aktien Magazin

Pivotal News Points im heftig abgestraften amerikanischen Software-Sektor. Diese Aktien gehören auf die Watchliste!

Artikel, Aktienanalysen Marius Müllerhoff 90 Leser

Der US-Software-Sektor hat in den letzten gut sechs Monaten aufgrund der Gefahr von KI und damit verbundenen Geschäftseinbußen massiv Federn gelassen. Der korrespondierende Software-ETF mit dem Tickersymbol IGV ist in diesem Zeitraum gut 35 % eingebrochen (mehr dazu siehe: https://aktienmagazin.de/blog/aktienanalysen/technisches-kaufsignal-beim-us-software-etf-haben-wir-die-tiefstande-i-170207.html ). Allerdings hat der Markt nicht alle Softwareaktien gleich hart abgestraft. Einige können sich dank Pivotal News Points mit relativer Stärke hervorheben und könnten die großen Gewinner unter den Softwareaktien sein.

Twilio – +24 % Gap Up und neues 4 Jahreshoch dank deutlich besser als erwarteter Quartalszahlen


Twilio (TWLO) ist eines jener Technologieunternehmen, die im Hintergrund wirken und dennoch das digitale Alltagsleben prägen. Wenn ein Unternehmen per Kurznachricht einen Lieferstatus verschickt, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung auslöst oder einen automatisierten Kundenanruf durchführt, steckt häufig Twilio dahinter. Das Unternehmen wurde 2008 in San Francisco gegründet und ging 2016 an die New Yorker Börse NYSE.

Das Geschäftsmodell basiert auf einer cloud-nativen Kommunikationsplattform, über die Unternehmen ihre Kundenkommunikation per Programmierschnittstelle steuern. Das Kernangebot sind Kommunikationsdienste wie Sprache, Kurznachricht und E-Mail, die Entwickler direkt in ihre Anwendungen einbinden können. Zweitwichtigstes Standbein ist „Twilio Verify“. Hierbei handelt es sich um einen Service zur Identitätsprüfung in Echtzeit. Ergänzt wird das Angebot durch KI-gestützte Sprachfunktionen, sogenannte Voice-AI-Lösungen, deren Umsatz im abgelaufenen Quartal um über 60 % stieg.

Der Markt sieht Twilio zunehmend als grundlegende Infrastrukturschicht für KI-Agenten, die Kundengespräche automatisiert führen und dabei Gedächtnis, Kontext und mehrere Kommunikationskanäle gleichzeitig nutzen. Die übergeordnete „Story“ lautet: Twilio wandelt sich vom Kanal-Anbieter zum KI-Betriebssystem für Kundenkommunikation.

Die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen vom 30. April 2026 übertrafen die Erwartungen der Analysten auf ganzer Linie und elektrisierten damit die Märkte. Der Umsatz im ersten Quartal 2026 stieg um 20 % gegenüber dem Vorjahresquartal auf 1,41 Milliarden US-Dollar und lag damit über der Analystenerwartung. Es war das stärkste organische Wachstum seit 2022. Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug 1,50 US-Dollar und übertraf damit die Analystenerwartung von 1,27 US-Dollar. Das bereinigte Betriebsergebnis erreichte einen neuen Rekordwert. Zusätzlich hob das Management die Jahresziele spürbar an. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Twilio nun ein Umsatzwachstum von 14 bis 15 %, gegenüber der bisherigen Spanne von 11,5 bis 12,5 %.

Der Aktienchart sieht sehr bullisch aus. Am vergangenen Freitag, dem 01. Mai, eröffnete die Aktie mit einem Gap Up von 20 % und schloss den Tag knapp 24 % im Plus. Sie markierte damit ein neues vier Jahreshoch. Der ideale Zeitpunkt um einzusteigen war am Freitag zur Eröffnung. Mutige Trader können auf dem Schlusskursniveau vom Freitag eine Position eröffnen.

Twilio Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Atlassian - Der Teamwork-Spezialist mit +20 % Gap Up dank hervorragender Quartalszahlen


Atlassian Corporation (TEAM) ist ein spannender Software-Konzern an der Nasdaq, der seinen Ursprung in Syndey im Jahr 2002 hatte. Seitdem hat es sich zur weltweit führenden Plattform für Teamarbeit und Projektsteuerung entwickelt. Heute beschäftigt Atlassian über 11.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im zuletzt abgeschlossenen Geschäftsjahr 2025 einen Gesamtumsatz von 5,2 Milliarden US-Dollar.

Das Kernprodukt Jira ist ein Werkzeug zur Fehler- und Aufgabenverwaltung, das vor allem bei Software-Entwicklungsteams unverzichtbar ist. Das Produkt Confluence dient als unternehmensinternes Wissensmanagementsystem, in dem Teams gemeinsam Dokumente erstellen und verwalten. Ein weiteres Produkt trägt den Namen Jira Service Management. Es richtet sich an IT-Abteilungen und ist inzwischen zu einem ernst zu nehmenden Wettbewerber für klassische IT-Servicemanagement-Anbieter geworden. Der wiederkehrende Umsatz aus Cloud-Abonnements macht mittlerweile den Großteil der Einnahmen aus und wächst am schnellsten.

Das übergeordnete Marktthema für Atlassian ist die KI-gestützte Teamarbeit. Unternehmen weltweit investieren massiv in Plattformen, die menschliche Zusammenarbeit mit künstlicher Intelligenz verknüpfen. Atlassians KI-Produkt Rovo verzeichnet laut Management monatlich über 20 % Nutzungswachstum, was auf eine rasch steigende Nachfrage hindeutet.

Die zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen vom 30. April 2026 zeigten einen Umsatz von 1,79 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 32 % gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,75 US-Dollar und übertraf damit die Analystenerwartung von 1,32 US-Dollar deutlich. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management ein Umsatzwachstum von rund 24 % gegenüber dem Vorjahr. Bemerkenswert ist zudem, dass Atlassian nach eigenen Angaben sein bisher stärkstes Quartal bei der Verdrängung von Wettbewerbern im IT-Servicemanagement verbuchen konnte. Dies ist ein markantes Signal für die Wettbewerbsstärke der Plattform.

Gleichzeitig muss betont werden, dass die Aktie in den letzten 15 Monaten heftig abverkauft wurde. Vom Hoch im Februar 2025 bei 326 US-Dollar verlor sie über 80 % % an Wert und fiel auf 56 US-Dollar Mitte April. Die Quartalszahlen vom Freitag könnten jedoch die Umkehr eingeleitet haben. Denn sie führten zu einem Gap Up von 20 %. Die Aktie schloss den Tag letztlich 30 % im Plus. Das war sehr bullisch!

Die Aktie befindet sich zwar noch unterhalb des wichtigen gleitenden 200 Tagedurchschnitts (GD), allerdings liegt sich über anderen wichtigen GDs, wie dem 10 GD, dem 21GD und dem 50GD. Risikofreudige Trader eröffnen eine Position auf dem Schlusskursniveau vom Freitag eröffnen. Alternativ bietet es sich an, auf eine Konsolidierung zu warten und dann den Ausbruch aus dieser Konsolidierung zu handeln.

Atlassian Wachstumscheck

Quelle: Wachstums-Check TraderFox

Weitere Aktien für die Watchliste für diese Woche


In dieser Woche gibt es weitere Software-Aktien, die Quartalszahlen liefern werden und sich bereits vor den Zahlen mit relativer Stärke hervorheben.

Datadog (DDOG) wurde 2010 gegründet und ist heute die führende Software-as-a-Service-Plattform für Systembeobachtung und Cloud-Sicherheit. Das Unternehmen verdient über nutzungsabhängige Preismodelle: Kunden zahlen für Infrastrukturüberwachung, Anwendungsleistungsmessung, Protokollverwaltung und Sicherheitstools innerhalb einer einheitlichen Plattform. Das Modell setzt stark auf eine „Einstieg und Ausweitung"-Strategie, bei der Kunden zunächst wenige Produkte nutzen und im Laufe der Zeit auf weitere umsteigen. Der Markt spielt Datadog als den zentralen „Nervenstrang" der KI-Ära: Je mehr Unternehmen KI-Anwendungen in Produktion bringen, desto dringender brauchen sie Werkzeuge zur Überwachung dieser komplexen Systeme. Am 07. Mai wird das Unternehmen die nächsten Quartalszahlen berichten.

DigitalOcean (DOCN) wurde 2011 gegründet und hat sich als Cloud-Anbieter für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Entwickler-Teams etabliert. Das Geschäftsmodell basiert auf einfachen, bezahlbaren Cloud-Diensten wie virtuellen Servern, verwalteten Datenbanken und seit der Übernahme von Paperspace im Jahr 2023 auch auf Grafikprozessor-Infrastruktur für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Der Markt spielt aktuell die Story vom „demokratisierten KI-Zugang": DigitalOcean bietet seine Rechenkapazität für KI-Anwendungen bis zu 75 Prozent günstiger an als die großen Hyperscaler. Das machts das Unternehmen besonders für budgetbewusste Start-ups und Entwickler attraktiv. Der Chart sieht extrem bullisch aus. Die Aktie hat am Freitag ein neues Allzeithoch markiert. Die nächsten Quartalszahlen sollen am 05. Mai vorgelegt werden.

Fastly (FSLY) wurde ebenfalls 2011 gegründet und betreibt eine programmierbare Randnetz-Cloud-Plattform („Edge Cloud“), die Inhalte und Anwendungen schneller und sicherer an Endnutzer ausliefert. Das Geschäftsmodell basiert auf nutzungsabhängigen Einnahmen: Kunden zahlen nach verarbeitetem Datenvolumen und Anzahl der Anfragen. Die drei Kerndienste sind Inhaltsauslieferung, Anwendungssicherheit und Rechenleistung am Netzrand. Der Markt spielt aktuell eine Neupositionierung: Fastly hat sich von einem Nischenanbieter für Inhaltsauslieferung zu einer Infrastrukturschicht für die sogenannte „agentische KI" gewandelt, bei der KI-Modelle ihre Berechnungen möglichst nah am Nutzer ausführen. Die letzten Quartalszahlen vom Februar führten zu einem massiven Gap Up von 45 %. Die nächsten Quartalszahlen sollen am 06. Mai präsentiert werden.

RingCentral (RNG) ist eines der bekanntesten Unternehmen im Bereich cloudbasierter Unternehmenskommunikation. Das Kerngeschäft besteht aus cloudbasierter Telefonie, Videokonferenzen und Kontaktzentrum-Software (Englisch: Contact Center Software), also eine Softwarelösung, die Unternehmen dabei hilft, die Kommunikation mit ihren Kunden zentral über verschiedene Kanäle hinweg zu verwalten. RingCentral verkauft Software-Abonnements. Der Umsatz stammt zu 95 Prozent aus wiederkehrenden Abonnements. Die Story, die der Markt spielt, ist, dass sich das Unternehmen zunehmend im Bereich KI-gestützter Kommunikation positioniert: Mit Produkten wie dem sogenannten "AI Receptionist" (einem KI-gesteuerten virtuellen Empfang) und RingCX, einer Kontaktzentrum-Lösung, versucht RingCentral, sich gegenüber großen Wettbewerbern zu behaupten. Die letzten Quartalszahlen vom Februar führten zu einem Gap Up von knapp 20 %. Die nächsten Quartalszahlen werden am 07. Mai erwartet.

 


Bildherkunft: AdobeStock_254412496