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Megatrend: Warum es bei Künstlicher Intelligenz jetzt auf die Zweitrundenprofiteure ankommt

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Die Aktienkurse von Unternehmen, die Künstliche Intelligenz (KI) anbieten, sind in diesem Jahr stark gestiegen. Vor diesem Hintergrund geht die Commerzbank in einer Studie der Frage nach, ob damit ein neuer Megatrend in Gang gesetzt wurde, der auch die Aktien der vielen KI-Nutzer für einen längeren Zeitraum beflügeln kann. Neue „intelligente“ Produkte und Dienstleistungen für private und kommerzielle Anwendungsgebiete sollten demnach auch die Zweitrundenprofiteure aus dem DAX und MDax begünstigen. TraderFox berichtet.

Um Künstliche Intelligenz (KI) hat sich seit der breiten Markteinführung von ChatGPT Anfang des Jahres ein Hype entwickelt, der die Aktien der Unternehmen, die KI-Lösungen bereitstellen, laut Commerzbank in die Höhe treibt. Jenseits dieser Erstrundenprofiteure kommt es auf die Anwender von KI an, die sogenannten Zweitrundenprofiteure, um aus dem gehypten KI-Boom einen belastbaren und längerfristig wirkenden KI-Megatrend zu machen, schreibt das zitierte deutsche Kreditinstitut in einer aktuellen Studie.

Thomas Becker. Head of Equity Research bei der Commerzbank, ist dabei diesbezüglich optimistisch. Denn KI ist aus seiner Sicht eine neue disruptive Technologie, die sich in sehr vielen Bereichen der Wirtschaft nutzen lässt, über die Zeit an Produktivität gewinnt und in den Unternehmen viele Folgeinnovationen auslösen wird, die wir heute nur erahnen können. Beispielhaft dafür nennt er den Siegeszug des PC- bzw. Smartphone-basierten Internets, das in rund 12 bzw. 6 Jahren 50% der US-Haushalte erreichte und die Grundlage für eine Vielzahl von Innovationen in allen Lebensbereichen schaffte.

Erstrundenprofiteure – Die „Magischen Acht“ dominieren die KI-Hausse

Die bisherige Entwicklung der Erstrundenprofiteure von KI stimmt optimistisch, so Becker. Aktuell konzentrierten sich die Investoren auf die großen US-Technologiewerte (Alphabet (A und C Aktienklassen), AMD, Apple, Broadcom, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla), die als „Magische Acht“ bezeichnet würden. Diese vom Kapitalmarkt identifizierten Erstrundenprofiteure stellen KI-Infrastruktur zur Verfügung, also Hardware und Halbleiterprodukte sowie Software- und Service-Applikationen.

Wie üblich, wenn ein neues Marktsegment Gestalt annimmt, preist der Kapitalmarkt, wie die Commerzbank konstatiert, die Chancen deutlich schneller ein als die Risiken. Bereits vor Beginn des KI-Booms, also Ende vergangenen Jahres, seien die „Magischen Acht“ Indexschwergewichte mit einem Anteil von rund 44 % an der NASDAQ-Marktkapitalisierung gewesen. Seit Jahresanfang hätten diese Werte ihre Marktkapitalisierung um rund 3.750 Mrd. USD gesteigert (siehe Chart), wobei diese allerdings 2022 um rund 4.200 Mrd. USD gesunken sei.

Die "Magischen Acht" – Anstieg der Marktkapitalisierung um ca. 3.750 Mrd. Dollar seit Anfang 2023

Anzahl der Nennungen von "KI" und artverwandten Begriffen während der Telefonkonferenzen zum Juni-Berichtsquartal

Aus rein statistischer Sicht dürfte es sich dabei noch nicht um eine Blase handeln. Denn verglichen mit zurückliegenden thematischen Haussen sei der Kursanstieg der KI-Aktien nicht übermäßig stark, auch wenn jeder Zyklus naturgemäß anders sei (siehe nächster Chart). Klar positiv bewertet man dabei, dass die „Magischen Acht“ deutlich besser aufgestellt seien als die Unternehmen der um 2000 geplatzten Internetblase, bei der unprofitable Unternehmen mit Frühphasen-Geschäftsmodellen und nur schwacher Kapitalausstattung im Mittelpunkt standen.

Alles in allem kommt man hinsichtlich der Erstrundenprofiteure zu einem überwiegend positiven Urteil, da es sich um hochprofitable, Cash generierende und etablierte Unternehmen mit hoher Innovationskraft handele. Deren starke Marktpositionierung bilde eine solide Grundlage, um KI-basierte Produkte und Dienstleistungen nicht nur erfolgreich zu entwickeln, sondern auch global zu vermarkten und damit den Wettbewerbsvorsprung weiter auszubauen. Dennoch müssten die US-Technologie-Unternehmen mit erwirtschafteten Gewinnen, welche auf KI-Produkte zurückzuführen seien, zeigen, dass sie die Erwartungen der Anleger tatsächlich erfüllen können.

Zweitrundenprofiteure – KI gewinnbringend anwenden

Ob aus dem KI-Hype ein neuer Megatrend wird, hängt nicht nur von den Anbietern von KI-Lösungen ab (Erstrundenprofiteure), sondern laut Commerzbank auch von den Unternehmen, die die KI-Lösungen einsetzen (Zweitrundenprofiteure). Dabei geht es um die Implementierung von KI-Funktionalitäten in bestehende und neue Produkte und Dienstleistungen. Die folgenden Beispiele lassen gemäß Becker erahnen, welchen breiten Einsatz KI in den Unternehmen finden dürfte:

So testet Mercedes-Benz die KI-Software ChatGPT in der Produktion. Nach Angaben des Unternehmens können Mitarbeiteranfragen durch den digitalen Dialog mit dem Chatbot bearbeitet werden. Dies trägt dazu bei, die Fehlersuche zu beschleunigen und die Qualitätssicherung zu optimieren.

Im Güterverkehr setzt die Deutsche Bahn zukünftig verstärkt auf KI. Mithilfe von sogenannten Kamerabrücken werden Güterzüge gescannt. Auf Grundlage der Daten können von der KI erkannte Schäden effizienter und zügiger repariert werden.

KI wird vermehrt in Wirtschaftskanzleien eingesetzt. KI-gestützte Lösungen kommen besonders bei der Verarbeitung umfangreicher Datenmengen, der automatisierten Dokumentenanalyse und der Vorbereitung von Gerichtsverfahren zum Einsatz. Sogar Massenverfahren, bspw. wie die juristische Aufarbeitung des Dieselskandals mit Hunderttausenden ähnlichen Klagen können schneller und oft effektiver bearbeitet werden.

Aus Sicht der Commerzbank erlangen die Zweitrundenprofiteure aber ihre wahre Bedeutung dadurch, dass sie Treiber von Innovationen sind und damit sowohl gänzlich neue Produkte und Dienstleistungen als auch Geschäftsmodelle und - sektoren kreieren können. Denn wer hätte gedacht, dass das Smartphone nicht nur die Art, wie wir kommunizieren, verändert (etwa Videotelefonie), sondern Applikationen wie Uber oder Lieferando massive Auswirkungen auf die Taxibranche und Restaurants haben?

Um KI schnell nutzen zu können, dürften die Unternehmen aufgrund der bereits hohen Durchdringung mit Cloudapplikationen zumindest am Anfang auf mietbare Applikationen zurückgreifen, so genannte „KI-as-a-Service (KaaS)“. Sobald diese KI-Applikationen die Marktreife erlangen, ist aus Sicht von Becker von einem wahrnehmbaren Einfluss auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen innerhalb von 18 Monaten auszugehen.

Fazit: KI ist ein neuer Megatrend ...

Insgesamt steht die Commerzbank KI als neuem Megatrend positiv gegenüber. KI befindet sich zwar noch in einer frühen Phase, lässt aber bereits erahnen, dass sie disruptiv ist, in den Unternehmen breiten Einsatz finden wird und viele Folgeinnovationen auslösen dürfte, so das Urteil.

Wie es weiter heißt, bedarf aber aus Kapitalmarktsicht die bislang von wenigen großen US-Technologie-Unternehmen (Erstrundenprofiteure) getragene KI-Kurshausse einer Validierung. Unter den höher kapitalisierten Unternehmen im DAX und MDAX finden sich der Einschätzung zufolge zwar keine ausgewiesenen KI-Erstrundenprofiteure. Allerdings geht Becker davon aus, dass es eine Vielzahl von Zweitrundenprofiteure außerhalb des IT-Sektors geben wird, die von KI positiv beeinflusst werden.

Neue „intelligente“ Produkte und Dienstleistungen für private und kommerzielle Anwendungsgebiete werden den Markt in den nächsten Monaten erreichen und – die Marktreife der Applikationen vorausgesetzt – geht man in einem optimistischen Szenario von einem wahrnehmbaren Einfluss auf die Geschäftsmodelle der Unternehmen innerhalb von 18 Monaten aus.

... aber bitte mit Sicherheit

Allerdings sei eine Voraussetzung dafür der rechtskonforme und sichere Einsatz von KI. Die treibenden Kräfte hinter der KI-Entwicklung, etwa der Gründer von OpenAI und Entwickler von ChatGPT, Sam Altman, hätten sich für eine Regulierung von KI ausgesprochen. Bereits im März hatten sich demnach in einem offenen Brief rund 1.000 IT-Experten und Forscher für eine temporäre Pause bei der Entwicklung von KI ausgesprochen. Vor diesem Hintergrund wolle etwa die EU mit einem Gesetzentwurf („AI Act") einen ethischen und rechtssicheren Rahmen schaffen.

Neben grundlegenden Themen wie Daten- und Quellenschutz sei das Verständnis wichtig, dass KI naturgemäß ein ethischer und moralischer Kompass fehle. KI könne wie ein Mensch durch falsche Daten und unpräzise Zusammenhänge in die Irre geleitet werden. Insofern müsse geklärt werden, in welchen Bereichen und in welchem Umfang KI eingesetzt und wie die Nutzung zur gezielten Desinformation unterbunden werden könne. Wichtig sei allerdings, bei der notwendigen Regulierung von KI nicht nur die Risiken, sondern auch die großen wirtschaftlichen Chancen zu sehen. Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, so Becker.


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