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Verblüffendes Anleger-Wissen: Aktien mit niedrigen Kursen erzielen im Schnitt eine bessere Wertentwicklung

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Aktienkurse: Klein, aber oho! So fasst man beim Vermögensverwalter HQ Trust die Erkenntnisse zusammen, die man bei einer Untersuchung zu der Frage herausgefunden hat, inwieweit der Kurs von Aktien Einfluss auf deren Performance hat. Denn anders als von vielen Anlage-Profis unterstellt, scheint das Phänomen, dass Aktien mit einem absolut niedrigen Preis besser performen im Mittel über die vergangenen 40 Jahre und in unterschiedlichen Regionen zu existieren.

Aktuell mischen an den Weltbörsen auch viele Anleger mit, für die eine Geldanlage in Aktien oft noch Neuland ist. Erfahrene Anleger betrachten diese Gruppe oft etwas von oben herab. Für dieses Denken gibt es mit dem Wort Milchmädchenhausse sogar auch einen Begriff. Gemeint ist damit, dass es in der letzten Phase eines Bullenmarktes oft so ist, dass plötzlich auch die breite Masse mitmischt, die zuvor wenig bis nichts von Aktien wissen wollte. Kommt es zu so einem Run auf Aktien, stellte sich wenig später dann oft auch ein Bärenmarkt ein, wie ein historischer Rückblick bestätigt.

Ganz bestimmt war das beispielsweise zur Jahrtausendwende beim Platzen der Dot.com-Blase der Fall. Damals führte der starke Kursanstieg von Aktien aus den Bereichen Technologie, Medien und Telekom dazu, dass ganze Zug-Abteile bei Fahrten in die Banken- und Börsen-Metropole Frankfurt nichts anderes zu tun hatten, als darüber zu fabulieren, mit welcher Zeichnung von Aktien von Börsenneulingen man als nächstes auf die Schnelle den ganz großen Reibach macht. Ein und zwei Jahre nach diesen Beobachtungen des Autors notierte etwa der deutsche Leitindex um etliche Kurs-Etagen tiefer als damals.

Nicht alle Börsen-Weisheiten stimmen hundertprozentig


Aufgrund eines teilweise noch fehlenden Fachwissens und mangelnder Erfahrung ist es oft so, dass Börsenneulinge der Meinung sind, dass die Höhe des Aktienkurses eines Unternehmens etwas aussagt über die einem Titel zugestandene Bewertung. Profis rümpfen darüber die Nase. Denn sie haben natürlich gelernt, dass die wirkliche Bewertung von Aktien mit Hilfe von Kriterien wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, abgezinstes Cashflow-Modell oder aus der abgezinsten Summe der Einzelteile etc. ermittelt wird.

Theoretisch mag das zwar stimmen, aber in der Praxis scheint das skizzierte Denken viele Börsen-Novizen gar nicht einmal so falsch zu tun. Vielmehr scheint deren Rechnung sogar aufzugehen, wie ein Blick auf Berechnungen von Sven Lehmann, Partner und Fondsmanager beim Vermögensverwalter HQ Trust, zeigt.

Als sich Lehman mit der skizzierten Thematik zu beschäftigen begann, lautete auch seine These, dass der Kurs beim Kauf einer Aktie eigentlich keine entscheidende Rolle spielen sollte. Die Notiz zeige zwar an, wie viel man für eine Aktie bezahlen müsse, aber dadurch wisse der Investor noch nicht, was eine Aktie wert sei. Und er wisse auch nicht, welchen Anteil er am Unternehmen hält: Denn das hänge davon ab, wie viele Aktien es insgesamt gebe.

Trotzdem stellte sich Lehman die Frage, ob der Preis wirklich keine Rolle spielt? Um dies zu überprüfen, untersuchte der HQ Trust-Experte, Aktien aus den USA, Großbritannien, Japan sowie der Eurozone. Dazu analysierte er die Titel des DS World Index, die aus diesen Ländern stammen und in der jeweiligen Währung notieren. Für jede Region teilte Lehmann die Aktien monatlich – je nach Höhe ihres Kurses – in 10 gleich große Dezile ein. Anschließend verglich er den Ertrag des Mittelwerts des jeweiligen Dezils im kommenden Monat mit dem Mittelwert aller Aktien verglichen. Startpunkt seiner Analyse war Dezember 1980.

Quellen: Refinitiv, HQ Trust

5 Schlussfolgerungen aus den Berechnungen


Die ermittelten Ergebnisse zeigt die Grafik oben. Lehman fast diese wie folgt zusammen: Erstens: „Das Phänomen, dass Aktien mit einem absolut niedrigen Preis besser performen, existiert im Mittel über die vergangenen 40 Jahre und in unterschiedlichen Regionen.“ Zweitens: „Trotz zum Teil erheblicher Abweichungen vom Mittel gilt die Aussage, dass eine Aktie im Schnitt umso besser läuft, je niedriger ihr Kurs ist.“

Drittens: „Im Mittel laufen die optisch günstigsten Aktien aus dem zehnten Dezil in allen Regionen am besten – die optisch teuersten Aktien aus Dezil 1 haben sich dagegen am schlechtesten entwickelt.“ Viertens: „Den Mehrertrag liefern Aktien mit niedrigem Preis meist, wenn der Markt stark steigt.“ Fünftens: „Hoch notierte Aktien liefern ihre Outperformance dagegen eher bei Markteinbrüchen.“

So gesehen tun Anlage-Profis gut daran, sich nicht auf althergebrachte Börsen-Weisheiten zu verlassen, sondern alles, was an den Aktienmärkten passiert bzw. geglaubt wird, stets kritisch zu hinterfragen.


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