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Halbleiteraktien: Semiconductor Index läuft im vierten Quartal traditionell am besten plus die Ergebnis-Prognosen zur Berichtssaison

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Die langjährige Hausse bei den Halbleiteraktien ist ins Trudeln gekommen. Der Branchenleitindex SOX tritt seit Februar nur auf der Stelle. Und erstmals seit langer Zeit gab es jüngst auch wieder einmal negative Sektor-Nachrichten. Doch die Bank of Amerika setzt darauf, dass die Halbleiter-Unternehmen mit guten Quartalzahlen der makroökonomischen Mauer der Sorgen entgegenwirken können. Zudem erinnern die Analysten bei dem US-Institut daran, dass für Halbleiteraktien seit 2010 das vierte Quartal die beste Performance bringt. TraderFox berichtet.

Die Geschäfte mit Halbleitern boomen. Folglich gab es aus dem Sektor bis vor kurzem fast nur positive Nachrichten zur Auftragslage. Aber die allgemein gute Stimmung bekam jüngst einen Dämpfer. Verantwortlich dafür war das Marktforschungsunternehmen International Data Corporation. Denn dieses stellte in einer Studie die Möglichkeit in den Raum, dass es ab 2023 durch den laufenden starken Ausbau der Produktionskapazitäten zu einem Überangebot kommen könnte.

Im Sog der jüngst allgemein etwas schwierigen Lage am US-Aktienmarkt setzte das einigen Halbleiteraktien deutlich zu. Spürbar an Schwung verloren hat zuletzt auch der Branchenindex Philadelphia Semiconductor. Dieser hat zwar noch am 16. September bei 3.473,60 Punkten ein neues Schlussrekordhoch aufgestellt. Doch das am Dienstag bei 3.178,14 Zählern aufgestellte jüngste Zwischentief war gleichbedeutend mit einem bereits am 11. Februar erreichten Niveau. Das heißt, seit nunmehr 8 Monate ist Stagnation angesagt.

Spannend ist nun die Frage, wie lange sich der mittelfristige Seitwärtstrend fortsetzen wird und ob daraus ein Ausbruch nach unten oder nach oben erfolgt. Für bald wieder steigende Notierungen spricht die Saisonalität. Denn wie die Bank of America berechnet hat, ist für den abgekürzt SOX genannten Philadelphia Semiconductor Index das vierte Quartal eines Jahres historisch gesehen der beste Dreimonatszeitraum und das erste Quartal hat die zweitbeste Bilanz vorzuweisen.

Wie der nachfolgende Tabelle zu entnehmen ist, ergab sich im Zeitraum von 2010 bis 2020 im Median ein Plus von 8,5 % im vierten Quartal. Der Zuwachs im ersten Quartal betrug demnach 7,9 %. Gegenüber dem S&P 500 Index hat der SOX in diesen beiden Quartalen zudem eine deutliche Outperformance vorzuweisen, wie die rechte Spalte in der untenstehenden Tabelle zeigt.

 

Die SOX-Quartals-Performance sowie die relative Performance gegenüber dem S&P 500 Index von 2010 bis 2020


In das diesjährige vierte Quartal ging der SOX zudem laut Bank of America mit einer nur als neutral einzustufenden Stimmung unter den Anlegern gegenüber dem Halbleiter-Sektor. Diese gedämpfte Stimmung stehe in einem gewissen Widerspruch zu den guten historischen Ergebnissen im laufenden und kommenden Quartal.

Widerstandsfähige Ergebnisse der Halbleiter-Unternehmen könnten der makroökonomischen Mauer der Sorgen entgegenwirken


Zudem gehen die Analysten bei der Bank of America laut einer aktuellen Studie mit einiger Zuversicht in die in Kürze auch in diesem Sektor anlaufende Berichtssaison. So setzt man auf im Schnitt solide Resultate. Konkret sagen die Analysten bei dem US-Institut solide Resultate für das dritte Quartal voraus. Den Schätzungen zufolge sollen die Umsätze um 23 % und die Gewinne je Aktie um 41 % steigen. Au0erdem rechnet man mit Blick auf das vierte Quartal mit Zuwächsen beim Umsatz von im Schnitt 16 % und beim Ergebnis je Aktie von 22 %.

Prognosen zu Umsatz und Gewinn je Aktie von Halbleiterunternehmen im Überblick


Einiges verspricht sich die Bank of America auch von etlichen im vierten Quartal anstehenden Investorenveranstaltungen. Auf dem Terminkalender stehen demnach Präsentationen von Nvidia, Marvell, NXP Semiconductor, Microchip und Broadcom. Quartalszahlen und diese Investorenveranstaltungen dürften nach Einschätzung der Analysten die Widerstandsfähigkeit der Halbleiter-Firmen in Bezug auf Nachfragetransparenz, Preismacht und Angebotsdisziplin unterstreichen.

Der jüngste Druck auf die Halbleiteraktien scheine eher makroökonomischer Natur (als Stichwort nennt man hier Stagflation, politischen Dramen, China-Unsicherheit, erhöhte Marktvolatilität) anstatt mikroökonomischer Natur zu sein. Jedenfalls würden die meisten Endmärkte nach wie vor unter Angebotsbeschränkungen leiden und es sei auch einfach noch zu früh, eine Umkehr des Megatrends Digitalisierung zu erwarten.

Vielmehr hätten sich das Mooresche Gesetz (wonach sich die Komplexität integrierter Schaltkreise mit minimalen Komponentenkosten regelmäßig verdoppelt) und die zunehmende Verbreitung von elektronischer Automatisierung und Halbleitern im Laufe der Zeit als mit die stärksten deflationären und produktivitätssteigernden Kräfte erwiesen.

Gleich mehrere Gründe untermauern laut Bank of America die Zuversicht zur Berichtssaison


Noch etwas konkreter betrachtet rechnet die Bank of America mit soliden Ergebnissen für das abgelaufene Quartal sowie positive Ausblicke auf das laufende Quartal in den Bereichen Cloud, Gaming, Industrie, Semicap-Equipment sowie mit einer Wiederbelebung der US 5G-Infrastruktur und den Unternehmensausgaben.

Mit dem PC-Markt dürfte der "riskanteste" Endmarkt durch die stagnierenden/rückläufigen Prognosen der Mikroprozessorhersteller (Intel, AMD) und die jüngste Preisschwäche bei Arbeitsspeichern (DRAM) bereits entschärft worden sein. Darüber hinaus erwartet man, dass die Stärke des iPhones die Verlangsamung des Smartphone-Geschäfts in China ausgleicht.

Die weiteren Erwartungen gehen auch in Richtung solider Bruttomargen, was wiederum darauf hindeuten würde, dass die Chip-Hersteller in der Lage seien, steigende Input-Kosten weiterzugeben. Zum Teil erkläre das auch das Delta zwischen Auto-Chip-Verkäufen und Autoproduktionseinheiten (zusätzlich zu der Umstellung auf Premium-Modelle mit höherem Inhalt.

Insgesamt setzt man darauf, dass die Hersteller in der Lage sind, die steigenden Kosten zu kompensieren. Auch man erwartet auch, dass die Anbieter die Sichtbarkeit der Nachfrage und die Preissetzungsmacht auch mit Blick auf das Fiskaljahr 2022 betonen werden, wobei die Investitionspläne weitgehend diszipliniert bleiben dürften.



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