Drei Jahre KI-Hausse: 7 Grafiken, die Anleger jetzt kennen sollten
Ein Blick auf den gigantischen KI-Boom: Wie explodierende Umsätze die Börse antreiben, auch traditionelle Aktien mitreißen, den Markt auf wenige Riesen konzentrieren und die Bewertungen junger Milliarden-Start-ups durch die Decke jagen.
Der Startschuss für den Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) fiel für die meisten Menschen mit der Veröffentlichung von ChatGPT 3.5 im November 2022. Für Anleger an der Börse gab es den eigentlichen Urknall jedoch erst am 24. Mai 2023: Damals verkündete der Chiphersteller Nvidia einen gigantischen Gewinnsprung und einen Ausblick, der alle Erwartungen komplett sprengte – angetrieben von einer riesigen Nachfrage nach KI. Dieser Trend hält nun schon seit drei Jahren an und hat sich auch in der vergangenen Woche ungebremst fortgesetzt, so das Urteil in einem aktuellen Bericht von Morningstar.
Während Technologie-Aktien schon seit Jahren die treibende Kraft an den Börsen sind, hat der KI-Boom die Rangordnung unter den US-Unternehmen völlig auf den Kopf gestellt, so der zuvor erwähnte Finanzdienstleister weiter. Was vor drei Jahren mit den Herstellern von Computer-Chips begann, hat mittlerweile auch Anbieter von Computer-Hardware und anderer digitaler Infrastruktur erfasst. Sogar klassische Industrie- und Stromkonzerne haben sich der Party mit massiven Kursgewinnen angeschlossen. Gleichzeitig sind Anleger vorsichtig geworden bei Branchen, die durch die KI-Revolution ins Hintertreffen geraten könnten – allen voran Software-Unternehmen.
Die KI-Umsätze explodieren
Im Mai 2023 war zwar klar, dass KI die Wirtschaft umkrempeln würde, aber das gigantische Ausmaß war noch nicht abzusehen. Nachdem Nvidia seine damaligen Zahlen vorlegte, mussten Analysten ihre Vorhersagen für das damals noch junge KI-Chipgeschäft der Firma radikal nach oben korrigieren. Experten schätzten damals, dass Nvdias Rechenzentrums-Sparte in den nächsten fünf Jahren um jährlich 19 % wachsen würde – und hoben die Prognose auf 30 % an. Das tatsächliche durchschnittliche Wachstum in den letzten drei Jahren lag jedoch bei unglaublichen 142 % pro Jahr.
Laut Brian Colello, Chefanalyst für Aktien bei Morningstar, lässt sich dieses explosionsartige Wachstum besonders gut an den sogenannten „Beschleuniger-Chips“ ablesen. Das sind hochmoderne Grafikprozessoren von Nvidia und AMD sowie Spezialchips (sogenannte „XPUs“), die von der Firma Broadcom entwickelt und unter anderem von Google genutzt werden.
Nachfrage nach Chips breitet sich aus - Quartalsumsätze mit KI-Beschleunigern

Quelle: Morningstar. Datenstand: 22. Mai 2026.
Nvidia hat mit diesen Hochleistungschips bereits Milliarden verdient. Allein im letzten März-Quartal stieg der Umsatz mit diesen Chips auf 60,4 Mrd. USD – vor drei Jahren waren es gerade einmal 3,4 Mrd. USD (ein Plus von 1.600 %).
Am vergangenen Mittwoch meldete Nvidia für das erste Quartal einen Gesamtumsatz von 81,6 Mrd. USD und schlug damit die ohnehin hohen Erwartungen der Experten (78 Mrd. USD) deutlich. Haupttreiber war das Geschäft mit Rechenzentren, das im Vergleich zum Vorjahr um 92 % auf 75,2 Mrd. USD zulegte.
„Die Nachfrage nach Nvidias KI-Technologie kennt kein Halten, und das Unternehmen tut alles, um seine Lieferkette auszubauen, um den unersättlichen Bedarf durch große Sprachmodelle und KI-Assistenten zu decken“, schrieb Colello in einer Einschätzung zu den neuesten Quartalszahlen. „Nvidias Umsatzwachstum zieht sich durch alle Kundengruppen und die Gewinne bleiben herausragend.“
Nvidias Dynamik zeigt keinerlei Anzeichen einer Verlangsamung, da der Umsatz mit Beschleunigern bis Ende dieses Jahres voraussichtlich über 84,5 Mrd. USD erreichen wird. Das wäre ein Anstieg von 65 % gegenüber den im Dezember 2025 verzeichneten 51,3 Mrd. USD.
Neben Nvidia wachsen auch andere führende Halbleiteranbieter stark
Weil der Bedarf an Rechenleistung so riesig ist, profitieren auch andere Chiphersteller. Broadcom, die Nummer zwei hinter Nvidia, verzeichnete zwischen den Frühjahrsquartalen 2023 und 2026 einen Umsatzsprung von rund 840 % bei diesen Spezialchips. Das Unternehmen vereinbarte kürzlich eine mehrjährige Partnerschaft mit dem Facebook-Mutterkonzern Meta und will dieses Jahr die Zusammenarbeit mit den KI-Entwicklern Anthropic und OpenAI massiv ausbauen. Broadcoms Chip-Umsatz soll bis Jahresende auf 18,3 Mrd. USD klettern – dreimal so viel wie Ende 2025.
Auch der Konkurrent AMD legte im selben Dreijahreszeitraum beim Chip-Umsatz um 289 % zu und meldete jüngst für das erste Quartal 2026 ein Umsatzplus von 38 % im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür ist die extrem starke Nachfrage nach Server-Prozessoren, die für moderne KI-Anwendungen gebraucht werden. AMD hat seine eigene Marktprognose für diesen Bereich im Vergleich zu vor sechs Monaten mal eben verdoppelt.
AMD meldete ein sensationelles Quartal dank der robusten Nachfrage nach Serverprozessoren, die im Bereich der agentischen KI (Agentic AI) eingesetzt werden“, schrieb Colello in einer Analystennotiz, die kurz nach der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen veröffentlicht wurde. „Das Highlight war, dass AMD seine Prognose für den Server-CPU-Markt im Vergleich zu seiner Prognose vor gerade einmal sechs Monaten verdoppelt hat.“
Seit neuestem sorgt der Ausbau der KI-Infrastruktur auch für ein explosives Umsatzwachstum bei Herstellern von Speichermedien (wie SanDisk und Western Digital) sowie bei Netzwerk-Spezialisten (wie Arista Networks und Cisco). Bei den Netzwerk-Firmen zündete der Turbo zwar etwas später als bei den Chip-Herstellern, brennt dafür aber in den letzten zwei Jahren lichterloh.
Der KI-Boom reißt nicht jeden mit
Vor diesem Hintergrund ist der Aktien-Index für US-Chiphersteller in den letzten drei Jahren um sagenhafte 423,9 % in die Höhe geschossen. Zum Vergleich: Der breite US-Aktienmarkt legte im selben Zeitraum „nur“ um 85,6 % zu.
Software-Unternehmen stolpern dagegen hinterher. Anbieter von Anwendungssoftware (wie Salesforce oder Adobe) kommen seit Mai 2023 gerade einmal auf ein Plus von 17,6 %. Der Bereich der Software-Infrastruktur (wozu Riesen wie Microsoft oder Palantir gehören) schaffte immerhin ein Plus von 82.5 %.
Chip-Aktien führen, Software hinkt hinterher

Quelle: Morningstar. Datenstand: 18. Mai 2026.
Weil viele Investoren jedoch Angst haben, dass KI die klassische Software-Branche überflüssig machen oder komplett ersetzen könnte, geraten diese Aktien immer wieder unter Druck. Das zeigt: Der KI-Boom spült längst nicht alle Tech-Firmen gleichermaßen nach oben.
Das wird auch am Gesamtwert der Branchen an der Börse deutlich: Der Gesamtwert aller Chiphersteller hat sich seit Beginn des KI-Booms mehr als vervierfacht – von 2,2 Billionen USD (Mai 2023) auf 9,4 Billionen USD (April 2026). Selbst als Anleger anfingen, auch in andere Branchen abseits von Chips zu investieren, wuchs der Sektor seit Oktober 2025 um weitere 13 %.
Tech-Branchen boomen (fast) alle - Gesamtwert der Branchen im Morningstar Large-Mid Index

Quelle: Morningstar. Datenstand: 18. Mai 2026.
Ganz anders das Bild bei den Software-Anbietern: Ihr Gesamtwert schrumpfte von 1,8 Billionen USD im Oktober 2025 auf 1,3 Billionen USD im April 2026 – ein Einbruch von 26 % in nur sechs Monaten.
Fette Gewinne und die Macht der Wenigen
Das Thema KI war der absolute Hauptgewinn in den Depots der Anleger. Von den 85,6 % Gewinn, die der gesamte US-Aktienmarkt seit Mai 2023 erzielt hat, gehen allein fast 23 Prozentpunkte auf das Konto von Chip-Aktien. Und davon steuerte Nvidia wiederum mehr als die Hälfte (12,2 Punkte) ganz allein bei.
KI-Aktien als Gewinnbringer Beitrag einzelner Aktien und Branchen zur Dreijahresrendite des Morningstar Large-Mid Index

Quelle: Morningstar. Datenstand: 20. Mai 2026.
Diese ungleiche Verteilung führt dazu, dass sich der Aktienmarkt extrem auf wenige Schwergewichte konzentriert – ein historischer Höchstwert. Obwohl Experten immer wieder vorhersagten, dass die Börsenparty bald auch auf andere Branchen überlappen würde, machen die zehn wertvollsten Unternehmen mittlerweile mehr als ein Drittel des gesamten US-Marktes aus (der immerhin aus 1.161 Firmen besteht).
Anteil der Top-10-Aktien am Gesamtmarkt (Morningstar US Market Index)

Quelle: @Morningstar Inc. Datenstand: 22.05.2026.
Der KI-Trend abseits von Tech-Aktien
Große Tech-Konzerne sind zwar die Hauptgewinner der KI-Revolution, aber für den Bau von Rechenzentren braucht es eben auch echte Gebäude aus Stein und Beton – und vor allem gigantische Mengen an Strom. Das hat im vergangenen Jahr zu massiven Kursgewinnen bei Firmen geführt, die genau diese Basisarbeit leisten. Einer der größten Gewinner ist der Energie-Anbieter Bloom Energy, dessen Aktienkurs sich in den letzten sechs Monaten mehr als verdreifacht hat (+240 %), nachdem der Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 130 % in die Höhe schoss.
Schaufeln und Pickel für den Goldrausch (Hinweis: „Picks and Shovels“ ist im Englischen eine Redewendung für die Unternehmen, die die Infrastruktur liefern – wie die Schaufelverkäufer im Goldrausch.)

Quelle: Morningstar. Datenstand: 18. Mai 2026.
Auch der Baumaschinen- und Energiekonzern Caterpillar profitiert kräftig. Das Unternehmen erwartet, dass sich seine Umsätze mit Stromerzeugungs-Systemen in diesem Jahr im Vergleich zu 2024 verdreifachen werden – maßgeblich angetrieben durch den Boom neuer Rechenzentren. Das Unternehmen liefert mittlerweile nicht mehr nur Notstromaggregate, sondern komplette Lösungen für die Hauptstromversorgung, was zeigt, wie sicher sich das Management der enormen Nachfrage ist.
Die Dienstleister Quanta Services und MasTec, die sich um die Infrastruktur und Stromanbindung von Rechenzentren kümmern, verzeichneten seit Mai 2023 ebenfalls Kursgewinne von über 300 %. Der Aktienkurs des Energie-Ausrüsters Generac stieg in den vergangenen drei Jahren um knapp 118 %.
Dank KI: Junge Milliarden-Firmen heben ab
Was sich an den öffentlichen Börsen abspielt, zeigt sich genauso extrem bei privaten Unternehmen, die noch nicht an der Börse sind – allen voran bei den beiden KI-Schwergewichten OpenAI und Anthropic. Der geschätzte Marktwert von OpenAI (den Investoren abseits der Börse zahlen) ist laut Datenanalysten von 86 Mrd. USD im Januar 2024 auf atemberaubende 852 Mrd. USD Ende März geschossen. Anthropic wurde Mitte Mai mit 900 Mrd. USD bewertet – im Juli 2024 lag der Wert noch bei 21 Mrd. USD.
Der Boom der Milliarden-Start-ups

Quelle: Morningstar. Datenstand: 18. Mai 2026. Wertentwicklung in USD angegeben.
Dieser gesamte Bewertungssprung spiegelt sich im weltweiten KI-Index von Morningstar und PitchBook wider. Dieser beobachtet die größten, von Investoren finanzierten KI-Firmen, die noch nicht an der Börse sind, aber mindestens eine Mrd. USD wert sind. Anthropic und OpenAI sind hier die beiden absoluten Spitzenreiter, gefolgt von ByteDance (der Muttergesellschaft von TikTok), dem Finanzdienstleister Stripe und der Datenfirma Databricks. Dieser Index hat sich in den letzten drei Jahren mehr als dreieinhalbfacht (+250 %) und seinen Wert allein im letzten Jahr mehr als verdoppelt
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