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Kursziel 8.000: Warum Goldman Sachs dem S&P 500 Index noch mehr Rekorde zutraut und welche Risiken lauern

Strategien Jürgen Research 82 Leser

Goldman Sachs Research hat seine Prognose für den US-Leitindex S&P 500 bis Ende 2026 angehoben. Wir verraten die Gründe, die für eine anhaltende Rekordjagd sprechen – zeigen aber auch auf, warum das Börsen-Fundament laut der US-Investmentbank trotzdem nicht absolut bruchfest ist.

Dass der US-Aktienmarkt seinen Rekordkurs in diesem Jahr inzwischen wieder so vehement fortsetzt wie aktuell, sorgt auf dem Parkett für reichlich Diskussionsstoff. Goldman Sachs hat diese Welle nun mit einer viel beachteten Entscheidung weiter angetrieben und dem S&P 500 ein neues, ambitioniertes Etappenziel verordnet.

Die Triebfeder hinter diesem Schritt ist eine Neubewertung der wirtschaftlichen Realität in den USA. Eine aktuelle Studie zur US-Börse zeigt, denn wie nachfolgend mit Hilfe unserer Zusammenfassung der Publikation deutlich wird, gibt es auch die eine oder andere Schwachstelle beim Fundament des laufenden Bullenmarktes.

Die Hauptbotschaft der zitierten Publikation lautet aber zunächst einmal so: Goldman Sachs Research hat seine Prognose für den S&P 500 zum Jahresende 2026 von 7.600 auf 8.000 Punkte angehoben. Da der Index am vergangenen Freitag mit 7.580,06 Punkten aus dem Handel gegangen ist, lässt eine Zielerreichung weiterhin etwas Luft nach oben.

Erwartetes Gewinnwachstum soll US-Aktien weiter antreiben

S&P 500 Kurs; die gepunktete Linie zeigt die Goldman Sachs Prognose


Erwartetes Gewinnwachstum soll US-Aktien weiter antreiben<br />
S&P 500 Kurs; die gepunktete Linie zeigt die Goldman Sachs Prognose

Quellen: Compustat, Goldman Sachs Research, mit Stand vom 27. Mai

Für 2027 scheint eine noch höhere Zielvorgabe nicht ausgeschlossen zu sein. Denn die Strategen haben ihre Prognosen für den Gewinn je Aktie angehoben: für 2026 auf 340 Dollar (ein Plus von 24 % im Jahresvergleich) und für 2027 auf 385 Dollar (ein Zuwachs von 13 %). Dabei gehen die Experten davon aus, dass die Profiteure der KI-Infrastruktur in diesem Jahr etwa die Hälfte des Gewinnwachstums ausmachen werden.

Mit Blick auf den US-Aktien zugestandenen Bewertungsmultiplikator unterstellt man, dass es unverändert bei etwa dem 21-Fachen des Gewinns bleibt. Bei diesen Prognosen werden leichte Rückgänge bei den Renditen von Staatsanleihen durch ein sich verlangsamendes Wachstum, geopolitische Unsicherheit und die Skepsis der Anleger hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Gewinnen im Zusammenhang mit KI ausgeglichen.

Laut Goldman Sachs treibt die starke Rally des US-Aktienmarktes im Jahr 2026 ausschließlich das Wachstum der Unternehmensgewinne an und nicht steigende Aktienbewertungen. Die Annahme lautet, dass sich diese Dynamik für den Rest des Jahres und bis ins Jahr 2027 hinein fortsetzt.

Der Anstieg der Ergebnisschätzungen hat den jüngsten Wertzuwachs des Aktienmarktes übertroffen

Kumulierte Veränderung des S&P 500 seit Anfang 2025


Der Anstieg der Ergebnisschätzungen hat den jüngsten Wertzuwachs des Aktienmarktes übertroffen<br />
Kumulierte Veränderung des S&P 500 seit Anfang 2025

Quellen: Factset, Goldman Sachs Research, mit Stand vom 27. Mai

Details zum robusten Ergebnistrend auf Unternehmensebene


Die Gewinne im ersten Quartal waren „außergewöhnlich stark“, schreibt der leitende Stratege für US-Aktien bei Goldman Sachs Research, Ben Snider, in der Studie. Die Gewinne stiegen im Jahresvergleich um 18%, und das durchschnittliche Unternehmen im Index ist auf dem besten Weg, seine stärkste vierteljährliche Wachstumsrate im vergangenen Jahrzehnt zu verzeichnen – abgesehen von der Phase nach den US-Steuersenkungen im Jahr 2018 und der Wiedereröffnung nach der Pandemie.

Der Investitionsboom in die Infrastruktur der Künstlichen Intelligenz (KI) ist ein wesentlicher Faktor für den verbesserten Ausblick. Der Konsens der Analystenschätzungen geht davon aus, dass die größten Hyperscale-Tech-Unternehmen in diesem Jahr 754 Mrd. USD für Investitionen (Capex) ausgeben werden – ein Anstieg von 83 % gegenüber 2025 – und 905 Mrd. USD im Jahr 2027.

„Wir sehen ein Aufwärtsrisiko für die Konsensschätzungen der Investitionsausgaben im Jahr 2027“, so Snider. „Die Analysten waren in den letzten drei Jahren jeweils zu konservativ.“ Er erwartet auch, dass die Profiteure dieser Ausgaben im Jahr 2026 und im nächsten Jahr etwa die Hälfte des gesamten Gewinnwachstums im S&P 500 ausmachen. Halbleiterunternehmen sind die primären direkten Profiteure, und auch eine Reihe von Unternehmen aus den Bereichen Technologie-Hardware, Industrie und Versorger erhalten durch den KI-Ausbau einen kräftigen Gewinnschub.

Starke Gewinne haben in diesem Jahr die Outperformance von KI-Infrastruktur-Aktien angetrieben

Indexierte Marktkapitalisierung und Konsensschätzungen für die Ergebnisentwicklung je Aktie der S&P 500-Unternehmen auf Zwölfmonatssicht


Starke Gewinne haben in diesem Jahr die Outperformance von KI-Infrastruktur-Aktien angetrieben<br />
Indexierte Marktkapitalisierung und Konsensschätzungen für die Ergebnisentwicklung je Aktie der S&P 500-Unternehmen auf Zwölfmonatssicht

Quellen: Factset, Goldman Sachs Research, mit Stand vom 27. Mai

Nicht alles ist Gold, was glänzt


Die breitere Wirtschaft präsentiert jedoch ein gemischteres Bild für den Aktienmarkt. Nach Angaben von Goldman Sachs Research dürften eine nachlassende Konsumbereitschaft, erhöhte Inputkosten und der schwindende fiskalische Impuls aus der jüngsten Steuergesetzgebung Unternehmen belasten, die nicht von KI-Investitionen profitieren. „Die jüngsten Inflationsdaten und Kommentare von Unternehmen haben das Risiko für die Gewinnmargen durch den Druck der Inputkosten signalisiert“, konstatiert Snider.

Darüber hinaus wird die Nachhaltigkeit der Dynamik bei den Unternehmensgewinnen von der Fähigkeit der US-Wirtschaft abhängen, KI-Investitionen in wiederkehrende Gewinne umzumünzen, merkt Snider weiter an.

Obwohl sich die Einführung in Unternehmen noch in einem frühen Stadium zu befinden scheint, erwarten die Strategen bei Goldman Sachs, dass die Auswirkungen von KI auf Produktivität und Gewinne in den kommenden Jahren immer sichtbarer werden. Die Prognosen des Teams beinhalten in diesem Jahr einen Schub von 0,4 Prozentpunkten für das Gewinnwachstum je Aktie des S&P 500 durch KI-Produktivität und einen Schub von 1,5 Prozentpunkten im Jahr 2027.

Bewertung historisch betrachtet anspruchsvoll, aber im aktuellen Umfeld vertretbar


Der S&P 500 wird etwa beim 21-Fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, ein Niveau, das im Vergleich zu den letzten 40 Jahren im 88. Perzentil liegt. Trotz dieses historisch erhöhten Wertes geht Goldman Sachs Research im Basisszenario davon aus, dass das Multiplikator bis zum Jahresende in etwa unverändert bleibt.

Der S&P 500 handelt zum 21-fachen KGV der für die nächsten 12 Monate erwarteten Gewinne


Der S&P 500 handelt zum 21-fachen KGV der für die nächsten 12 Monate erwarteten Gewinne

Quellen: FactSet, Goldman Sachs Global Investment Research

Man unterstellt, dass leichte Rückgänge bei den Renditen von Staatsanleihen – eine wichtige Eingangsgröße für Bewertungsmodelle – den Bewertungen eine gewisse Unterstützung bieten. Dieser Prognose liegt aber auch die Annahme zugrunde, dass diesem positiven Effekt ein sich verlangsamendes Wirtschafts- und Gewinnwachstum, Skepsis hinsichtlich der Dauerhaftigkeit von KI-bezogenen Gewinnen und die anhaltende geopolitische Unsicherheit entgegenwirken.

Die Warnleuchten für einen an Kraft verlierenden Bullenmarkt leuchten noch nicht


Die Bedingungen, die historisch das Ende großer Bullenmärkte markiert haben, sind größtenteils nicht vorhanden, aber einige Warnsignale sind aufgetaucht, schreibt Snider. Der Handel von Privatanlegern und der Indikator für spekulativen Handel von Goldman Sachs Research sind gestiegen, obwohl beide unter den jüngsten und historischen Höchstständen bleiben.

Gleichzeitig wird erwartet, dass ein Anstieg der Energiepreise infolge der Schließung der Straße von Hormus zu schwächeren Konsumausgaben, mehr Druck auf die Gewinnmargen, höherer Inflation und einer geringeren Lockerung durch die Federal Reserve führen wird, als die hausinternen Strategen zu Beginn des Jahres erwartet hatten.

Die Stärke des KI-Trends, der den S&P 500 jüngst nach oben getrieben hat, hat auch zu einer Verengung der Marktbreite und einem starken Anstieg des Momentums geführt – einer Strategie, die darauf basiert, in Aktien zu investieren, die sich gut entwickelt haben. Diese Dynamik hat laut Goldman Sachs Research in der Vergangenheit ein erhöhtes Marktrisiko signalisiert.

Was US-Aktienanleger für den Rest des Jahres zu erwarten haben


Mehrere Faktoren deuten laut Goldman Sachs Research auf moderatere Renditen in naher Zukunft hin. Es gibt ein historisches Muster saisonaler Schwäche im Vorfeld von Zwischenwahlen (Midterm Elections), und die jüngsten starken Zunahmen bei den Schätzungen für KI-Investitionen sowie den damit verbundenen Gewinnprognosen legen die Messlatte für künftige Aufwärtskorrekturen hoch. Zudem gibt es Anzeichen dafür, dass sich die Wirtschaftsaktivität verlangsamt.

In den Monaten vor Zwischenwahlen bewegen sich Aktien typischerweise seitwärts Renditen indexiert auf 100 zu Beginn des Novembers


In den Monaten vor Zwischenwahlen bewegen sich Aktien typischerweise seitwärts Renditen indexiert auf 100 zu Beginn des Novembers

Quelle: Goldman Sachs Global Investment Research

Künftig wird das aggregierte Gewinnwachstum des S&P 500 zunehmend von der Fähigkeit der Hyperscale-Tech-Unternehmen abhängen, hohe Renditen aus ihren KI-Investitionen zu erzielen. „Um ausreichende Renditen aus den KI-Investitionen zu erwirtschaften, müssen die Endnutzer in den Unternehmen letztendlich genügend Produktivitätsgewinne erzielen, um die Ausgaben für KI-Anwendungen zu rechtfertigen“, erklärt Snider.

Die Einführung von KI in Unternehmen befindet sich noch in der Anfangsphase, aber Goldman Sachs Research erwartet, dass die Auswirkungen auf Produktivität und Gewinne in den kommenden Jahren immer deutlicher sichtbar werden. Die Prognosen der US-Investmentbank beinhalten in diesem Jahr einen Schub von 0,4 Prozentpunkten für das Gewinnwachstum des S&P 500 durch KI-gestützte Produktivität und einen Schub von 1,5 Prozentpunkten im Jahr 2027.

Für Anleger wird es wichtig sein, über KI-Infrastrukturaktien hinaus zu diversifizieren, empfiehlt Snider angesichts des Hintergrunds einer geringen Marktbreite und hoher Renditeunterschiede zwischen den einzelnen Aktien. Eine Verbesserung der geopolitischen Aussichten würde konsumnahen Sektoren, die stärker vom Wirtschaftswachstum abhängen, voraussichtlich einen größeren Schub verleihen als KI-Infrastrukturaktien, so Goldman Sachs Research.


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