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IPO-RADAR Halbleiterhersteller-IPO legt 60 % zu

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Die laufende Berichtssaison in den USA sorgte zum ersten Mal seit längerer Zeit für mehr Enttäuschungen als Begeisterung. Ein Großteil der Unternehmen ist von starken Preissteigerungen und Fachkräftemangel betroffen. Nennenswerte, negative Auswirkungen auf den IPO-Markt zeigen sich nicht. Wie bereits in der ersten Oktoberhälfte, dominierten die beliebten SPACs (Börsenmäntel) auch in den vergangenen zwei Wochen das Emissionsgeschehen.

Unter den 59 Börsengängen seit dem 18.Oktober befanden sich 33 SPACs. Grund für den Boom dürften vor allem einige erfolgreiche Transaktionen im SPAC-Bereich sein. So legte der SPAC Digital World Acquisition (DWAC) um in der Spitze 1.000% zu, nachdem man ankündigte das Unternehmen Trump Media & Social zu übernehmen, dass eine neue Onlineplattform mit dem Namen „True Social“ starten will.

Die Börsengänge der restlichen Unternehmen wurden dominiert vom Technologiebereich, gefolgt vom Konsumsektor. Elektrisiert waren die Investoren vom Börsenstart des innovativen Halbleiterproduzenten Arteris mit einem Zuwachs von rund 60% Die Mehrheit der IPOs verzeichnete Zuwächse zwischen 45% und 5%. Sieben Unternehmen verzeichneten zum Börsenstart Verluste zwischen 9% und 23%.

Chicagoer Street-Food katapultiert Portillo’s nach oben


Die Gastronomie-Branche wird an der Börse immer mit großem Interesse, aber auch einer gehörigen Portion Skepsis betrachtet. Zum einen hängt dies mit der Kurzlebigkeit von kulinarischen Trends zusammen. Zum anderen ist die Branche häufig kapitalintensiv und braucht lange zum Erreichen der Gewinnzone.

Die USA bieten allerdings wegen ihrer Größe und Einheitlichkeit die besten Startvoraussetzungen und so verwundert der Erfolg des Chicagoer Street-Food-Anbieters Portillo’s nicht wirklich. Neben Hot-dogs gehört zu den einfachen, aber erfolgreichen Angeboten des 1963 gegründeten Unternehmen u.a. Polnische und italienische Spezialitäten, sowie Schokoladendesserts und Milchshakes.

Hauptvertriebsgebiet ist der gesamte Norden der USA rund um die „Great Lakes“. Da die Chicagoer, ähnlich wie McDonalds oder Burger King, ihre Speisen auch über Autoschalter verkaufen, hat ihre Popularität durch COVID-19 deutlich zugenommen. Aktuell betreiben sie 67 Restaurants in neun Bundesstaaten.

Expansion in allen Bundesstaaten geplant


In Zahlen drückt sich dieser Erfolg über einen nur kleinen Umsatzrückgang von 2019 auf 2020 von 4,5% auf 455,5 Mio. USD aus. Das Unternehmen war durch die „Lock-downs“ nicht so stark getroffen wie andere und konnte sogar seinen Verlust von 12,9 Mio. USD auf 8,3 Mio. USD zurückfahren.

In den kommenden 3 Jahren will das Management seine Expansion auf die gesamten USA ausdehnen, wobei bereits mit Eröffnungen erster Restaurants in Kalifornien und Florida wohlhabendere US-Regionen im Fokus stehen. Durch den Börsengang am 21. Oktober wurden 406 Mio. USD erlöst, die Aktie liegt mit 87,3 % im Plus. Der Börsenwert beziffert sich auf 2,8 Mrd. USD.

Intelligente Halbleiter von Arteris sind begehrt


Alles was sich thematisch gerade um Halbleiter dreht, befindet sich gerade im Fokus der Anleger. Von Interesse ist dabei nicht alleine die rasche Kapazitätsausweitung für die aktuelle Chipgeneration, sondern auch die Entwicklung neuer, leistungsfähigerer Chips.

Das 2003 gegründete und in Campbell, Kalifornien ansässige Unternehmen Arteris hat sich auf die Herstellung von Halbleitern zum Einsatz in der künstlichen Intelligenz spezialisiert. Sein Flaggschiffprodukt, der Arteris FlexNoC (NoC= Network-on-chip), wurde bis 2013 für mehr als 60 % der mobilen und drahtlosen Geräte genutzt.

Arteris ist Marktführer bei NoC-Chips, hat mehr als 190 Updates zu seiner Technologie entwickelt und mehr als 2 Mrd. Halbleiter bisher verkauft. Besonders in der Automobilindustrie und der Entwicklung der 5-G-Technologie sind die Produkte gefragt. Bekannte Nutzer sind Unternehmen wie u.a. Samsung, NXP, oder Baidu.

Kapazitätsausbau soll Expansion ermöglichen


Wie viele andere Technologieunternehmen wurden die Kalifornier in ihrer erfolgreichen Expansion durch die COVID-19-Pandemie gestoppt. Von 2019 auf 2020 legte der Umsatz daher auch nur um 0,5% auf 31,8 Mio. USD zu. Die Drosselung der Produktion führte auch zu einer negativen Trendwende. Aus einem Gewinn von 4,6 Mio. USD wurde ein Verlust von 3,3 Mio. USD.

Zudem übernahm man 2020 mit Magillem Design Services ein Unternehmen, das spezielle Halbleiter mit einer selbst entwickelten Software automatisch herstellt. Arteris nahm über den Börsengang 70 Mio. USD ein, der Aktienkurs stieg in der ersten Börsenwoche um 59,7%.

AirSculpt Technologies hat Erfolg mit Schönheits-OP‘s


Die COVID-19-Pandemie hat viele Arbeitnehmer zur Berufsausübung zuhause (Homeoffice) gezwungen. Im Zuge dieser Maßnahme stieg die Zahl der Videokonferenzen sprunghaft an. Ein statistisch belegter Nebeneffekt: Das Bedürfnis chirurgische Korrekturen am eigenen Körper vorzunehmen, um das eigene Erscheinungsbild zu verbessern.

Schönheitsoperationen, insbesondere bezüglich von Fettentfernung, sind die Spezialität von AirSculpt Technologies.Das 2003 in Miami, Florida gegründete und dort beheimatet Unternehmen bietet neben Fettentfernungsverfahren auch das bei einigen Frauen auf populäre Fetttransverfahren an.

Dabei werden eigene Fettzellen der Patienten zur Verbesserung der Brust, des Gesäßes, der Hüfte oder anderer Bereiche verwendet. Als Vorteil erweist sich bei diesem Verfahren, dass keine Implantation von Silikon oder anderer Fremdmaterialien notwendig ist.

Deutliche Präsenzverstärkung in den USA


Das sogenannte Körperkonturierungsverfahren bieten das Unternehmen mittlerweile in 16 eigenen Zentren und 13 Bundestaaten an. Aufgrund der steigenden Nachfrage plant AirSculpt eine deutliche Expansion, vor allem in Einkommensstarken Regionen. Verbinden will man das mit dem Aufbau von Luxus-SPAs.

Allein von 2019 bis 2020 betrug das Umsatzplus 52,2% auf 62,8 Mio. USD. Zudem gelang bereits der Turnaround von einem Verlust von 2,2 Mio. USD zu einem deutlichen Gewinn von 5,8 Mio. USD. Für 2021 rechnet AirSculpt mit einem noch höheren Wachstum. Der Börsengang am 29. Oktober erlöste rund 77 Mio. USD. Das Kursplus am ersten Börsentag betrug 44,5 %, woraus sich eine aktuelle Marktkapitalisierung von 884 Mio. USD ergibt.

OUTLOOK


Mit dem Beginn des Novembers konzentrieren sich die Anleger bereits auf die in diesem Monat startende Jahresendrallye. Für den IPO-Markt könnten die Rahmenbedingungen damit nicht besser sein, da noch viel Liquidität nach attraktiven Investmentchancen sucht. Auf dem IPO- Kalender für diese Woche stehen 12 Unternehmen, wovon nur eins ein SPAC (Börsenmantel) ist .

Allbirds produziert nachhaltige Sneaker- und punktet bei der Jugend


Als professioneller Fußballspieler in Neuseeland hat Tim Brown mehrere Angebote eingereicht, um Schuhe zu sponsern. Allerdings gefielen im entweder die Passform oder die Verwendung von synthetischen Materialien nicht. Also gründete er 2015 in San Francisco sein eigenes Unternehmen namens Allbirds.

Mit Hilfe eines gewonnen Forschungsstipendiums der Wollindustrie hatte er ein Startkapital von 200.000 USD beisammen. Mit einem Team von Wissenschaftlern entwarf er einen neuen Sneakertypen, der sich auf Nachhaltigkeit, Leistung und Komfort konzentrierte. 2016 brachten sie mit dem Wollrunner ihr erstes Modell auf den Markt, das auch eine Mio. verkauft wurde.

Das Unternehmen hat sein Design und seine Beschaffung kontinuierlich weiterentwickelt. Einer der jüngsten Schuhe besteht zum Beispiel aus Merinowolle und dem Garn aus dem Fruchtfleisch von Eukalyptusbäumen.

Unternehmen wächst überdurchschnittlich


Die Nische, die Allbirds bedient, hat sich vor allem bei jüngeren Verbrauchern durchgesetzt. Der Umsatz ist von 126 Mio. USD 2018 auf 219,7 Mio. USD 2020 gestiegen. Allerdings weitete sich auch der Verlust deutlich aus, allein 2019 auf 2020 von 14,5 Mio. USD auf 25,9 Mio. USD.

Geschuldet ist dies dem aktuellen Expansionskurs, denn Allbirds hat seine Einzelhandelspräsenzen auf 27 Geschäfte erhöht und plant die Eröffnung weiterer. Aus dem IPO erwartet man sich Erlöse 270 Mio. USD, die Bewertung läge dann bei 2 Mrd. USD.

Finanzwebsite-Pioneer NerdWallet startet nächste Offensive


Tim Chen und Jacob Gibson gründeten NerdWallet im Sommer 2009 mit einem Startkapital von 800 USD. Wie sich herausstellte, war das mehr als genug, um mit der Erstellung einer Website zu beginnen, die Verbrauchern bei der Administration ihrer Finanzen und Kreditkarten haIf, während sie die mit den Folgen der Finanzkrise kämpften.

Seitdem ist das Wachstum der Kalifornier regelrecht explodiert und die Website wurde weiter ausgebaut, um zahlreiche Aspekte der persönlichen Finanzen abzudecken. Dazu gehören neben Kreditkarten, Hypotheken, Versicherungen, KMU-Produkte und Privatkredite.

Ein kritischer Teil der Unternehmensstrategie sind Zukäufe, die vor allem Wettbewerber auf Distanz halten sollen. Im vergangenen Jahr hat man den Online-Kreditmarktplatz Fundera und die britische Vergleichsplattform Know-your-money für den Finanzbereich. Zudem ist NerdWallet stark in Kanada aktiv.

Stürmisches Wachstum hält an


Mit den Zukäufen kommen die Kalifornier mittlerweile auf 100 Mio. Abonnenten. Das Umsatzwachstum lag allein im ersten Halbjahr 2021 bei 32% auf 181,6 Mio. USD (Umsatz 2020: 245,3 Mio. USD), beim Gewinn verzeichnete das Unternehmen allerdings einen Einbruch um 78,4% auf 5,3 Mio. USD. Hier machen sich die Belastungen aus den Zukäufen bemerkbar.

Die Planungen für den Börsengang laufen bereits seit Ende des vergangenen Jahres, das IPO findet wegen der positiven Rahmenbedingungen an im IPO-Markt aber erst jetzt statt. Aus dem Börsengang möchte man weitere Mittel im Umfang von 140 Mio. USD generieren. Daraus würde ich eine Marktbewertung von 1,2 Mrd. USD ergeben.

Cian wächst mit der Nachfrage nach russischen Immobilien


Die weltweiten Wertzuwächse bei bestehenden Immobilien in den vergangenen 10 Jahren haben zu einer Vielzahl von Neugründungen im Online-Bereich geführt. Investoren nutzen dabei die Vorteile, nach Objekten zu suchen, die sie auf konventionelle Art und Weise gar nicht entdecken würden. Gerade bei großen Flächenländern wie Russland nimmt die Nachfrage stark zu.

Die 2001 gegründete und in Larnaca, Zypern ansässige Immobilienplattform Cian ist die führende Plattform für Immobilen-Kleinanzeigen in Russland und gehört zu den 10 größten Plattformen weltweit. Vor allem bei den großen Ballungsräumen Moskau und St. Petersburg gehört Cian zu den meistbesuchten Websites in Russland.

Aufgrund der hohen Reichweite versuchen die Russen ihre Website auch mit weiteren Angeboten aus dem Finanzsektor zu bestücken und damit weitere Kundengruppen zu erreichen.

Hohes Wachstum, aber auch hohe Verluste


Aufgrund der COVID-19-Pandemie musste auch Cian einige Bremsspuren in seiner Bilanz hinnehmen. Der Umsatz legte dennoch im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 mit plus 10,1 % auf knapp 4 Mio. RUB zu. Der Verlust konnte von 806 Mio. RUB auf 627 Mio. RUB reduziert werden.

2022 erwartet das Management ein deutlich anziehendes Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Durch den Börsengang sollen zum weiteren Ausbau der Website Finanzmittel im Volumen von 292 Mio. USD erlöst werden. Die außerbörsliche Bewertung läge damit bei knapp 1 Mrd. USD.


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