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Portfoliocheck: Coupang ist der neue Star in Stanley Druckenmillers Portfolio

Portfoliocheck Michael C. Kissig 1.763 Leser

Ausnahme-Investor Stanley Druckenmiller glänzt mit einer durchschnittlichen Rendite von mehr als 30 Prozent pro Jahr und musste seit 30 Jahren in fast keinem Jahr mit einem Verlust abschließen. Eine solche atemberaubende Erfolgsrendite hat kaum ein anderer Investor vorzuweisen, schon gar nicht über so einen langen Zeitraum hinweg. Dass Druckenmiller Anlageentscheidungen mehr als einen Blick wert sind, liegt auch daran, dass es der Uni-Abbrecher geschafft hat, aus ärmlichsten Verhältnissen heraus ein enormes Vermögen anzuhäufen, das Forbes auf mehr als 4,5 Milliarden Dollar schätzt.



Seine Karriere an den Finanzmärkten startete Stanley Druckenmiller ganz klassisch bei der Pittsburgh National Bank, wo er 1977 als Öl-Analyst anheuerte. Sein makroökonomisches Talent fiel dort schnell positiv auf und binnen eines Jahres stieg er vom Trainee zum Chef der Research-Abteilung auf. Bereits 1981 gründete der damals 28-jährige seinen eigenen Hedge Funds Duquesne Capital, den er neben seinen Tätigkeiten bei der Pittsburgh National Bank leitete.

Als rechte Hand von Wall Street-Legende George Soros, mit dem er gemeinsam gegen das britische Pfund wettete und am Ende die britische Notenbank in die Knie zwang, erlangte Druckenmiller besondere Aufmerksamkeit. Soros verdiente hierbei Milliarden, was dessen Ruf als Star-Investor mit begründete.

Wie Soros auch, verfolgt Stanley Druckenmiller einen sehr fokussierten Investmentansatz. Er platziert nur einige wenige Wetten, aber wenn er sich sicher ist, dann setzt er in großem Stil.

Druckenmiller verließ Soros Team 2010 und managt seitdem ausschließlich sein eigenes Kapital; er schloss seinen Hedgefonds für Außenstehende. Zu unserem Vorteil ist er nach den Regeln der amerikanischen Börse dennoch weiterhin dazu verpflichtet, vierteljährlich über die 13-F-Formulare seinen Bestand an amerikanischen Wertpapieren offenzulegen.

Top Transaktionen im 3. Quartal 2021


Stanley Druckenmiller war wieder sehr aktiv und kommt auf eine Turnoverrate von 17 Prozent. Unter seinen nun 49 Positionen finden sich 12 Neuaufnahmen. Er steht dem Gesamtmarkt zunehmend skeptisch gegenüber und geht von einer bevorstehenden starken Korrektur aus. Seinen Portfoliowert hat er daher seit dem Jahresanfang sukzessive reduziert und Cash aufgebaut. Ende des ersten Quartals lagen seine Aktienpositionen noch bei 3,9 Milliarden Dollar, Ende September waren es nun noch 3,1 Milliarden.

Die stärkste Auswirkung auf Druckenmillers Portfolio hatte die annähernde Halbierung seiner lange Zeit dominierenden Microsoft-Position. Hier hatte er bereits im Vorquartal rund ein Drittel seiner Aktien abgestoßen.

Vollständig getrennt hat er sich von BNPL-Anbieter Affirm sowie von Motorenhersteller Cummings. Streamingking Netflix war erst im Vorquartal neu im Depot aufgetaucht und flog nun wieder raus; ein kurzes Gastspiel.

Reduziert hat Druckenmiller seine Positionen von Carvana um 62 Prozent; hier hatte er im ersten Quartal seinen Bestand halbiert, dann im zweiten Quartal wieder um 70 Prozent erhöht. Reduzierungen gab es darüber hinaus bei T-Mobile US um 34 Prozent und bei Palantir um 59 Prozent.

Massiv aufgestockt hat Druckenmiller bei Südkoreas Ecommerce-Leader Coupang. Hier war er im ersten Quartal massiv eingestiegen und nach einer leichten Anteilsreduzierung im zweiten Quartal stockte Druckenmiller in den starken Kursabsturz hinein um knapp 48% auf.

Ebenfalls auf der Einkaufsliste stand die Google-Mutter Alphabet, bei der er nach der Verdreifachung seiner Position im zweiten Quartal nun weitere 28,5 Prozent aufstockte.

Top Portfolio-Positionen Ende des 3. Quartals 2021


Der „digitale Fußabdruck“ in Druckenmillers Portfolio schrumpft weiter; inzwischen sich die Technologiewerte mit einem Anteil von 20,4 Prozent auf Rang drei zurückgefallen. Die zyklischen Konsumwerte stellen mit einem weiteren deutlichen Zuwachs und einem Gewicht von 43,7 Prozent nun den mit Abstand stärksten Sektor vor Communication Services mit 21,4 Prozent.

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Coupang hat seinen Spitzenplatz deutlich ausgebaut und kommt nun auf 14 Prozent. Dahinter liegt mit Amazon ein weiteres auf Onlinehandel spezialisiertes Plattformunternehmen, so dass die Gewichtung der beiden von zusammen rund einem Viertel Druckenmillers optimistische Einschätzung der Branche zeigt.

Neu auf Rang drei ist Alphabet, die durch die erneute Aufstockung nun ebenfalls über zehn Prozent Gewichtung kommen.

Starbucks folgt mit 7,5 Prozent vor der reduzierten Microsoft, die es mit 7,1 Prozent nur noch auf Rang fünf schafft. Und auch das nur, weil der Kurs unbeirrt und stetig immer weiter ansteigt. Ansonsten hätte sich vermutlich auch noch Cybersecurity-Spezialist Palo Alto Networks am Windows-Konzern vorbeigeschoben.

Auf Platz sechs folgt der Kupfer-König Freeport-McMoRan mit 5,1 Prozent vor Expedia mit 4,9, T-Mobile US mit 3,6 und Expedia-Konkurrent Booking Holdings mit 3,4 Prozent. Druckenmillers positive Einschätzung zu Reiseportalen wird durch seine Airbnb-Position, die es auf 2,7 Prozent Gewichtung bringt, abgerundet.

Im Fokus: Coupang


Während die USA und vor allem Europa nur moderat wachsen werden, zählt Südostasien zu den Wachstumsregionen der Zukunft. Einerseits weil die Bevölkerung schneller wächst, aber auch aufgrund von Aufholeffekten in Sachen Wohlstand. Immer mehr Menschen steigen aus den ärmeren Bevölkerungsschichten in den Mittelstand auf und damit wächst auch ihre Nachfrage nach Konsumgütern.

Anders an in den etablierten Gesellschaften (USA, Europa, Australien) haben in den aufstrebenden Regionen viele Menschen jedoch kein Konto und noch nicht einmal den Zugang zu Bankdienstleistungen. Hier sind Smartphone und/oder Internetzugang der „normale“ Zugang und die Entwicklungsstufe Bankkonto wird einfach übersprungen. Das bietet Chancen und Risiken.

Risiken für die Etablierten Spieler im Finanzdienstleistungsmarkt, wie Banken. Denn sie haben Schwierigkeiten, ihre Geschäftsmodelle in die Wachstumsregionen auszurollen, weil der Bedarf gar nicht im gewohnten Umfang gegeben ist.

Chancen bieten sich wiederum für FinTechs und innovative Anbieter, die mit neuen Angeboten und Dienstleistungen über die mobilen Kanäle sofort eine große Zahl von Menschen adressieren. Und dabei nicht mit den über Jahrhunderte etablierten Ballast mitschleppen müssen, wie die westlichen Banken. Diese werden auch von Fintechs und neuen Geschäftsmodellen attackiert, während sie gleichzeitig über ausgedehnte und teure Filialnetze und hohe Personalstöcke verfügen. Die älteren Kunden sind an diese Strukturen gewöhnt, während junge Kunden hierin wenig Vorteile sehen – und lieber gleich auf die „hippen“ und agilen neuen Herausforderer setzen.

Südkoreas Marktführer


Coupang ist in Südkorea aktiv ist, einem kleinen Staat mit rund 52 Millionen Einwohnern bei einer Fläche von nur 100.000 Quadratkilometern. Mit 500 Einwohnern je Quadratkilometer gehört Südkorea zu den weltweit am dichtesten besiedelten Staaten. Die Bevölkerung ist technikaffin; so nutzen mehr als 95 Prozent der Südkoreaner ein Smartphone.

Das Unternehmen wurde erst vor zehn Jahren gegründet und zwar mit dem Ziel, eine End-to-End-E-Commerce-Plattform für den südkoreanischen Markt aufzubauen. Die wichtigsten Angebote sind der Rocket Delivery Service und die Rocket Wow-Mitgliedschaft (ähnlich Amazon Prime), die eine Lieferung am selben oder nächsten Tag für Millionen von Artikeln ermöglicht. Während dieses Angebot weitgehend dem von Amazon entspricht, geht Coupang noch einen Schritt weiter und bietet seinen Mitgliedern die sogenannte "Dawn Delivery", ein Programm, das jeden vor Mitternacht bestellen Artikel bis sieben Uhr am nächsten Tag ausliefert. Dabei kommen dem Unternehmen natürlich die hohe Bevölkerungsdichte und die vergleichsweise kurzen Wege entgegen. Aber auch sein sehr gut ausgebautes Logistiknetzwerk.

Logistik als Schlüsselfaktor


Logistik ist ohnehin das Zauberwort, nicht nur im Ecommerce. Die seit Monaten anhaltenden Störungen der weltweiten Lieferketten mit immer häufigeren Produktionsausfällen bei Autoherstellern, Hardwarefirmen wie Apple oder Industriegiganten wie General Electric, zeigen die Schwachstellen schonungslos auf. Und wer hier reibungslose Abläufe und ein jederzeit verfügbares Produktsortiment anbieten kann, steigert die Kundenzufriedenheit deutlich – absolut und auch relativ im Verhältnis zu den Wettbewerbern. Und zufriedene Kunden, die dies im Freundeskreis verbreiten, sind immer noch die effizienteste Art der Werbung. Und auch eine der Preiswertesten.

Coupang ist hier führend und bietet ein beispielloses Logistik-Netzwerk mit schnellsten Lieferzeiten. Daher erreichen nahezu alle Bestellungen binnen 24 Stunden den Kunden. Auf dieser Basis expandiert Coupang inzwischen auch in weitere Bereiche und bietet die Lieferung von Lebensmittel und frischem Essen an.

Coupgang ist inzwischen weit mehr als eine Online-Handelsplattform. Die 15.000 Vollzeit-Lieferfahrer, die Coupangs Last-Mile- Logistiknetzwerk betreiben, versorgen neben der traditionellen E-Commerce-Website auch andere Produkte des Konzerns. Wie Coupang Eats, eine Plattform für die Lieferung von Lebensmitteln, und Rocket Fresh, Lebensmittellieferdienst. Coupang bietet auch MyStore an, das es kleinen Unternehmen ermöglicht, auf Coupang Waren zu verkaufen und Zugang zu seinen 15 Millionen Kunden zu haben. Und schließlich gibt es Coupang Logistics, ein Angebot, das seinen Verkäufern auf der Handelsplattform, den sogenannten Third-Party-Sellern, das volle Fullfilment-Spektrum bietet. Also Lagerung, Bewirtschaftung, Versand von Warenbeständen und das Retourenmanagement.

Neue Märkte im Visier


In den nur zehn Jahren seines Bestehens hat sich Coupang zum Marktführer in Südkorea empor gearbeitet und strebt nun die Expansion in neue Märkte an. Einerseits bietet auch Coupang zusätzliche Services an, um die „User-Experience“ seiner Kunden noch zu vergrößern. Hierzu zählt insbesondere Coupang Pay.

Darüber hinaus expandiert Coupang nun in andere asiatische Länder, wie Singapur und Japan. Beide weisen ähnliche Strukturen auf wie Südkorea: die sind dicht besiedelt und die Technikaffinität der Bevölkerung ist sehr hoch. Dennoch ist dieser Schritt Neuland für das Unternehmen, da man als Angreifer in einen etablierten Markt mit einer Reihe von lokalen und internationalen Wettbewerbern eintritt. In Singapur muss man es dabei mit der äußerst erfolgreichen Sea Limted aufnehmen.

Starkes Wachstum


Coupang wächst schnell, investiert massiv und expandiert in weitere Dienste und Märkte. Der Cashflow steigt dabei sehr schnell, aber Gewinne erzielt das Wachstumsunternehmen bisher noch nicht. Zumindest ist seit letztem Jahr der operative Cashflow ins positive Terrain vorgestoßen.

Coupang steigerte seinen Umsatz in den letzten drei Geschäftsjahren von 4,05 auf 11,97 Milliarden Dollar. Gleichzeitig konnte man die Bruttomarge von 4,7 auf 16,6 Prozent steigern und die operative Marge im selben Zeitraum von -26,0 auf -4,4 deutlich verbessern.

In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres steigerte Coupang seinen Umsatz um 57 Prozent auf 11,94 Milliarden Dollar, während Südkoreas Ecommerce-Markt lediglich um 20 Prozent zulegte. Damit wächst der Marktführ rund anderthalb mal so schnell wie der Gesamtmarkt und zeigt eindrucksvoll seine extrem starke Marktstellung und die Robustheit seines Geschäftsmodells.

Die Zahl der aktiven Kunden legte per Ende September auf Jahressicht um 20 Prozent zu und die Ausgaben je Kunde steigen um 25 Prozent. Der Umsatz wuchs daher im dritten Quartal um 48 Prozent und das Bruttoergebnis sogar um 62 Prozent.

Kursschwäche


Dieses starke Wachstum machte Coupang bei seinem Börsengang im Frühjahr zu einer sehr gefragten Aktie und der Aktienkurs sowie die Bewertung schossen massiv in die Höhe. Doch die Ernüchterung folgte prompt, als zum Sommer hin die Erfolge der Impfkampagnen das Ende der „Online-Herrlichkeit“ vermuten ließen. Inzwischen hat sich diese Einschätzung wieder geändert und wir steuern teilweise wieder auf Lockdowns zu. Corona hat die Welt weiter fest im Griff – doch der Aktienkurs von Coupang notiert nahe am Tiefststand.

Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass Großaktionäre die Chance genutzt und Kasse gemacht haben. Allen voran der japanische Venture Capital Spezialist Softbank Group. Deren mehr als 100 Milliarden Dollar schwere Softbank Vision Fund ist größer Aktionär von Coupang und hat Mitte September ein großes Paket seiner Aktien auf den Markt geworfen. Dabei wurden insgesamt 57 Millionen Aktien verkauft im Gesamtwert von knapp 1,7 Milliarden Dollar.

Das hat den Kurs belastet und schürt die Angst, Softbank könnte sich von weiteren Anteilen trennen. Denn man hält noch immer 511 Millionen Aktien und damit 29,9 Prozent der Anteile. Softbanks Vision Fund ist damit der mit Abstand größte Aktionär von Coupang.

Druckenmillers Coup


Stanley Druckenmiller war bei Coupang bereits vor dem IPO eingestiegen und nach seinem jüngsten Zukauf hält er fast ein Prozent aller Anteile. Damit zählt er zu den Top 10-Shareholdern der Südkoreaner.

Das Unternehmen fokussiert sich auf dichtbesiedelte Märkte und kann dort seine Stärken besonders gut ausspielen. Noch schreibt man rote Zahlen, aber die Entwicklung verläuft auf einem klaren Erfolgspfad und operativ werden bereits Überschüsse erzielt.

Die Bewertung der Aktie ist dennoch hoch, trotz des Kurseinbruchs. Druckenmiller wittert hier seine Chance, sich noch stärker bei Südkoreas Marktführer zu engagieren, der viele von Amazons Erfolgskonzepte kopiert und teilweise sogar noch besser umsetzt.

Amazon wächst auch stark, ist aber seit einigen Jahren nachhaltig und zunehmend profitabel. Was vor allem an seiner Cloudsparte AWS liegt, mit der Amazon Weltmarktführer vor Microsoft und Alphabet ist. Die beiden hat Druckenmiller ja ebenfalls hoch gewichtet hat in seinem Portfolio. Und hier zeigt sich der rote Faden seiner Handlungen: er setzt auf skalierbare, profitable Wachstumsbranchen, die auch bei einer wirtschaftlichen Schwäche, steigenden Zinsen oder einem Börseneinbruch am besten durch die raue See kommen dürften. Coupang ist dabei jetzt seine größte Wette…


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