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Oatly korrigiert nach IPO – Wann lohnt sich der Einstieg in die Hafermilch-Aktie?

Aktienanalysen Jonas Hofmann 1.093 Leser

Liebe Leser,

das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung und einen klimafreundlichen Lebensstil ist zuletzt bei vielen Menschen gestiegen. Auch in Zukunft dürfte dieser Trend durch die wachsende politische und gesellschaftliche Nachfrage an Bedeutung zunehmen, denn die Rufe nach Klimaschutz, artgerechter Tierhaltung und einer CO2-neutralen Lebensweise werden immer lauter.

Ein Unternehmen, dass von dieser Entwicklung profitiert, ist Oatly (ISIN: US67421J1088). Das schwedische Unternehmen entwickelt und produziert Nahrungsmittel auf Haferbasis und bietet somit pflanzliche Ersatzprodukte für herkömmliche Kuhmilchprodukte an.

Im Mai 2021 feierten die Schweden ihren IPO an der NASDAQ. Seitdem ging es jedoch stetig bergab. Nachdem sich nun eine Bodenbildung abzeichnet, stellt sich die Frage, ob sich ein Einstieg in die Aktie lohnen könnte.

Hafer – steigende Nachfrage nach dem umweltfreundlichen Superfood


Der Erfolg von Oatly ist im Wesentlichen auf das steigende Bewusstsein für die Ernährung sowie auf den nachhaltigen Fokus des Unternehmens zurückzuführen. Dabei sind die Nahrungsmittel von Oatly als Ersatz für herkömmliche Kuhmilchprodukte gleich bei mehreren Zielgruppen beliebt. Insbesondere jüngere Konsumenten greifen beim Einkauf immer häufiger zur Hafermilch statt zur Kuhmilch.

Menschen mit einer veganen oder vegetarischen Lebensweise konsumieren ausschließlich Lebensmittel, die Schlachtung oder Ausbeutung von Tieren hergestellt werden können. Da Milchprodukte wie beispielsweise Käse, Quark, Joghurt und Butter in unserer Ernährung eine zentrale Rolle eingenommen haben, steigt beim Verzicht auf tierische Produkte die Nachfrage nach Ersatzprodukten auf Basis von Soja, Mandel oder eben Hafer.

Aufgrund des hohen Eiweißanteils sind die Nahrungsmittel aus Haferflocken zudem ein sehr beliebtes Produkt für Sportler und Menschen mit Fokus auf eine gesunde Ernährung. Hafermilch enthält – im Gegensatz zu Kokos- oder Mandelmilch – kaum Kalorien und rückt daher auch für Menschen auf Diät verstärkt in den Fokus.

Eine weitere Zielgruppe von Oatly sind Allergiker sowie Menschen mit einer Laktose-Unverträglichkeit. Diese Menschen wollen häufig nicht freiwillig auf Milchprodukte verzichten, sondern werden von ihrem Körper gezwungen. Sie suchen einen Milchersatz, der möglichst nah an den Geschmack von Milch herankommt.

Die Hafermilch von Oatly verspricht genau das und erfreut sich daher immer größerer Beliebtheit. Da der Geschmack von Hafermilch im Vergleich zu Sojamilch, Reismilch oder Kokosmilch als weniger dominant gilt, ziehen viele Menschen die Hafermilch gegenüber anderen Ersatzprodukten im Kaffee oder Müsli vor. Hafermilch lässt sich sehr gut aufschäumen und eignet sich daher auch für Milchschaum in Kaffeegetränken.

Schwedische Forscher entwickeln Alternative für Laktoseintoleranz


Der Gründer von Oatly ist der schwedische Forscher Rickard Öste. Ausgangspunkt für seine Forschungen war es, eine Lösung für Menschen mit Laktoseintoleranz zu entwickeln. Laktose bzw. Milchzucker ist ein Kohlenhydrat, das in natürlicher Kuhmilch vorkommt. Um den Milchzucker zu verdauen und in seine Bestandteile aufzuspalten, wird das Enzym Laktase benötigt. Wenn im Körper nicht genügend Laktase vorhanden ist, wird die Verdauung gestört. Man spricht dann auch von einer Laktoseintoleranz.

Öste erkannte, dass es mithilfe eines anderen Enzyms möglich ist, Hafer aufzuspalten und somit eine flüssige Hafermilch zu gewinnen. Da für die Verdauung der Hafermilch keine Laktase benötigt wird, eignet sich das Produkt auch für Menschen mit einer Laktoseintoleranz.

Für den Vertrieb der eigens entwickelten Hafermilch wurde 1994 das Unternehmen „Ceba Foods“ gegründet. Bereits im Jahr 2001 benannte sich das Unternehmen in „Oatly“ um und heißt seitdem wie die heutige Marke, die in den Cafés und Supermarktregalen immer mehr an Beliebtheit gewinnt.

Hafermilch und viele weitere Produkte


Über die Zeit erweiterte Oatly sein Sortiment um zusätzliche Hafermilch-Produkte. Durch den innovativen technischen Fortschritt kann Oatly inzwischen eine große Bandbreite des Molkereiportfolios abdecken. Neben Milch gehören auch Eiscreme, Joghurt, Kochcremes, Frischkäse und Getränke für unterwegs zum Sortiment der Schweden.

Oatly Produktsortiment

Stetig wachsendes Produkt-Portfolio von Oatly (Quelle: oatly.com)

Balanceakt zwischen Wachstum und sozialer Verantwortung


Seit 2012 wird Oatly vom schwedischen CEO Toni Petersson geführt. Petersson konzentriert sich besonders auf das weitere Wachstum von Oatly und gewann hierfür finanzielle Investoren, zu denen unter anderem auch Ophrah Winfrey und Jay-Z zählen. Kritik musste der CEO hingegen für die Beteiligung durch Blackstone einstecken. Viele Kunden von Oatly sahen in der Beteiligung des Finanzinvestors einen Verrat an den eigenen Idealen und verurteilten den kapitalistischen Wall-Street-Deal in den sozialen Netzen scharf.

Inzwischen haben sich die Aufregungen jedoch wieder gelegt und mit dem IPO an der NASDAQ im Mai 2021 vollzog Oatly einen weiteren wichtigen Schritt, um finanzielle Mittel für die Internationalisierung und weiteres Wachstum aufzunehmen.

Trotz der Wachstumsbestrebungen achten die Schweden jedoch verstärkt auf das eigene Image als nachhaltiges Vorzeigeunternehmen. Mit einer Vielzahl an sozialen Projekten und einem breiten Engagement gibt sich Oatly große Mühe, den hohen Ansprüchen der eigenen Kunden zu mehr Klimaschutz, sozialer Gerechtigkeit und Tierschutz gerecht werden. Das Board of Directors kontrolliert zudem, ob die selbst gesteckten Anforderungen für eine ethische und verantwortungsbewusste Unternehmensführung durch die Mitarbeiter und das Management eingehalten werden.

Somit scheint es Petersson zu gelingen, den Balanceakt zwischen der Finanzierung des weiteren Wachstums und der gleichzeitigen Ausrichtung hin zu einem nachhaltigen und umweltbewussten Unternehmen zu meistern.

Da für die Oatly-Kunden die Faktoren Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung eine große Rolle spielen, hat sich Oatly über viele Jahre ein sozialverträgliches Markenimage aufgebaut, das sich potentielle Konkurrenten erst erarbeiten müssten.

Oatly ist Marktführer in einem schnell wachsenden Zukunftsmarkt


Die Marke Oatly ist bei Lebensmitteln auf Haferbasis globaler Marktführer. Inzwischen vertreibt Oatly mit Hauptsitz im schwedischen Malmö seine Produkte in über 20 Ländern auf der ganzen Welt. Das Ende des Wachstumspfades sieht der CEO Petersson jedoch noch lange nicht erreicht.

Dabei profitiert das Unternehmen von einer allgemein steigenden Nachfrage nach pflanzlichen Ersatzprodukten. Seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass immer mehr Menschen ihre Ernährung umstellen und versuchen, auf den Konsum tierischer Produkte zu verzichten.

In der Folge stieg die Nachfrage nach veganen Ersatzprodukten in den letzten Jahren stetig an. In den Supermarktregalen stößt man immer häufiger auf Erbsen-Burger, vegetarische Nuggets sowie vegane Wurst- und Käseaufschnitte. Beim Blick in das Milchregal wird deutlich, dass dieser Trend zunehmend auch auf Milchprodukte übergreift und inzwischen eine große Auswahl an Sojamilch, Reismilch, Kokosmilch und auch an Hafermilch verfügbar ist. Bis 2026 wird ein durchschnittliches Marktwachstum für vegane Nahrungsmittel von über 9% prognostiziert auf bis zu 24 Mrd. USD.

Marktprognose für vegane Nahrungsmittel

Marktprognose für vegane Nahrungsmittel (Quelle Grafik: visualcapitalist.com)

Von der steigenden Nachfrage nach veganen Produkten dürfte Oatly in den kommenden Jahren weiter profitieren. Da die veganen Ersatzprodukte bei Konsumenten immer beliebter werden, ergänzen mittlerweile auch traditionelle Nahrungsmittelproduzenten ihr Sortiment mit alternativen Produkten, sodass sich Oatly in den kommenden Jahren auf eine zunehmende Konkurrenz durch andere Produzenten einstellen muss.

Um die Leader-Position zu festigen und weiter auszubauen, konzentriert sich Oatly jedoch bereits jetzt auf Kooperationen mit Vertriebspartnern. Die Schweden versuchen, die eigenen Produkte im Markt weiter zu verbreiten. Im April 2021 gab Oatly beispielsweise eine Kooperation mit Starbucks bekannt, die den Vertrieb der Hafermilch-Produkte in den Café-Filialen vorsieht.

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Wachstumstreiber Nachhaltigkeit und Klimawandel


Aufgrund der vorteilhaften Produktion von Hafermilch dürfte Oatly in den kommenden Jahren weiter stark vom Megatrend Klimaschutz profitieren. Darüber hinaus wächst für viele Menschen das Bewusstsein für gesunde Ernährung und artgerechte Tierhaltung. Besonders die jüngere Generation achtet zunehmend auf das Wohl der Tiere und die Klimabilanz des eigenen Konsums.

Da Viehhaltung als einer der größten Klimaschädlinge gilt, sehen viele Menschen im Verzicht auf tierische Produkte eine Möglichkeit zur Leistung des persönlichen Beitrags gegen den Klimawandel. Im Vergleich zur Milchproduktion sind bei der Herstellung von Hafermilch massive Einsparungen von CO2, Weidefläche und Energie möglich. Durch den Verzicht auf Kuhställe und Viehhaltung kann die Energiebilanz für die Milchproduktion deutlich aufgebessert werden.

Quartalszahlen unterstreichen starkes Wachstum


Die letzten Quartalszahlen von Oatly aus dem August 2021 zeigen, dass sich das Unternehmen bei seinen Wachstumszielen auf einem guten Weg befindet. Im Quartalsbericht gab Oatly bekannt, dass man sich über einen neuen Rekordumsatz von 528 Mio. USD freuen darf. Gegenüber dem Q2-Umsatz 2018 bedeutet dies einen durchschnittlichen Anstieg von +82% pro Jahr. Der Bruttoertrag stieg um durchschnittlich 58% pro Jahr.

Quartalszahlen Oatly

Starkes Wachstum bei Umsatz und Bruttoertrag (Quelle: OATLY Financial Presentation August 2021)

Zudem konnten mit KFC, McDonalds und Walmart neue namhafte Vertriebspartner gewonnen werden, die bei der weiteren Verbreitung des Produkts helfen werden. Insbesondere im asiatischen Markt möchte man zukünftig den Umsatz deutlich ausweiten, da hier noch großes Potential seitens Oatly erwartet wird.

Auf Basis des Gesamtumsatzes 2020 ist die Aktie jedoch noch immer mit einem KUV von über 18 sehr teuer bewertet. Gewinne werden auf absehbare Sicht nicht erzielt, da die Profitabilität dem Wachstumskurs untergeordnet wird.

Schwache Kursperformance seit dem IPO und hohe Bewertung


Schaut man sich den Chart von Oatly an, fällt auf, dass sich die Aktie seit Mitte Juni 2021 in einem Abwärtstrend befindet und zwischenzeitlich über 40% verloren hat. Dabei dürfte die hohe Bewertung der maßgebliche Grund für die letzten Kursverluste sein.

Zudem tauchten zuletzt Vorwürfe auf, dass Oatly das Marktpotential zu positiv dargestellt habe und die Erwartungen hinsichtlich des zukünftigen Wachstums möglicherweise nicht erfüllen könne. Sicher wird man diese Behauptungen jedoch erst in den nächsten Jahren verifizieren können.

Derzeit kämpft die Aktie jedoch gegen weitere Kursverluste. Noch zeichnet sich kein eindeutiges Anzeichen für eine Bodenbildung ab. Wenn die Marke bei etwa 13,50 EUR hält, könnte eine Erholung bevorstehen. 

Wann ist die Bodenbildung bei Oatly erreicht?

Fazit: Hohe Bewertung und großes Wachstumspotential


Oatly profitiert als nachhaltiger Lebensmittelproduzent vom zunehmenden Fokus auf Nachhaltigkeit und Gesundheit. Die steigende Nachfrage nach Hafermilch führte in den letzten Jahren zu einem konstant hohen Umsatzwachstum und dürfte auch die kommenden Jahre weiter deutlich anziehen.

Bezogen auf den aktuellen Börsenwert von 10,8 Mrd. USD handelt es sich bei Oatly noch um ein eher kleines Börsen-Unternehmen. Misst man den derzeitigen Umsatz am Potential des gesamten Molkereimarkts, dürfte in den kommenden Jahren noch viel Wachstumspotential für Oatly vorhanden sein.

Die Aktie aus dem Anlagetrend Vegane Ernährung bietet für die Zukunft viel Phantasie. Investoren sollten die Aktie auf ihre Watchlist setzen und einen nachhaltigen Bruch des Abwärtstrends abwarten.

 

Ich wünsche euch für euer Handeln an den Kapitalmärkten viel Erfolg!

Bis zum nächsten Mal

Jonas Hofmann

 

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