aktien Magazin

Drei US-Aktien aus der zweiten Reihe mit 52 Wochenhochs dank „Earnings Gap Ups“

Artikel, Aktienanalysen Marius Müllerhoff 142 Leser

Crocs – Zwei Jahreshoch dank eines Earnings Gap Up von +25 %


Crocs (CROX) aus Colorado wurde 2002 gegründet, ging 2006 an die Börse und übernahm 2022 die Schuhmarke HEYDUDE.

Das Unternehmen verdient sein Geld mit zwei Schuhmarken. Erstens die gleichnamige Kernmarke, die gut vier Fünftel des Umsatzes des abgelaufenen Quartals erwirtschaftete. Ihr wichtigstes Produkt ist der Clog aus dem eigenen Schaumstoff Croslite, der leicht, bequem und wasserfest ist. Dazu kommen Sandalen sowie Jibbitz, kleine Anstecker, mit denen Kunden ihre Schuhe verzieren. Zweitens die Marke ist HEYDUDE, unter der leichte Freizeitschuhe im Stil von Slippern verkauft werden.

Crocs verkauft über den Großhandel an Kaufhäuser und Schuhketten sowie direkt an Kunden über eigene Läden und Onlineshops. Dieses Direktgeschäft liefert inzwischen knapp 60 Prozent des Umsatzes und wächst schneller als der Großhandel.

Am Markt dreht sich die „Story“ aktuell um die Frage: Ist Crocs eine dauerhafte Marke oder ein Modetrend? Der aktuelle Rückenwind kommt vor allem aus dem Ausland. Dort wuchs die Kernmarke um knapp 12 Prozent auf 434 Millionen Dollar, während Nordamerika um gut 2 Prozent schrumpfte. Hinzu kommt die Spekulativ, dass sich HEYDUDE nach einem schwachen Vorjahr nachhaltig erholen wird.

Zu den wichtigsten Konkurrenten zählen Deckers Outdoor mit HOKA und UGG sowie Birkenstock.

Am heutigen Donnerstag, dem 29. Oktober 2026, veröffentlichte Crocs vorbörslich seine Quartalszahlen. Der Umsatz wuchs um 4,6 Prozent auf 1,04 Milliarden Dollar, nach 996 Millionen im Vorjahr. Analysten hatten rund 1 Milliarde erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 26 Prozent auf 3,69 Dollar und lag klar über der Erwartung von 3,31 Dollar. HEYDUDE kehrte mit einem Plus von 6 Prozent zum Wachstum zurück. Zudem kaufte Crocs eigene Aktien für 250 Millionen Dollar zurück. Die Jahresprognose wurde zum dritten Mal in Folge angehoben: Der Umsatz soll um rund 3 Prozent statt 1 bis 2 Prozent wachsen, der bereinigte Gewinn je Aktie 14,45 bis 14,65 Dollar erreichen. Für das vierte Quartal erwartet Crocs ein Umsatzplus von 7 bis 9 Prozent.

Die Aktie eröffnete mit einem Plus von 17 Prozent und schloss den Tag mit +25,5 Prozent ab. Damit markierte sie ein neues 52 Wochenhoch und ein zwei Jahreshoch. Das ist sehr bullisch, wenn man das allgemein schwache Marktumfeld berücksichtigt. Mutige Trader können auf dem Schlusskurs von heute eine Position eröffnen.

Crocs Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Glaukos Corporation – Earnings Gap Up von über 33 % und ein neues Allzeithoch


Glaukos Corporation (GKOS) ist ein Augenspezialist aus Kalifornien, der 1998 gegründete wurde und seit 2015 an der New Yorker Börse notiert. Bekannt wurde das Unternehmen mit dem iStent, einem winzigen Implantat gegen erhöhten Augeninnendruck.

Das Unternehmen entwickelt Medizintechnik und Arzneimittel gegen Glaukom sowie gegen Hornhauterkrankungen. Glaukom (auch der „Grüne Star“ genannt) ist eine Augenerkrankung, bei der der Sehnerv nach und nach geschädigt wird, sodass Teile des Gesichtsfelds verloren gehen, meist zuerst am Rand. Unbehandelt kann das bis zur Erblindung führen. Weltweit gehört das Glaukom zu den häufigsten Ursachen für bleibende Blindheit.

Der erste und wichtigste Wachstumstreiber für das Unternehmen ist iDose TR. Das Implantat wird direkt ins Auge eingesetzt und gibt bis zu drei Jahre lang kontinuierlich Wirkstoff ab. Patienten brauchen so seltener tägliche Augentropfen. Die zweite Säule ist Epioxa. Die Therapie soll das Fortschreiten von Keratokonus bremsen. Dies ist eine Erkrankung, bei der sich die Hornhaut verformt. Dazu kommt die Produktreihe iStent für MIGS („Minimally Invasive Glaucoma Surgery“ bzw. minimalinvasive Glaukomchirurgie).

Der Kundenstamm setzt sich vor allem aus Augenchirurgen und Kliniken zusammen. Der Großteil des Umsatzes stammt aus den USA. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Produkte bei Eingriffen eingesetzt werden, hängt der Absatz stark von der Kostenerstattung ab.

Der Markt spielt die „Story“, dass Glaukos sich im Wandel vom Gerätehersteller zum margenstarken Pharmaanbieter befindet. Die Bruttomarge stieg binnen eines Jahres von 78 auf 85 Prozent. Seit dem 1. Juli 2026 hat Epioxa einen eigenen dauerhaften Abrechnungscode, was die Erstattung durch Versicherer erleichtern soll.

Im Glaukommarkt konkurriert Glaukos vor allem mit Alcon und dessen Hydrus Stent sowie mit AbbVie, das mit Durysta ebenfalls ein Wirkstoffimplantat anbietet.

Am gestrigen Mittwoch, dem 28. Oktober 2026, legte Glaukos die Zahlen zum dritten Quartal vor. Der Umsatz stieg um 58 Prozent auf 211 Millionen Dollar. Analysten hatten nur 168 Millionen erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,47 Dollar, nach einem Verlust von 0,16 Dollar im Vorjahr. Die Wall Street hatte einen Verlust von 0,10 Dollar erwartet. Mit iDose TR generiert das Unternehmen rund 76 Millionen Dollar, mit Epioxa etwa 53 Millionen. Die Jahresprognose wurde auf 775 bis 785 Millionen Dollar angehoben (zuvor: 680 bis 700 Millionen). Für 2027 nennt das Management vorläufig rund eine Milliarde Dollar Umsatz. Diese Zahlen elektrisierten die Märkte. Die Aktie schoss um über 33 Prozent nach oben unter dem höchsten Handelsvolumen in knapp drei Jahren.

Das Chartbild sieht extrem bullisch aus, vor allem weil die Gesamtmärkte heute abverkauft wurden. Dank des Earnings Gap Up markierte die Aktie ein neues 52 Wochenhoch, das einem neuem Allzeithoch entspricht. Analog zu Crocs bietet es sich an, auf dem heutigen Schlusskurs eine Position zu eröffnen.

Glaukos Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Kiniksa Pharmaceuticals – Neues Allzeithoch dank eines Earnings Gap Ups von +24 %


Kiniksa Pharmaceuticals (KNSA) ist einer der wenigen profitablen Biotechnologiewerte an der Nasdaq. Den Erfolg trägt ein einziges Medikament gegen eine seltene Herzerkrankung. Das Unternehmen wurde 2015 gegründet, ging 2018 an die Börse und hat seinen Sitz heute in London (England).

Fast der gesamte Umsatz stammt aus ARCALYST. Das Medikament hemmt zwei Entzündungsbotenstoffe. Es ist die erste und einzige von der FDA (US-Arzneimittelbehörde) zugelassene Therapie gegen wiederkehrende Herzbeutelentzündung (Perikarditis). Diese betrifft die schützende Hülle um das Herz und verursacht stechende Brustschmerzen. Bei der wiederkehrenden Form flammt sie immer wieder auf. Üblich sind Schmerzmittel, Colchicin und Kortison. ARCALYST unterbricht die Entzündung gezielt und wird inzwischen vor Kortison empfohlen. Kiniksa bedient damit eine lukrative Nische. Patienten müssen sich das Medikament einmal pro Woche selbst spritzen.

Ursprünglich hat Regeneron ARCALYST entdeckt und 2008 für eine seltene Erbkrankheit zur Zulassung gebracht. Kiniksa lizenzierte das Mittel 2017 und erhielt 2021 die Zulassung gegen wiederkehrende Herzbeutelentzündung. Kiniksa verbucht den gesamten Umsatz, trägt Studien- und Vertriebskosten und teilt den verbleibenden Gewinn hälftig mit Regeneron. Ende September erhielten rund 23 Prozent der etwa 14.000 Patienten mit mehrfachen Rückfällen das Medikament. Als Nachfolger dient KPL-387. Das ist ein Antikörper zur monatlichen Selbstinjektion. Die entscheidende Studie der Phase 3 soll Ergebnisse im zweiten Halbjahr 2027 liefern. Ein dritter Kandidat, KPL-1161, soll nur vierteljährlich gespritzt werden und bis Ende 2026 erstmals am Menschen getestet werden.

Der Markt sieht in Kiniksa eine Wachstumsstory mit planbaren Erträgen. Diese Sicht ist im Biotechsektor selten. Im Fokus steht die Frage, ob ARCALYST in diesem Jahr erstmals mehr als eine Milliarde Dollar umsetzt. Rückenwind kommen von Fernsehwerbung für Patienten und einer Leitlinie der US-Kardiologen, die das Mittel früher in der Behandlung empfiehlt.

Eine direkt zugelassene Konkurrenz gibt es nicht. Ärzte setzen jedoch teilweise Kineret von Sobi und Ilaris von Novartis ein, die ähnliche Entzündungswege hemmen.

Am 27. Oktober 2026 meldete Kiniksa Pharmaceutical einen Quartalsumsatz von 286 Millionen Dollar nach 181 Millionen im Vorjahresquartal. Analysten hatten rund 260 Millionen erwartet. Der Gewinn je Aktie wurde mit bei 0,56 Dollar beziffert, die Erwartung lag bei 0,33 Dollar. Ein Jahr zuvor waren es 0,23 Dollar. Für 2026 erwartet Kiniksa nun 1,045 bis 1,050 Milliarden Dollar Umsatz (zuvor: 980 bis 995 Millionen Dollar). Diese Zahlen pulverisierten die Märkte. Die Aktie sprang um rund 24 Prozent an und markierte damit ein neues 52 Wochenhoch, das einem neuen Allzeithoch entspricht.

Charttechnisch sieht die Aktie sehr konstruktiv aus. Am Tag vor den Quartalszahlen gab es einen „Shakeout“ unter den gleitenden 50 Tagedurchschnitt. Dann folgte das Gap Up von 25 Prozent. Beides ist sehr bullisch. Seit den Quartalszahlen hat es Anschlusskäufe gegeben, obwohl der Gesamtmarkt am Schwächeln ist. Auch das ist sehr bullisch. Nach drei großen grünen Tageskerzen in Folge, benötigt die Aktie nun eine Konsolidierung, bevor es sich lohnt, eine Position zu eröffnen.

Kiniksa Pharmaceuticals Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox


Bildherkunft: AdobeStock_1534631434