbsvorteilen zählen die Versicherer Partnerschaften mit Tierärzten und die Ansammlung von Daten. Auch die Digitalisierung könnte das Wachstum weiter vorantreiben.

Trupanion


Trupanion ist der erste Anbieter für Tierversicherungen auf dem nordamerikanischen Markt und wurde 1999 in Kanada gegründet. Mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 25% in den letzten 5 Jahren ist Trupanion einer der größten Profiteure im Markt für Tierkrankenversicherungen. Zugleich ist das Unternehmen mit über 380 Millionen Dollar Gesamterlös im Jahr 2019 der Marktführer in Nordamerika. Diese Position hat sich Trupanion mit Qualitätsmerkmalen wie einer Kostendeckungsquote von 90 Prozent und einem Wegfall der Auszahlungsgrenzen erarbeitet. Während der ersten neun Monate in 2020 wuchs der Umsatz um 29% gegenüber den ersten neun Monaten in 2019. Das starke Wachstum und die zukünftigen Wachstumsaussichten spiegeln sich bereits in der Kursentwicklung wider. 2020 konnte die Aktie um 200% zulegen. Nichtsdestotrotz arbeitet das Unternehmen aktuell noch unprofitabel. Das könnte sich aber mittelfristig aufgrund von relativ starken Skalierungseffekten im Versicherungsgeschäft noch ändern.

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Fazit


Ein Investment in die Haustierbranche lohnt sich für alle, die Wert auf ein Investment mit konstanten und konjunkturunabhängigen Wachstumsraten legen. Der Anleger hat dabei die Möglichkeiten auf sogenannte „Pure Plays“ zu setzen, also Unternehmen, die ausschließlich in diesem Bereich tätig sind. Oder er investiert in breit diversifizierte Konzerne, die lediglich mit einer Sparte im Haustiermarkt tätig sind. Möglicherweise profitiert die Heimtierbranche auch von der CoronaPandemie. Umfragen und die Zahlen der vorgestellten Unternehmen deuten jedenfalls darauf hin. Als Beimischung ins Depot ist eine langfristige Investition in die Branche sicher eine Überlegung wert.

Viele Grüße

Philipp Karges


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