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Wenn Hitze zum Wirtschaftsfaktor wird: Drei Aktien-Favoriten mit Klimaresilienz

Artikel, Strategien Jürgen Research 222 Leser

Die Rekordtemperaturen haben Auswirkungen auf Volkswirtschaften und Börsen. Ein Aktien-Trio aus Europa verspricht dabei dank Klimaresilienz langfristige Anlagechancen in den Bereichen Land- und Wasserwirtschaft sowie energieeffizienten Gebäuden. 

Der Sommer im Vereinigten Königreich steuert darauf zu, der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1884 zu werden. Solch extreme Spitzenwerte und aufeinanderfolgende Hitzetage unterstreichen die drastische Verschärfung der Hitzewellen in Mitteleuropa, wobei sich in Deutschland – angeführt vom neuen Allzeitrekord von +41,8 Grad Ende Juni – die allermeisten Rekordsommer fast lückenlos in das 21. Jahrhundert einreihen. 

In Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt kletterte das Thermometer im Juni bekanntlich auf einen neuen, historischen Höchstwert von +41,8 Grad. Damit wurde ein neuer Allzeitrekord für die gesamte Bundesrepublik seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen im Jahr 1881 aufgestellt. 

Solch extreme Spitzenwerte so früh im Sommer und die Serie an aufeinanderfolgenden Hitzetagen mit zahlreichen tropischen Nächten unterstreichen, dass sich die Hitzewellen in Mitteleuropa drastisch verschärfen. Im langfristigen Trend reihen sich in Deutschland die allermeisten Rekordsommer – angeführt vom Jahrhundertsommer 2003 sowie den extremen Jahren 2018, 2019 und 2022 – fast lückenlos in das 21. Jahrhundert ein. Zu dieser Bestandsaufnahme passt auch die steigende Zahl von Tagen mit Temperaturen über 30 Grad.

Grafik zeigt Anstieg der Tage mit Temperaturen über 30 Grad seit 1951

Diese Entwicklung hat auch messbare volkswirtschaftliche Folgen. Die hitzebedingten Störungen dürften ‌das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Europäischen Union 2026 laut einem Bericht der auf nachhaltige Projekte spezialisierten ⁠niederländischen ⁠Bank Triodos um etwa 1 % schmälern. Das entspreche wirtschaftlichen Einbußen von rund 180 Mrd. Euro. Hauptgrund dafür sei eine geringere Arbeitsproduktivität. Allein diese dürfte das EU-BIP um etwa 0,6 % drücken. ‌Die landwirtschaftliche Produktion wird dem Bericht ‌zufolge voraussichtlich um 3 % bis 7 % zurückgehen.

Auch die DZ Bank weist in einer aktuellen Studie darauf hin, dass bei mittel- bis langfristiger Perspektive Hitze durch den fortschreitenden Klimawandel zunehmend zu einem Standort- und Infrastrukturthema. Das erfordert gezielte Anpassungen z.B. bei Städteplanung, Gebäuden und Infrastruktur sowie in besonders sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen.

Hitze wandert demnach entlang der Wertschöpfungskette über Äcker bzw. Binnengewässer bis in die Fabrikhallen und wird dort zu einem Risiko für Preise, Produktion und Versorgungssicherheit. Oder anders ausgedrückt: Hitze schadet der Wirtschaft auf mehreren Wegen: Die Produktivität sinkt, Lieferketten geraten unter Druck und Ernten fallen schlechter aus. All dies kann zu geringerem Wachstum und höheren Preisen führen.

Hitze und Wertschöpfungskette

Hargreaves Lansdown setzt auf Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und energieeffiziente Gebäude als Anlagethemen mit Klimeresilienz


Auch der Sommer im Vereinigten Königreich steuert darauf zu, der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1884 zu werden. Der britische Finanzdienstleister Hargreaves Lansdown greift das Thema in einer Publikation auf, die sich mit der Frage beschäftigt, wie Anleger in Europa am besten in Klimaresilienz investieren.

Im zitierten Beitrag konstatieren die Autoren zu Beginn, dass sich unser Klima erwärmt und sich das Tempo des Wandels in den letzten Jahrzehnten beschleunigt hat. Globale Klimadaten legen den Angaben zufolge nahe, dass die Jahre 2015 bis 2025 die elf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen waren. Im Jahr 2025 lagen die durchschnittlichen Oberflächentemperaturen weltweit etwa 1,44°C über dem Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900.

Auch die vergangenen Jahre im Vereinigten Königreich gehörten zu den wärmsten, die jemals verzeichnet wurden. Das Met Office hat kürzlich angedeutet, dass die Temperaturen im Vereinigten Königreich bei extremen Sommerhitzeperioden in den kommenden Jahrzehnten plausibel 45°C erreichen könnten.

Selbst bei steigenden globalen Zusagen zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen ist eine weitere Erwärmung unvermeidlich. Die über viele Jahrzehnte freigesetzten Treibhausgase beeinflussen das Klima weiterhin, sodass die heutigen Temperaturen sowohl die vergangenen als auch die aktuellen Emissionen widerspiegeln. Selbst wenn die Emissionen rasch sinken, werden die globalen Temperaturen voraussichtlich nicht sofort aufhören zu steigen, so Hargreaves Lansdown.

Steigende Temperaturen und häufigere Extremwetterereignisse beeinträchtigen bereits die Infrastruktur, die Lieferketten und die Produktivität. In den kommenden Jahren dürften einige Branchen vor größeren Herausforderungen stehen, während andere eine zunehmend wichtige Rolle dabei spielen könnten, Gesellschaften bei der Anpassung zu unterstützen.

Vor diesem Hintergrund betrachtet Hargreaves Lansdown drei Bereiche, in denen die Nachfrage durch den wachsenden Bedarf an Klimaresilienz gestützt werden könnte, sowie die Unternehmen, die davon profitieren könnten. Warnend geben die Analysten dabei vorab zu bedenken, dass die Anlage in ein einzelnes Unternehmen nicht für jeden geeignet ist, denn scheitert dieses Unternehmen, können Anleger ihre gesamte Investition verlieren. Solche Investments müssen also zum individuellen Risiko-Profils eines Investors passen.

Ist diese Vorbedingung erfüllt, gibt es nach Einschätzung der Investmentbank in der Landwirtschaft, der Wasserwirtschaft und bei energieeffizienten Gebäuden dank Klimaresilienz langfristige Investmentchancen.

Anlagethema Nr. 1: Ernährungssicherheit und landwirtschaftliche Resilienz


Landwirte müssen sich zunehmend mit veränderten Niederschlagsmustern, häufigeren Dürren, Extremwetterereignissen sowie veränderten Belastungen durch Schädlinge und Krankheiten auseinandersetzen. Die Erhaltung der Ernteerträge bei gleichzeitig effizienter Ressourcennutzung dürfte eine noch größere Herausforderung werden.

Unternehmen, die dazu beitragen, die landwirtschaftliche Produktivität zu verbessern, die Widerstandsfähigkeit von Kulturpflanzen zu stärken und eine nachhaltigere Nahrungsmittelproduktion zu unterstützen, könnten in den kommenden Jahren eine wachsende Nachfrage verzeichnen.

Aktien-Favorit Nr. 1: Croda International (ISIN: GB00BJFFLV09 – 34,65 britische Pfund)


Das britische Spezialchemieunternehmen Croda ist über seine Sparte Life Sciences im Bereich der Ernährungssicherheit positioniert und liefert Pflanzenschutz- und Saatgutveredelungsprodukte an Landwirte. Da der Klimawandel die Anbaubedingungen unberechenbarer macht, könnten Produkte zur Ertragssteigerung, zum Pflanzenschutz und zur Förderung der Bodengesundheit an Bedeutung gewinnen.

Croda ist ein Nischenanbieter bei Agrarchemikalien und differenziert sich durch Innovationen, darunter biologische Pestizide und Düngemittel, die Landwirten helfen können, nachhaltiger zu wirtschaften.

Auch die Arbeit des Unternehmens im Bereich der Saatgutveredelung ist interessant. Croda hat ein Produkt entwickelt, das Saatgut dabei unterstützen soll, mit höheren Salzgehalten im Boden umzugehen, wie sie nach Perioden schwerer Dürre auftreten können. Es ist zwar noch ein frühes Stadium, aber das erste Kundenfeedback war ermutigend.

Dennoch macht Innovation Croda nicht immun gegen die Marktbedingungen. Die Umsätze im Pflanzendünger- und Pflanzenschutzbereich standen in diesem Jahr bisher unter Druck. Die größere Sparte Consumer Care entwickelt sich jedoch gut, und Hargreaves Lansdown befürwortet weiterhin Crodas Fokus auf Innovation, Effizienz und Vereinfachung.

Analysten erwarten, dass das operative Ergebnis bis 2029 um rund 50 % auf etwa 445 Millionen britische Pfund steigen wird, wobei ein Großteil dieses Wachstums auf die späteren Jahre entfällt. Da das Gewinnwachstum in naher Zukunft eher moderat ausfällt, könnte das kurzfristige Aufwärtspotenzial laut Hargreaves Lansdown zunächst begrenzt sein.

Während einer etwaigen Wartezeit hilft eine erwartete Dividendenrendite von gut 3 % über die Runden. Der Kurs hat nach schwächeren Jahren zuletzt wieder nach oben gedreht und signalisiert dank einem gebrochenen Abwärtstrend wieder steigendes Anlageinteresse an diesem Wert.

Croda International Chart

Croda International Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Anlagethema Nr. 2: Wasserwirtschaft und Infrastruktur


Häufigere Dürreperioden und Phasen intensiven Regens belasten veraltete Systeme stärker. Infolgedessen dürfte es zu verstärkten Investitionen in Bereichen wie Wasserspeicher, Hochwasserschutz, Entwässerungssysteme und Leckageverringerung kommen.

Unternehmen, die sich mit der Instandhaltung und Modernisierung von Wassernetzen befassen, sowie solche, die effizientere Bewässerungs- und Wassernutzungstechnologien entwickeln, könnten laut Hargreaves Lansdown eine steigende Nachfrage verzeichnen, da Regierungen und Versorger auf die veränderten Bedingungen reagieren.

Aktien-Favorit Nr. 2: Veolia (ISIN: FR0000124141 – 33,91 Euro)


Veolia bietet über seine Wasser- und Energiedienstleistungen eine Beteiligung an der Klimaanpassung, vor allem im Wasserbereich. Das französische Unternehmen hilft Kunden dabei, die Wasserversorgung über den gesamten Kreislauf hinweg abzusichern und zu verwalten – von der Aufbereitung und Wiederverwendung bis hin zur Entsalzung und dem digitalen Netzmanagement. Dies kann dazu beitragen, Leckagen (Undichtigkeiten) zu reduzieren, die Widerstandsfähigkeit bei Dürren oder Überschwemmungen zu verbessern und bestehende Ressourcen besser zu nutzen.

Die Gruppe ist zudem im Bereich Sondermüll, Recycling und Energieeffizienz aktiv, was ihr eine breitere Rolle dabei verleiht, Unternehmen und Kommunen bei der Anpassung an eine ressourcenärmere Welt zu unterstützen.

Veolia bietet zudem einige attraktive defensive Qualitäten, wobei die Nachfrage durch Regulierung, langfristige Verträge und den wachsenden Bedarf an Wassersicherheit, Abfallbehandlung und Verschmutzungskontrolle gestützt wird. Da der Klimawandel den Druck auf kommunale Dienstleistungen erhöht, glaubt Hargreaves Lansdown, dass die Nachfrage weiter steigen wird.

Die Performance weist seit einiger Zeit unter dem Strich in die richtige Richtung und der GreenUp-Plan des Managements konzentriert sich auf wachstumsstärkere Umweltdienstleistungen wie Wassertechnologien und gefährliche Abfälle.

Trotz des steigenden Anlegervertrauens wirkt Veolias Bewertung nach Einschätzung von Hargreaves Lansdown nicht zu anspruchsvoll. Dazu muss man wissen, dass der Analystenkonsens von 2025 bis 2029 einen Anstieg beim Gewinn je Aktie von 1,71 Euro auf 3,15 Euro unterstellt.

Die französische Gruppe weist eine verbesserte Bilanz bei der effektiveren Verwendung ihres Kapitals auf, und die Nachfrage von energie- und wasserintensiven Rechenzentren könnte dem Wachstum Auftrieb geben. Allerdings wird Disziplin erforderlich sein, um die Investitionsrenditen weiter zu steigern.

Die wichtigsten Beobachtungspunkte sind die Verschuldung, das Ausführungsrisiko bei Übernahmen und die kapitalintensive Natur des Sektors.

Veolia Environnement Chart

Veolia Environnement Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

Anlagethema Nr. 3: Baumaterialien und Dämmung


Da die Temperaturen steigen, müssen Gebäude Wärme effektiver regulieren. Es geht dabei nicht nur darum, im Winter die Wärme zu halten, sondern auch die Überhitzung im Sommer zu begrenzen. Dies lenkt den Fokus stärker auf Dämmung, reflektierende Materialien und Designmerkmale, die die thermische Effizienz das ganze Jahr über verbessern.

Neben regulatorischem Druck zur Reduzierung des Energieverbrauchs könnte dies anhaltende Investitionen in Materialien und Technologien unterstützen, die Gebäude an ein wärmeres Klima anpassen.

Aktien-Favorit Nr. 3: Kingspan (ISIN: IE0004927939 – 103,35 Euro)


Das irische Unternehmen Kingspan ist gut aufgestellt, um von der Nachfrage nach energieeffizienteren und klimaresibleren Gebäuden zu profitieren. Seine Dämmplatten, Dach-, Abdichtungs- und Gebäudehüllensysteme helfen Gebäuden dabei, im Winter Wärme zu speichern, im Sommer eine Überhitzung zu begrenzen und den Gesamtenergieverbrauch zu senken.

Da die Temperaturen steigen und die Vorschriften verschärft werden, dürfte die Nachfrage nach leistungsstärkeren Materialien sowohl im Neubau- als auch im Renovierungsmarkt gut unterstützt bleiben.

Die Gruppe hat ihre Reichweite über die traditionelle Dämmung hinaus ausgedehnt. Ihr Bereich für fortgeschrittene Gebäudesysteme (Advnsys) bedient Segmente wie Rechenzentren, Lüftung, Tageslichtnutzung und kritische Infrastruktur, in denen die Nachfrage durch die Digitalisierung und den Bedarf an effizienterer Kühlung und Energiemanagement gestützt wird.

Kingspan hat einen durchwachsenen Start in das Jahr hinter sich. Die Umsätze stiegen vor Währungseinflüssen um 3 %, unterstützt durch ein Wachstum von 28 % bei Advnsys, während das Geschäft in einigen Endmärkten der Baubranche weiterhin herausfordernder war. Nichtsdestotrotz ist der Auftragsbestand für isolierte Gebäudehüllen gewachsen, in denen Kingspan seinen Marktanteil weiter ausbaut.

Die Bewertung wirkt angesichts der Wachstumsaussichten nicht übertrieben, so Hargreaves Lansdown. Die Aktien werden mit dem etwa 18-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, was im Vergleich zu Unternehmen mit eher traditionellen Massenprodukten vernünftig erscheint.

Dies lässt Spielraum für Kursgewinne nach oben, wenn die Gruppe wie erwartet liefert. Allerdings lassen operative Margen von rund 10 % wenig Spielraum für Fehler. Jede Verlangsamung der Nachfrage, Kostendruck oder ein Fehltritt bei Übernahmen könnte sich unverhältnismäßig stark auf das Ergebnis auswirken.

Reputations- und finanzielle Risiken sind ein zentraler Beobachtungspunkt nach der Verwendung von Kingspans K15-Dämmstoff im Grenfell Tower. Obwohl das Unternehmen nicht für die Tragödie verantwortlich gemacht wurde, warf die Untersuchung ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung und der Unternehmenskultur auf, und laufende Ermittlungen könnten nach wie vor zu Strafen führen, konstatiert Hargreaves Lansdown.

Kingspan Group Chart

Kingspan Group Qualitätscheck

Quelle: Qualitäts-Check TraderFox

 

 

 


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