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IPO-RADAR 14.08.2022 - Nasdaq-Comeback belebt IPO-Markt

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Wenn Aktienmärkte von gewohnten Statistiken abweichen, dann kommt selbst in heißen Sommermonaten Bewegung in die Handelsabteilungen der institutionellen Investoren. Denn eigentlich ist der August nicht unbedingt für große Kurszugewinne bekannt. In diesem Jahr schicken sich alle großen US-Indizes an, bereits nach der Hälfte des Monats eine außerordentlich positive Bilanz abzuliefern.

Zwar befinden sich alle US-Indizes seit Jahresanfang gerechnet noch deutlich im Minus, allerdings sind die Verluste seit Mai schon fast wieder neutralisiert. Diese Aufwärtstendenz belebt auch den IPO-Markt, wenn aktuell auch nur von einem sehr niedrigen Niveau.

In der ersten Augusthälfte schafften es schon so viele Neuemissionen auf das Börsenparkett wie im gesamten Juli. Neben den sechs Neuemissionen fanden auch vier SPACs (Börsenmantel) den Weg auf den Kurszettel.

Zwar schaffte kein Titel mehr solch ein fantastischen Start wie der Finanzplattform-Spezialist AMTD, der zeitweise ein Plus von mehr als 25.000% aufwies. Dafür überwogen die Gewinner zum Abschluss der zweiten Börsenwoche deutlich die Verlierer. Mehrer Unternehmen verzeichneten Zuwächse von 50% bis 100%.

In dieser Woche strebt, neben einem SPAC und einem Biotechnologieunternehmen, ein spannendes Unternehmen aus den E-Mobilitätssektor an die Börse (siehe nachfolgenden Bericht).

 

Finanzierungspezialist Magic Empire sieht Chancen in Hongkong


Der Finanzplatz Honkong hat mit der politischen Gleichschaltung durch die chinesische Zentralregierung viel an Attraktivität für westliche Investoren verloren. Dennoch scheinen kleinere Finanzdienstleister wie Magic Empire Global Ltd. ausreichend Kunden für Börsengänge und Finanzierungen zu finden.

Das in Hongkong beheimatete Unternehmen, das 2016 gegründet wurde, bezeichnet sich selbst als Finanzdienstleister, der hauptsächlich Unternehmensfinanzierungen und Börsengänge anbietet. Neben dem Beratungsgeschäft übernehmen die Chinesen zudem die Compliance-Organisation und das Underwriting-Geschäft (Vertragsprüfung und -abwicklung).

Besonders bei den Finanzberatungs- und Compliance-Projekten konnte Magic Empire in den vergangenen Jahren gut verdienen. Im IPO-Geschäft plant man mit einem stärkeren Wachstum in den kommenden drei Jahren. Ein Großteil der Kunden stammt aus den Bereichen Online-Werbung, Immobilien und Logistik.

Wachstumsdelle soll 2022 wieder ausgebügelt werden

Die politischen Unruhen in Hongkong und der der restriktivere Kurs der Zentralregierung haben im vergangenem ja zu einer Wachstumsdelle bei dem Unternehmen geführt. 2021 sank der Umsatz im Vergleich zu 2020 um 17,4% auf 16,9 Mio. HKD auf 195,8 Mio. HKD. Der Nettogewinn reduzierte sich um 62,6% auf 1,6 Mio.

2022 erwartet soll es sowohl bei Umsatz als auch Gewinn wieder zu deutlichen Zuwächsen kommen. Mit dem Börsengang konnten die Chinesen 20 Mio. USD einnehmen, die Marktkapitalisierung beträgt 164,4 Mio. USD. Die Aktie liegt nach einer Börsenwoche 105,5% im Plus.

E-Commerce-Spezialist Treasure Global vermarktet Rabatt-App


Rabatt- oder Cash-Back-Systeme sind keine wirkliche Neuerung, sie existieren schon über ein halbes Jahrhundert. Vor allem in den USA werden sie intensiv genutzt. In Zeiten hoher Inflation kommt ihnen natürlich noch mehr Bedeutung zu. Der E-Commerce-Spezialist Treasure Global will vor allem im asiatischen Raum neue Kunden gewinnen.

Das 2020 gegründete und in New York beheimatete Unternehmen hat ein E-Commerce-Plattform entwickelt, die Verbrauchern und Händlern sofortige Rabatte und Cash-Back-Programme bietet und gleichzeitig sogenannte E-Payment-Lösungen damit verknüpft.

Über die eigens entwickelte, eigene App “ZCITY” sollen Kunden direkt bei der Bezahlung Prämien, weitere günstige Angebote und Werbeaktionen erhalten. Die App wurde 2020 erfolgreich in Malaysia eingeführt und ist mit 1,1 Mio. Nutzern und 1.900 Händlern eine der meistgenutzten Apps in Südostasien und Japan.

Erfolgreiche Startphase

Fast alle Start-ups verzeichnen in ihrer Startphase, also den ersten zwei bis drei Jahren, hohe Verluste. Auch bei Treasure Global ist dies nicht anders, denn der Verlust stieg 2021 im Vergleich zum Vorjahr von 0,1 Mio. USD. auf 7,9 Mio. USD. Allerdings vervielfachte sich auch der Umsatz von 0,3 Mio. Auf 14 Mio. USD, was zu deutlich höheren Kosten führte.

Auch 2022 erwarten die New Yorker eine hohe Wachstumsdynamik, die allerdings nicht mehr in den Vorjahresdimensionen ablaufen wird. Mit dem IPO erlöste man 8 Mio. USD, der Aktienkurs liegt nach dem zweiten Börsentag um 110% vorne. Die Marktkapitalisierung beträgt 133,4 Mio. USD.

Forza X1 will Standards bei E-Sportbooten setzen


Unabhängig von der Art und Dauer einer Wirtschaftskrise sind Luxusartikel immer gefragt. Das gilt auch dann, wenn wie bei der Mobilität aktuell eine große Transformation vom Verbrenner-Motor zu Batteriebetriebenen Fahrzeugen im Gange ist. Sportbootbauer Forza X1 hat sich auf die Fahnen geschrieben, Produkte für den Massenmarkt zu entwickeln.

Die seit 2021 in Fort Pierce, Florida existierende und dort ansässige Unternehmen entwickelt in erster Linie Motoren für die Schiffselektrofahrzeugtechnologie. Andererseits hat man bereits auch zwei eigene Prototypen entwickelt. Es sind mit FX1 Center Console und FX1 Dual Console Ein- und Zweisitzer-Boote, die mit kraftvollen Elektromotoren angetrieben werden sollen. Vor allem das spezielle Design soll Kunden anlocken.

Als wesentlichen Vertriebskanal sieht das Unternehmen die eigene Website und die Direktvermarktung an die Kunden. Ein Vertrieb über ein Händlernetz ist aus Kostengründen zunächst nicht vorgesehen, soll aber bei entsprechendem Wachstum anvisiert werden.

Erfolgreicher Börsenstart

Da sich das Unternehmen noch in der absoluten Start-up-phase befindet, liegen weder Umsätze noch Gewinn oder Verluste vor. Klar ist aber, dass man mit einem überdurchschnittlichen, jährlichen Wachstum in den ersten zwei bis drei Jahren von 35-40% rechnet. Allein die Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben im Umweltbereich sollen dies begünstigen.

Mit dem Börsengang erlöste Forza X1 rund 15 Mio. USD. Der Aktienkurs stieg am ersten Börsentag um 49,8%, die Marktkapitalisierung beträgt 75 Mio. USD.

OUTLOOK


Die Fortsetzung der Sommerrallye begünstigt auch die positive Stimmung am IPO-Markt. Zwar sucht man nach schwergewichtigen Börsengängen in diesen Wochen noch vergebens, dies dürfte aber primär der Jahreszeit geschuldet sein. In dieser Woche stehen voraussichtlich drei Unternehmen vor ihrer Börsenpremiere. Zwei der Kandidaten haben wir nachfolgend näher betrachtet.

 

Giga Cloud Technology mischt den E-Commerce-Markt auf


Der Begriff “Lieferkettenprobleme” ist seit dem Höhepunkt der Corona-Pandemie ein ständiger Begleiter für Produzenten, Verbrauchern und Logistikern. Deshalb verwundert es nicht, das asiatische Start-ups sich dieser Problematik annehmen. Giga Cloud Technology will mit seiner B2B-Plattform Abhilfe schaffen.

Das in Hongkong ansässige und seit 2019 existierende Unternehmen betreibt mit dem Gigacloud Market Place eine B2B-E-Commerce-Plattform, die vorwiegend Hersteller aus Asien mit Widerverkäufern aus Europa, Asien und den USA verbindet. Neben Zahlungs- und Abwicklungs-Tools soll für beide Zeiten auch eine effiziente Lieferlogistik garantiert werden.

Die Hauptkunden kommen derzeit aus dem Möbelbereich. Aktuell werden die Bereiche Haushalt- und Fitnessgeräte ergänzt. Darüber hinaus bemühen sich die Chinesen weitere sogenannte Retail-Bereiche für ihre Plattform zu gewinnen, um eine größere Diversifikation für den eigenen Geschäftsbereich zu erreichen.

Dynamisch steigende Gewinne

Giga Cloud ist eines der wenigen Start-Ups das neben stark steigenden Umsätzen auch bereits von Gewinnen berichten kann. Während sich der Umsatz von 2019 bis 2021 von 122 Mio. USD auf 414 Mio. USD fast vervierfachte, konnte sich der Nettogewinn im selben Zeitraum von 2,9 Mio. USD auf 27,8 Mio. USD fast verzehnfachen.

Das Management rechnet bis 2025 aufgrund der Neugewinnung anderer Branchen für seine Plattform mit einem jährlichen, durchschnittlichen Wachstum von 35% bis 40%. Durch den Börsengang sollen 30 Mio. USD erlöst werden, die Marktkapitalisierung beträgt aktuell 447 Mio. USD.

Pax Medica sucht nach Wirkstoffen gegen Autimus


Die jüngste Börsengänge von Biotechnologieunternehmen ziehen auch andere Kandidaten aus dem Sektor an den IPO-Markt. Nach der Durststrecke im vergangenen Jahr haben einige Unternehmen ihre Pläne zunächst auf Eis gelegt. Anders sieht es bei Pax Medica aus.

Das 2021 in Tarrytown, New York gegründete und dort ansässige Unternehmen forscht und entwickelt Therapien zur Behandlung von neurologischen Entwicklungsstörungen. In der Pipeline befinden sich Medikamente gegen Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) und Fragile X-Syndrom (FXTAS). Weiterverkauf nach erfolgter Wertsteigerung. Diese will man durch gezielte Investitionen sicherstellen.

Beide Therapien sind mit PAX-101 und PAX-102 bezeichnet, wobei PAX-101 bereits am Ende der zweiten von drei Testphasen ist. Dieses Medikament soll auch gegen die afrikanische Schlafkrankheit (HAT), die vor 100 Jahren entdeckt wurde, eingesetzt werden.

Börsengang als Finanzierungshilfe

Da das Unternehmen noch kein ganzes Geschäftsjahr existiert, liegen keine Bilanzen vor.

Mit dem Börsengang sollen in erster Linie die laufenden Forschungskosten für die kommenden zwei Jahre bestritten werden. Das IPO soll rund 8,5 Mio. USD in die Kassen spülen, die Marktkapitalisierung beträgt aktuell 55,1 Mio. USD.


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