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Portfoliocheck: Joel Greenblatt verdoppelt seinen Einsatz bei Corning.

Artikel, Portfoliocheck Michael C. Kissig 111 Leser

Mit seiner “Börsenzauberformel“ schuf Joel Greenblatt ein regelbasiertes System zur Auswahl vielversprechender Aktien, das neben herausragenden Ergebnissen vor allem eines sein sollte: simpel. Denn klassische Value-Investing-Ansätze sind zumeist zu kompliziert und wissensintensiv für Privatanleger. In seinem Buch “The Little Book that Beats the Market” stellte er seine einfache Strategie vor und belegte auch gleich den außergewöhnlichen Erfolg dieser Methode.

Value Investor Joel Greenblatt lehrt an der Columbia Business School und führt zudem seit 1985 den von ihm gestarteten Hedgefonds Gotham City. Zwischen 1985 und 2004 erzielte er damit 40 % pro Jahr, während der S&P 500 Index auf „nur“ 12,4 % Jahresrendite brachte.

Greenblatts Börsenzauberformel


Keep it simple: Bei seiner Zauberformel grenzt Greenblatt von vornherein die Aktienauswahl ein. So müssen die Werte eine Mindestmarktkapitalisierung aufweisen, in den USA beheimatet sein und nicht dem Energie- oder Finanzsektor angehören. Anschließend fokussiert er sich auf lediglich zwei Kennzahlen: Zur Ermittlung der Gewinnrendite wird der operative Gewinn eines Unternehmens ins Verhältnis zum Gesamtunternehmenswert („Enterprise Value“) gesetzt. Je höher die Gewinnrendite, desto günstiger ist das Unternehmen bewertet. Die Kapitalrendite ist im Gegensatz zur Gewinnrendite eine Qualitätskennzahl und wird von Greenblatt als Verhältnis aus dem EBIT, also dem Ergebnis vor Zinsen und Steuern, zu den materiellen Nettovermögenswerten definiert. Je höher die Gewinnrendite desto mehr Gewinn wird im Vergleich zum eingesetzten Kapital erzielt. Zuletzt sortiert Greenblatt die Aktien danach, welche bei beiden Kennzahlen die besten Werte aufweisen.

Doch attraktive Qualitätsunternehmen sind selten günstig bewertet und das gilt besonders in bullishen Marktphasen. Doch Greenblatt rät, nicht zur sehr auf den Gesamtmarkt zu achten, weil es immer einzelne Aktien oder Unternehmen gäbe, die gerade Chancen böten. Um diese herauszupicken, bevorzugt er den Cashflow vor Umsatzentwicklung oder Buchwert. Und rät Anlegern zu Geduld, damit die Unternehmen ihr Potenzial auch wirklich zu entfalten können.

Preise schwanken weniger stark als Werte. Genau darin liegen die Chancen. (…) Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten bis der Markt einem zustimmt.


(Joel Greenblatt)

Top Transaktionen im 3. Quartal 2025


Zum Ende des Quartals hatte Joel Greenblatts Portfolio von Gotham Capital einen Wert von 23,0 Mrd. Dollar nach 16,7 Mrd. im Vorquartal. Er hielt 1.678 Werte, darunter 186 Neuaufnahmen und seine Turnover-Rate ist mit 27 % weiterhin überdurchschnittlich hoch.

Der erneute starke Zuwachs im Anlagevolumen dürfte auch wieder auf einen signifikanten Zufluss neuer Investorengelder zurückzuführen sein.

Top-Transaktionen im Depot von Joel Greenblatt

Amedisys und Ansys haben sein Depot verlassen, da beide Unternehmen übernommen und anschließend delisted wurden. Amedisys wurde von Optum übernommen, einer Tochter des US-Krankenversicherungsriesen UnitedHealth, und Ansys wurde von Synopsys aufgekauft.

Abgesehen hiervon dominieren die Käufe bei Greenblatts Transaktionen. Dabei setzt er neben Einzelwerten auch weiterhin auf einen breiten Marktaufschwung und hat dem entsprechend den SPDR S&P 500 ETF um 29 % aufgestockt, den iShares Core S&P 500 ETF um 40 % und den INVESCO QQQ Trust um 109 %.

Parallel dazu stockte er auch bei Apple um 60 % auf, bei Nvidia um 26 % und bei Amazon um 36 %. Alle drei Werte gehören zu den sogenannten „Magnificent 7“ und dominieren mit ihrer hohen Gewichtung den S&P 500 Index, so dass Greenblatt hier sein Engagement gleich doppelt hochgefahren hat. Nicht zum ersten Mal und bisher hat er damit ein ziemlich gutes Näschen bewiesen.

Darüber hinaus stockte er bei Snowflake um weitere 68 % auf und bei kleineren Positionen wie Boston Beer waren es sogar 1.750 % und bei Carpenter Technonolgy sogar 14.800 %. Aber auch beim auf kurzlaufende US-Staasanleihen spezialisierten iShares 0-3 Month Treasury Bond ETF hat er seinen Einsatz mehr als verdoppelt.

Top Positionen zum Ende des 3. Quartals 2025


In Greenblatts breit gestreutem Portfolio führen weiterhin Technologiewerte mit 18 % vor Industriewerten, die es auf eine Gewichtung von 11,3 % bringen, und zyklischen Konsumwerten mit 10 %. Der Gesundheitssektor folgt mit 8 %, dahinter liegen die Finanzwerte mit 5,5 % vor Kommunikationsdiensten und defensiven Konsumwerten mit jeweils rund 4 % Gewichtung.

Top-Positionen im Depot von Joel Greenblatt

Die fünf größten Positionen in Greenblatts Portfolio haben sich erneut nicht verändert und bringen es zusammen auf annähernd ein Viertel seines Anlagevolumens. Neben seinen drei bevorzugten ETFs finden sich hier auch die beliebten Technologierschwergewichte Nvidia und Apple wieder, doch der SPDR S&P 500 ETF mit mehr als 16 % Anteil die mit großem Abstand gewichtigste Beteiligung dar.

Auf Rang sechs folgt unverändert Amazon und dahinter kann Snowflake seinen im Vorquartal eroberten siebten Platz verteidigen, doch dahinter musste Microsoft nun auch den iShares 0-3 Month Treasury Bond ETF an sich vorbeiziehen lassen, bevor die Google-Mutter Alphabet wie schon zuletzt die Top 10 komplettiert.

 

Im Fokus: Corning Inc.


Die Aktie von Corning rangiert nicht unter den Top-Werten in Greenblatts Portfolio. Dabei ist sie mit inzwischen 85 Mrd. USD Börsengewichtung kein kleiner Brocken mehr und nachdem sich der Kurs auf Sicht von 12 Monaten mehr als verdoppelt hat, gewinnt das Unternehmen zunehmend an Aufmerksamkeit. Und das zu Recht.

Corning ist ein führendes Unternehmen im Bereich der Materialwissenschaften. Das bereits 1851 gegründete Unternehmen ist bekannt für seine Expertise in den Bereichen Glaswissenschaft, Keramikwissenschaft und Optikphysik, die es in verschiedenen Branchen wie optischer Kommunikation, Displaytechnologien, Umwelttechnologien, Spezialmaterialien und Biowissenschaften einsetzt. Corning ist weltweit tätig und verfügt über Produktionsstätten in den USA, China, Südkorea, Taiwan und mehreren anderen Ländern.

Die Einnahmen des Unternehmens werden aus fünf Segmenten gespeist. Das Segment Optische Kommunikation bietet Glasfaserkabel und Konnektivitätslösungen, die für Telekommunikationsnetze und Rechenzentren von entscheidender Bedeutung sind, insbesondere angesichts der steigenden Nachfrage aufgrund der zunehmenden Verbreitung von KI. Das Segment Displaytechnologien liefert Glassubstrate für Displaypanels, die in Fernsehern und Monitoren verwendet werden. Der Bereich Spezialmaterialien produziert langlebige Glasprodukte wie Gorilla Glass, das in mobilen Unterhaltungselektronikgeräten zum Einsatz kommt. Der Bereich Umwelttechnologien konzentriert sich auf Keramiksubstrate und Filter für die Emissionskontrolle in Fahrzeugen. Der Bereich Biowissenschaften bietet Laborprodukte an, die die Arzneimittelforschung und die Spitzenforschung unterstützen.

Früher standen die Spezialmaterialien im Fokus, denn das Gorilla Glas kommt auch bei Iphones und iPads zum Einsatz. Doch die Zeiten als bevorzugter Apple-Lieferant sind vorbei und neue Technologien, wie OLEDs, sind auf dem Vormarsch, da immer öfter auf Foldables gesetzt wird und Glas hier keine Chance hat. Und auch im Bereich Displaytechnologien gehen die Wachstumsraten spürbar zurück.

KI-Rechenzentren als Wachstumsbeschleuniger


Doch Corning hat sich schon mehrmals selbst neu erfunden und immer wieder neue Einsatzmöglichkeiten für sein Spezialglas gefunden. Im Segment Optische Kommunikation entwickelt und produziert Corning Glasfaserkabel und optischer Ausrüstung und damit das Rückgrat für den globalen Aufbau von Breitbandnetzen und modernen Rechenzentren. KI wird hier immer mehr und immer schneller zum Wachstumstreiber.

Corning liefert hierfür nicht nur die notwendigen Hochleistungs-Glasfaserkabel, sondern positioniert sich auch strategisch mit sogenannten Co-Packaged Optics (CPO), also neuen, dichteren optischen Lösungen, die für die Hochgeschwindigkeitsvernetzung von Chips in KI-Hardware essenziell sind. Doch es geht nicht um Mengenwachstum alleine, sondern vor allem um Innovation. Denn Corning hat speziell für KI-Rechenzentren eine eigene Glasfaser namens Contour entwickelt und diese bringt doppelt so viele Fasern auf demselben Raum unter, womit sich der Verkabelungsaufwand erheblich reduziert. Das spart den Kunden Platz Kosten und Zeit und treibt Cornings Absatz massiv an. Daher ist das Segment Optische Kommunikation inzwischen auch der mit Abstand größte Bereich von Corning. Aber auch der wachstumsstärkste und konnte im letzten Quartal um 24 % auf 1,7 Mrd. USD zulegen. Und es ist auch noch das profitabelste Segment des Konzerns.

Insgesamt erwirtschaftete Corning im vierten Quartal 2025 einen Nettoumsatz von 4,215 Mrd. USD und legte damit ein Wachstum von 20 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum hin. Das operative Ergebnis wuchs auf 672 Mio. USD und es blieb ein Nettoergebnis von 540 Mio. USD übrig bzw. 0,62 USD je Aktie, der 74 % über dem Vorjahreswert lag. Dabei erzielte Corning einen operativen Cash-Flow von 1,052 Mrd. USD (Vorjahr: 623 Mio. USD).

Der Umsatz im Bereich Optical Communications wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 24 % auf 1,7 Mrd. USD, Display Technologies fiel um 2 % Prozent auf 955 Mio. USD, Specialty Materials legte um 6% auf 544 Mio. USD zu, Automotive (inkl. Automotive Glass Solutions und Environmental Technologies) sank um 1 % auf 440 Mio. USD und Life Sciences sank um 2 % auf 246 Mio. USD, aber Hemlock and Emerging Growth Businesses erzielte mit einem Umsatz von 526 Mio. USD ein sattes Plus von 62 %.

Man kann also festhalten, dass zwei Segmente stark wachsen und rund die Hälfte zum Konzernumsatz beisteuern, während die anderen Segmente eher stagnieren oder sogar leicht rückläufig sind. Das sorgt an der Börse nachvollziehbar nicht nur für Freude. Ergebnisseitig hingegen kommt Corning weiterhin gut voran und konnte verkünden, dass sein Effizienz- und Wachstumsprogramm „Springboard“ früher als erwartet volle Resultate geliefert habe.

CEO Wendell P. Weeks, erklärte hierzu: „Erfreulicherweise erwartet uns ein noch stärkeres langfristiges Wachstum. Wir haben unseren ursprünglichen Springboard-Plan heute aktualisiert und gehen nun von zusätzlichen jährlichen Umsätzen in Höhe von 11 Mrd. USD bis Ende 2028 aus, gegenüber den ursprünglich geplanten 8 Mrd. USD“. Und Finanzchef CFO Ed Schlesinger ergänzte: „2025 erzielten wir ein zweistelliges Umsatzwachstum im Kerngeschäft. Der Kerngewinn je Aktie wuchs doppelt so schnell wie der Umsatz, der bereinigte freie Cashflow sogar dreimal so schnell und wir verbesserten die operative Kernmarge sowie die Kernkapitalrendite (ROIC) um 180 bzw. 120 Basispunkte“.

Die Bewertung ist mit dem 33-fachen Gewinn nicht mehr günstig, aber sie passt auch noch gut zu einem so wachstumsstarken Unternehmen. Essenziell für Corning sind die kontinuierlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung, um Innovationen vorantreiben und den Wettbewerbsvorteil des Unternehmens sichern. Dabei sind die engen Beziehungen zu großen Technologieunternehmen, darunter die Zusammenarbeit mit Apple im Bereich Gorilla Glass und mit Microsoft im Bereich Glasfasertechnologie, Schlüsselfaktoren und unterstreichen Cornings führende Rolle bei der weltweiten Weiterentwicklung technologischer Infrastruktur.

Riesen-Deal mit Meta


Nach Microsoft wurde nun die Facebook-Mutter Meta Platforms als Schlüsselkunde gewonnen. Meta wird Corning bis 2030 bis zu 6 Mrd. USD für die Lieferung von Glasfaserkabeln für seine KI-Rechenzentren zahlen. Corning-CEO Wendell Weeks erklärte hierzu, er gehe davon aus, dass Hyperscaler im nächsten Jahr zu den größten Kunden von Corning würden. Um dieser wachsenden Nachfrage gerecht zu werden erweitert Corning seine Produktionsstätte in Hickory massiv.

Meta selbst plant, bis 2028 gewaltige Investitionen in Höhe von 600 Mrd. USD, um in den USA Infrastruktur im Bereich der künstlichen Intelligenz, beispielsweise Rechenzentren, aufzubauen. Und steht damit nicht allein, denn auch Amazon, Alphabet, Microsoft und viele andere gehen „all in“ im Bereich KI-Rechenzentren. Und Cornings optimiertes Glasfaserkabel „Contour“ ist die neue Hauptschlagader für sie alle.

Joel Greenblat hat im dritten Quartal seine Position an Corning um 120 % aufgestockt und seit Ende September hat der Kurs um ordentliche 25 % zugelegt. Auf Sicht von sechs Monaten waren es sogar zwei Drittel. Und das kommt nicht von ungefähr, denn Corning hat die von Greenblatt favorisierte Kernkapitalrendite (ROIC) kräftig ausgebaut. Greenblatts Börsenzauberformel hat diesmal stark abgeliefert und alles deutet darauf hin, dass die Magie noch nicht am Ende ist.

TraderFox Qualitätscheck für die Aktie von Corning

Eigene Positionen: Alphabet


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