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Inflation: Ein Grund mehr Aktien mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen zu kaufen - 2 Beispiele!

Aktienanalysen Hinnerk Lührs 1.944 Leser

Liebe Leser,

das Thema Inflation ist in aller Munde. Die meisten Anleger werden mitbekommen haben, dass die Inflation in Deutschland zuletzt auf 7,3 % anstieg. Erwartet wurde lediglich eine Inflationsrate von 5,1 %. Das Thema Inflation wirft die Frage auf: Soll ich weiterhin in Aktien investieren oder nicht? Und wie wird die EZB auf die hohe Inflation in Europa reagieren? In diesem Artikel soll es um einige Aktien gehen, die in meinen Augen langfristige Investment-Chancen darstellen sowie das Thema Inflation und Zinsanhebungen der EZB. Viel Spaß!

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Die EZB und die Inflation: Werden die Zinsen angehoben?


Christine Lagarde, die EZB-Präsidentin sagte zuletzt, dass die Zinsen von der EZB weiterhin niedrig gehalten werden, da die Inflation sich wieder abschwächen würde und der Großteil der Inflation auf die steigenden Energiepreise (Erdöl und Erdgas) zurückzuführen sei. Außerdem behauptete Lagarde, dass man mit Zinsanhebungen keine Energiepreise senken könne. Dass steigende Zinsen den Energiepreis nicht senken können, ist allerdings ein sensationell wenig durchdachter Kommentar von Frau Lagarde. Wenn die Zinsen angehoben werden, würde der Euro aufwerten, was die Energiepreise in Europa sofort senkt. Öl und Gas werden in US-Dollar gehandelt und eine Euro-Aufwertung macht die Importe jener Güter für Europäer günstiger und wirkt sich damit inflationssenkend aus.

Ein kleines Rechenbeispiel: Momentan ist 1 Euro aufgerundet 1,11 USD wert. Wenn ich also Güter oder Services im Wert von 100 Mio. USD importieren möchte, dann würde ich dafür momentan 90,09 Mio. Euro bezahlen. Wenn allerdings der Euro aufwertet, also man für 1 Euro z.B. 1,15 USD bekommt, dann würde ich für einen Import im Wert von 100 Mio. USD nur noch 86,96 Mio. Euro bezahlen müssen. Der Wechselkurs-Mechanismus hat also einen sofortigen Effekt auf das Preisniveau in Europa und eine Euro-Aufwertung von 1,11 USD/EUR auf 1,15 USD/EUR würde in diesem Beispiel die Importpreise in Europa sofort um rund 3,5 % senken.

Es ist fragwürdig, verwunderlich und erschreckend zugleich, dass Christine Lagarde als EZB-Präsidentin diese Aussage bzgl. der Zinsen in Europa und der Inflation tätigte. Ich gehe davon aus, dass die EZB ihre sehr expansive Stellung zur Geldpolitik zumindest etwas anpassen wird. Der USD-Index, welcher den US-Dollar gegen einen Währungskorb stellt, ist seit Anfang 2021 um rund 9,5 % gestiegen. Die restriktivere Geldpolitik der Federal Reserve führt dazu, dass Warenimporte in US-Dollar für Europäer immer teurer werden. Hinzu kommt, dass Lieferketten-Probleme, Rohstoffpreis-Steigerungen, etc. durch den Ukraine-Krieg in einem extremeren Ausmaß stattfinden als vorerst angenommen.

Diese Faktoren dürften die EZB zu zumindest moderaten Zinsanhebungen bewegen. Der Anleihemarkt in Europa preist kleinere Zinssteigerungen der EZB bereits ein. Die Renditen von 10-jährigen Bundesanleihen waren beispielsweise von Mai 2019 bis Januar 2022 dauerhaft negativ. Mittlerweile können Investoren mit 10-jährigen Bundesanleihen wieder schmackhafte 0,6 % pro Jahr verdienen. Diese Rendite ist zwar nach wie vor niedrig, allerdings ist die Bewegung der Bundesanleihen in den letzten Monaten durchaus signifikant. Doch kommen wir zu der Frage, wie sich Inflation auf das eigene Aktien-Portfolio auswirkt. 

Inflation: Soll ich meine Aktien verkaufen?


Auf diese Frage gibt es eigentlich nur eine Antwort: "Nein". Anleger missverstehen bzgl. der Inflation, dass sie nicht schlecht für den Aktienmarkt ist. Unternehmen mit Preismacht können die Preise anheben und die Kosteninflation an die Verbraucher weitergeben. Wenn eine Coca-Cola-Flasche im Handel 1,19 Euro kostet, aber die Kosten in der Herstellung steigen, kann Coca-Cola den Preis auf 1,29 Euro anheben. Für die meisten Menschen wäre diese Preissteigerung vermutlich kein Grund, die Coca-Cola-Flasche nicht zu kaufen. Für den Coca-Cola-Konzern würde die Preissteigerung allerdings 8,4 % mehr Umsatz je verkaufter Flasche bedeuten. 

Für verschuldete Unternehmen kann die Inflation sogar positive Auswirkungen haben, da ihre Schuldenlasten real sinken. Wenn ein Unternehmen einen Kredit über z.B. 100 Mio. USD aufgenommen hat und diesen in zehn Jahren zurückzahlen muss, kann die Inflation die Schuldenlast verringern. Angenommen die Inflation liegt in den kommenden zehn Jahren bei durchschnittlich 4 % pro Jahr und das Unternehmen verkauft Produkte für durchschnittlich 10 USD. Wenn das Unternehmen in den kommenden zehn Jahren den Preis der Produkte um 4 % pro Jahr (entsprechend der Inflation) anhebt, würde das Unternehmen in zehn Jahren die Produkte für 14,80 USD verkaufen. Die Schuldenlast in Höhe von 100 Mio. USD bleibt allerdings gleich.

Der Aktienmarkt war historisch betrachtet eine der besten Anlageklassen, um sich vor der Inflation zu schützen. Deshalb ist eine hohe Inflation kein Grund aus dem Markt auszusteigen, sondern wenn überhaupt ein Grund mehr zu investieren. Man sollte allerdings sicherstellen, dass man Unternehmen im Portfolio hat, welche Preismacht haben. Preismacht hat ein Unternehmen in der Regel dann, wenn es einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil hat. Die folgenden zwei Unternehmen haben nachhaltige Wettbewerbsvorteile und dürften deshalb die Preise mit der Inflation anheben können.

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Der Wettbewerbsvorteil von Moody’s


Moody’s ist eine der führenden Rating-Agenturen. Das Unternehmen hat sich eine exzellente Marktposition aufgebaut, denn andere Unternehmen sind auf das Kredit-Rating von Moody’s angewiesen, um an Finanzierung zu kommen. Wenn z.B. Apple einen Kredit aufnehmen möchte, um eine neue Fabrik zu bauen, verlangen Banken und Pensionsfonds das Kredit-Rating. Unabhängige Rating-Agenturen, wie z.B. Moody’s, bewerten die Bonität von Apple und Banken können basierend darauf Entscheidungen bezüglich des Kreditzinses treffen.

Sollte sich ein Unternehmen dazu entscheiden kein Rating von Moody’s abzunehmen und ohne Kredit-Rating bei einer Bank aufzutauchen, würde die Bank höhere Zinsen verlangen. Für die meisten Unternehmen wären die höheren Zinsen deutlich teurer als die Kosten für das Kredit-Rating bei Moody’s. Diese Abhängigkeit, welche Unternehmen von Moody’s haben, führt dazu, dass Moody’s die Preise setzen bzw. erhöhen kann. Außerdem hat Moody’s kaum Konkurrenz, da der Markt größtenteils von drei Rating-Agenturen (Moody’s, Standard and Poor’s und Fitch Group) dominiert wird. 

Warren Buffett hat den Wettbewerbsvorteil bei Moody’s früh erkannt und ist bereits seit Jahren in das Unternehmen investiert. Neben dem Wettbewerbsvorteil kann Moody’s das Geschäft schnell ausweiten und wachsen. Theoretisch muss Moody’s nur Büroraum mieten, Computer kaufen, Büromaterialen bereitstellen und Mitarbeiter einstellen. Moody’s ist kein Stahl-Unternehmen, welches erst in Maschinen, etc. investieren muss. Das Geschäft ist wenig kapitalintensiv, weshalb u.a. auch eine Dividendenrendite in Höhe von 0,8 % ausgeschüttet werden kann. In den letzten fünf Jahren wuchs Moody’s mit durchschnittlich 11,5 % im Umsatz. Das KGV22 beträgt 26.

Qualitäts-Check: https://aktie.traderfox.com/visualizations/US6153691059/DI/moodys-corp/

Der Wettbewerbsvorteil von Adobe


Adobe ist eines der größten Softwareunternehmen der Welt. Zum Produkt-Angebot von Adobe gehören Grafik- und Bildbearbeitungsprogramme, Audio- und Videoschnittsysteme sowie Webanalyse-Tools. Bekannt ist Adobe u.a. für Softwareprodukte wie Photoshop oder InDesign. Mitte der 2010er-Jahre hat Adobe das Geschäftsmodell von einmaligen Lizenzgebühren für die Software-Produkte auf Abonnements umgestellt. Dies hat zu einer förmlichen Wachstumsexplosion geführt und gleichzeitig die Einnahmen und das Geschäft von Adobe planbarer gemacht.

Die Kundenbasis von Adobe ist breit diversifizert. Studenten, Fotografen, Marketing-Unternehmen, KMUs, Kreative, etc. greifen auf die Produkte von Adobe zurück. Auch wir bei TraderFox nutzen InDesign, um unsere Magazine zu erstellen. Die Tatsache, dass derart viele Menschen die Adobe-Softwareprodukte nutzen, ist gleichzeitig auch ein großer Wettbewerbsvorteil. Für Marketing- oder Design-Abteilungen, welche mit z.B. Photoshop arbeiten, wäre die Umstellung auf eine andere Software sehr kostspielig und zeitaufwändig. Dies nennt sich "Lock-In-Effekt". Sobald man die Adobe Software gelernt hat, möchte man in der Regel nicht auf eine neue Plattform umsteigen.

Hinzu kommt, dass die Adobe Software-Suite eine vollumfassende Lösung bietet und man oftmals keine zusätzliche Software von anderen Unternehmen benötigt. Zum Beispiel können die TraderFox Magazine mit der Adobe Design-Software erstellt und Bilder können direkt über Adobe Stock heruntergeladen werden. Es besteht kein Bedarf andere Software-Produkte zu nutzen. Die Konkurrenz ist in der Regel nur im Low-End-Bereich tätig und bedient z.B. Instagram-Influencer. Momentan arbeitet Adobe an neuen Produkten, wie z.B. Software für 3D-Design, welche u.a. auch im Metaverse Anwendung finden könnte. Die Adobe-Aktie hat momentan ein KGV22 von 32,2. Das Unternehmen steigerte den Umsatz in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich 21,9 % pro Jahr. 

Qualitäts-Check: https://aktie.traderfox.com/visualizations/US00724F1012/DI/adobe-inc

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Bildherkunft: Unsplash