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Wenige Aktien tragen den Markt, die Basis wird schmaler. KI-MEGATREND scheint intakt.

Artikel, Weekly Briefing Stephan Bank 54 Leser

Liebe Börsianer,

die US-Indizes handeln an ihren Allzeithochs, doch wer unter die Motorhaube schaut, sieht ein Fundament, das enger wird statt breiter. Die Konzentration in den großen Indizes erreicht nach aktuellen Marktdaten einen Extrempunkt. Der größte Einzeltitel NVIDIA bringt es im S&P 500 inzwischen auf rund 8 % Indexgewicht. Das erklärt, warum der Gesamtindex robust wirkt, während die Marktbreite dahinter zäh bleibt. Der Russell 2000 als Vertreter der kleineren, breiter gestreuten Unternehmen bewegt sich seitwärts, während Dow Jones und S&P 500 an ihren gleitenden Durchschnitten immer wieder nach oben abprallen. Diese Differenz ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer "The Winner Takes It All"-Dynamik, bei der wenige Marktführer den Großteil des Wachstums auf sich vereinen, wie es etwa NVIDIA mit gezielten Zukäufen zuletzt vorgemacht hat. 

Gleichzeitig verteuert sich die Finanzierung. Die globalen Anleihe-Renditen notieren auf einem Hoch seit 2008. Das bedeutet höhere Finanzierungskosten für Unternehmen und weniger Anreiz für Anleger, in Risiko-Anlagen wie Aktien zu gehen, wenn vermeintlich sichere Anleihen einen annähernd vergleichbaren Ertrag liefern. Besonders deutlich zeigt sich die neue Nervosität am japanischen Anleihemarkt, wo sich die Renditen und die Währung binnen kurzer Zeit massiv bewegt haben. Das ist ein Warnsignal für den Carry Trade, bei dem Investoren sich günstig in Yen verschulden, um das Geld in höher verzinste US-Anlagen zu stecken. Wird dieser Trade zurückgedreht, entsteht zusätzlicher Verkaufsdruck auf US-Vermögenswerte, unabhängig davon, wie gut die Einzelwerte selbst dastehen. 

Wie eng Konzentration und Zinsfrage inzwischen zusammenhängen, zeigt der Blick auf die aktuelle Berichtssaison der großen KI-Werte. NVIDIA meldete ein Rekordquartal, bei einem KGV von 23 gehen Kursziele einzelner Analysten auf über 500 USD, das Unternehmen selbst spricht davon, dass allein das Angebot an Chips das Wachstum auf 70 % begrenzt. Das klingt zunächst nach einem Luxusproblem, trieb den Kurs zuletzt aber nicht mehr im gleichen Maß wie in den Quartalen zuvor, ein erstes Anzeichen dafür, dass selbst starke Zahlen nicht mehr automatisch honoriert werden. Bei Oracle (i) sieht die Lage zweigeteilt aus: Die Citigroup bescheinigt dem Softwarekonzern robuste KI-Nachfrage und erwartet weitere Schätzungsanhebungen, doch die hohe Verschuldung des Unternehmens macht es anfällig, sollte sich das Zinsumfeld weiter verschärfen. Dell wiederum legte im 3. Quartal deutlich beim Umsatz und bei den Auftragseingängen deutlicher zu. Zugleich sinkt die Betriebskostenquote auf 8 % vom Umsatz, den niedrigsten Wert der Firmengeschichte, während Lieferkettenkosten die Marge trotz einer geplanten Verdreifachung des Umsatzes nur um rund einen %-Punkt steigen lassen. Auch das zeigt, dass operative Stärke allein die Bewertungsfrage nicht mehr beantwortet. Bei Salesforce (i) sorgte dagegen der größte Tagesgewinn seit sechs Jahren für Erleichterung: solides zweistelliges Umsatzwachstum sowie ordentliches Wachstum bei freiem Cashflow (FCF) und bei der KI-Plattform Agent Force widerlegen vorerst die These einer "SaaS-Apokalypse", wonach klassische Softwareanbieter durch KI-Agenten verdrängt werden. 

Für Anleger heißt das: Der übergeordnete Aufwärtstrend bleibt intakt, doch die Zahl der Aktien, die ihn tragen, wird kleiner, während die Zinsentwicklung zum Belastungsfaktor werden könnte. Wer über Einzelwerte hinaus in Indexprodukte investiert, hängt inzwischen stark von wenigen Technologie-Namen und deren Bewertungsniveau ab. Am 10. September tagt die EZB, am 16. September die US-Notenbank Fed. Beide Termine setzen wichtige Marken für die Richtung an den Anleihemärkten und damit auch für die Risikobereitschaft in den konzentrierten Indizes. 

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Viele Grüße          

Stephan Bank!       

Chefredakteur des aktien Magazins und MEGATREND Echtgelddepots 

Eigenpositionen: Ich halte Eigenpositionen bei Oracle und Salesforce


Bildherkunft: www.traderfox.com