aktien Magazin

Was sagt uns William O'Neils sogenannter „pink rally day“? Kommt nun der nächste Börsenaufschwung?

Strategien Marius Müllerhoff 843 Leser

Das Konzept des sogenannten „Rally Day“ und „Follow Through Day“ (FTD) wurde von der Investorenlegende William O’Neil entwickelt, um einen wichtigen Trendwechsel von einem klaren Abwärtstrend zu einem möglichen Aufwärtstrend/Bullenmarkt zu identifizieren.

Was ist ein „Rally Day“?

Die Voraussetzung für einen möglichen FTD ist ein sogenannter „Rally Day“, der in mitten eines Abwärtstrends stattfindet. Hierbei handelt es sich um einen Handelstag, an dem die Nasdaq oder der S&P 500 im Plus ist. Das ist der erste Plus Tag nach einem möglichen Tief.

Falls einer dieser Indizes den Handelstag tief im Minus begann und dann die meisten Verluste wieder aufholte, spricht man von einem „pink rally day“. Dieser würde ebenfalls für einen dann folgenden FTD qualifizieren, obwohl der Tag im Negativen endete.

Am vergangenen Freitag sahen wir einen sogenannten „pink rally day“ sowohl bei der Nasdaq als auch beim S&P 500 (siehe folgende Abbildung).

Quelle: www.traderfox.com

Wie ist ein „Follow Through Day“ charakterisiert?

Sobald ein „rally day“ oder ein „pink rally day“ identifiziert wurde, beginnt man mit dem Zählen der Tage. Ab Tag 4 könnte ein sogenannte FTD stattfinden. Im konkreten Fall fand der „pink rally day“ am vergangenen Freitag statt. Somit ist der gestrige Mittwoch (23.08.2023) Tag 4 und könnte einen möglichen FTD darstellen.

Nun gilt es einige Punkte zu berücksichtigen. Erstens darf vom „rally day“ bis zum Tag 4 das Tief des „rally day“ nicht unterschritten werden. Dies ist zwischen Freitag und Mittwoch nicht passiert, was positiv ist.

Zweitens wird ab Tag 4 nach einer Bestätigung der Stärke des „rally day“ gesucht. Das heißt, dass einer der beiden Indizes (Nasdaq, S&P 500) oder am besten beide Indizes mindestens +1,7% zulegen konnte und das unter erhöhtem Volumen. Außerdem wollen wir konstruktives charttechnisches Verhalten führender Wachstumsaktien sehen.

Falls es zu Distributionstagen (also Minus Tagen unter erhöhtem Handelsvolumen) innerhalb der ersten drei Tage kommt, dann ist empirisch bewiesen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der FTD scheitern wird, sehr hoch ist.

Für den gestrigen Handelstag kann festgehalten werden, dass es noch nicht ganz ausreichte für einen FTD (siehe folgende Abbildung). Keiner der beiden Indizes erreicht die notwendigen +1,7%. Bei der Nasdaq lag dazu noch das Volumen unter dem des Vortages.

Quelle: www.research.investors.com/markettrend.aspxm

Die FTDs mit der höchsten Wahrscheinlichkeit auf Erfolg (d.h. die Rallye ist von Nachhaltigkeit geprägt) finden zwischen Tag 4 und Tag 7 statt. Im konkreten Fall sollten wir also spätestens bis Montag (28.08.2023) einen FTD sehen. Dank der bemerkenswerten Quartalszahlen von Nvidia gestern nach Börsenschluss könnten wir ggf. bereits heute einen FTD erleben.

Was sollte man gemäß William O’Neil an einem Follow Through Day tun?

Ob es zu einem FTD kommt oder nicht, lässt sich in den ersten Handelsminuten schwer erkennen. Aber im Laufe des Handelstages sollte es immer eindeutiger werden. Falls es zu einem Follow Through Day kommt, dann empfiehlt William O’Neil auf jeden Fall „etwas“ zu kaufen.

Idealerweise hat man eine Watchlist mit Aktien, die vielversprechende Chartsetups zeigen. Falls es keine Aktie mit einem entsprechenden Setup gibt, die man kaufen kann, dann rät O’Neil dazu, den Index (Nasdaq oder S&P 500) zu kaufen. So hat man wenigstens „etwas“ gekauft, um von dem Beginn eines möglichen Aufwärtstrends zu profitieren.

Was kommt nach einem Follow Through Day?

Ein FTD ist lediglich ein erster Schritt zu einem möglichen Aufwärtstrend oder einem Bullenmarkt. Nach einem FTD wollen wir weitere FTDs sehen. Der Markt soll uns also weitere Plus Tage mit erhöhtem Handelsvolumen bescheren.

Wichtig ist es hierbei, dass immer mehr Aktien charttechnisch attraktive Setups liefern (z.B. Tasse mit Henkel Formation oder Flat Base), und dass charttechnische Breakouts von Wachstumsaktien nachhaltig funktionieren. Ziel sollte es sein, bei den FTDs sein Exposure immer weiter auszubauen.

Was ist die Idee hinter einem Follow Through Day?

Der Grundgedanke besteht darin, auf einen FTD geduldig zu warten, bevor man Long-Positionen aufzubauen beginnt. Es soll also verhindert werden, dass man zu früh wieder in den Markt einsteigt, nur um dann feststellen zu müssen, dass der Markt wieder zu fallen beginnt.

Das erhöhte Volumen an einem FTD lässt auf Institutionen schließen, die vermehrt in den Markt zurückkommen. Letztlich sind institutionelle Anleger für einen nachhaltigen Bullenmarkt von Nöten.

Der Vorteil, sich auf dieses FTD-Konzept zu konzentrieren anstatt auf Nachrichten, ist, dass es zuverlässiger ist. Ein Investor handelt am Follow Through Day unabhängig davon, was die Wirtschaftspresse schreibt, was andere Investoren sagen etc. Ein Follow Through Day kann nicht den genauen Tag bestimmen, an dem ein Markt seinen Tiefpunkt erreicht, aber er kann einen nahe an den Tiefpunkt bringen.

Es hat in der Geschichte des Aktienmarktes noch nie einen neuen Bullenmarkt gegeben, dem nicht ein Follow Through Day vorausgegangen ist. Allerdings führt nicht jede Follow Through Day zu einem neuen Bullenmarkt. So hat es in 2022 knapp zehn FTD gegeben, von denen keiner von Erfolg gekrönt war.

 

Aufklärung über Eigenpositionen: Der Autor hält Aktien an der Nasdaq, Nvidia und S&P 500.


Bildherkunft: AdobeStock_610914332