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Zwei der trendstabilsten Aktien aus der Global Trend Following-Liste USA 1000

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Mit der Ernennung von Jeremy Powell zum neuen Notenbank-Präsidenten gingen die Investoren vor einem Jahr in den USA davon aus, das die Zinsen ziemlich kontinuierlich über einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren steigen würden. Allerdings war nicht klar, wie viele Zinserhöhungsrunden es pro Jahr geben würde. Im Sommer 2018 jedenfalls erweckte Powell den Eindruck, als das er durchaus bereit wäre, mit 4 bis 5 Zinsschritten pro Jahr auf das Gaspedal zu treten. Entsprechend schnell kippte der Aufwärtstrend an den US-Börsen und eine gewisse Katerstimmung machte sich breit. Seit vergangener Woche hat Powell jedoch für Partynachschub gesorgt, denn nun scheint er ganz wie Mario Draghi in Europa, von höheren Zinsen nicht mehr so schnell etwas wissen zu wollen. Nun haben sich die wirtschaftlich guten Rahmenbedingungen in den USA trotz des langen „shut-downs“ der Regierung, die das wirtschaftliche Wachstum etwas abbremsen, aber keine Rezession auslösen wird, kaum verändert. Allerdings hat US-Präsident Trump schon seit September 2018 immer wieder sein Unbehagen über die FED-Politik zum Ausdruck gebracht, so dass trotz der Unabhängigkeit der FED sicher auch dort ein zusätzlicher Grund im plötzlichen Tritt auf die Zinsbremse liegen könnte. Für die Technologieaktien ist der Trendwechsel in jedem Fall ein Kurskatalysator, wie ein Blick in unsere Global Trend Following-Liste USA 1000 mit zwei neuen Werten zeigt.

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(Andreas Wolf nutzt das vorgefertigte Trading-Desk „Global Trend-Following“ in der TraderFox Börsensoftware, um die trendstabilsten Aktien zu identifizieren)

Keysight Technologies (3-Jahres-Trendstabilität 19,71)

Künstliche Intelligenz (KI) ist einer der Megatrends an der Börse. Unternehmen, die auch nur annähernd etwas mit dem Thema zu tun haben, dürfen sich der Aufmerksamkeit der Investoren gewiss sein. Keysight Technologiesl gehört eher zu den Unternehmen, die an der Peripherie dieses Themas ihr Geld verdienen, dafür aber ein sehr sichere Einnahmebasis haben. Der in Santa Rosa, Kalifornien beheimatete Konzern stellt mit 12.900 Mitarbeitern Messgeräte wie Logik- und Spektrumanalysatoren, Signalgeneratoren und Oszilloskope her. Diese Geräte werden hauptsächlich zur Frequenzmessung eingesetzt und praktisch in allen Industrie- und Kommunikationsunternehmen benötigt, die durch stärkere Automation ihre Produktivität erhöhen wollen. Der 2014 als Abspaltung von Agilent Technologies Konzern zählt daher auch Branchen wie die Luft- und Raumfahrt, die Automobilindustrie, Halbleiterkonzerne, Telekomunternehmen, Dienstleister und nicht zuletzt staatliche Forschungseinrichtungen zu seinen Kunden. Und natürlich benötigen auch die Hersteller und Forscher von Produkten aus der KI in den Teststrecken entsprechende Messgeräte mit hoher Qualität. Darüber hinaus bietet Keysight seinen Kunden eine Simulationssoftware von elektrischen Schaltungen für die Hochfrequenztechnik. In diesem Zusammenhang sind die Kalifornier ein gefragter Partner bei der Entwicklung der neuen 5G-Technologie bei den Telekomkonzernen. Hier dürfte es in diesem Jahr zu einigen Kooperationen und neuen Aufträgen für Keysight kommen.

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Eine besonders lange, eigenständige Bilanzgeschichte weist der erst 5 Jahre alte Konzern noch nicht auf, entsprechend beeindruckend nimmt sich das Wachstum beim Umsatz aus, der in den vergangenen beiden Jahren um jeweils 10 und 20 % zulegen konnte. Naturgemäß hat das Unternehmen am Anfang seiner „Eigenständigkeit“ noch einige Schulden im Kontor, die auf das Ergebnis drücken und noch für sehr schwankende Resultate sorgen. Im 4. Quartal 2018 betrug das Erlösplus 19 % und stieg auf einen neuen Rekordwert von 1,05 Mrd. USD. Mit knapp über 50 % Umsatzanteil und einem Zuwachs von 29 % trug die Kommunikationssparte den Löwenanteil am Wachstum bei. Aber auch die Elektroniksparte mit 25 % Umsatzanteil und einem Plus von 21 % beim Wachstum konnte sich sehen lassen. Der Verlust stieg wegen planmäßigen Abschreibungen von 38 Mio. USD auf 114 Mio. USD. Für 2019 erwartet der Vorstand einen Umsatz in Vorjahreshöhe und einen Gewinn je Aktie von 0,76 bis 0,82 USD. Die Durchschnittsschätzung der Analysten rechnet bis 2021 mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 9 % und einem jährlichen Gewinnwachstum 11 und 13 %. Die 2019/20er KGV von 19,6 und 17,3 sind demgegenüber alles andere als überzogen.

Veeva Systems (3-Jahres-Trendstabilität 18,70)

Neben KI ist seit einigen Jahren Datenmanagement eines der großen Themen an der Börse. Richtig bekannt ist das „Cloud-Computing“ erst durch die Konzentration auf diesen Bereich durch große Dienstleister wie IBM und SAP geworden. Im Kern bieten diese Dienstleister ihren Kunden eine externe Speicherungsmöglichkeit ihrer Datenmengen inklusive Verwaltung und detaillierter Analyse an. Kunden sparen dabei zum einen viel Geld für Hard- und Software, aber auch für entsprechendes Personal. Das 2007 gegründete und in Pleasanton, Kalifornien ansässige Unternehmen Veeva bietet diese Dienstleistung vor allem Unternehmen aus der Pharma-, Chemie, Industriegüter- und vor allem der Biotechnologiebranche an, die auch zu den ersten Nutzern dieses Angebots zählten. Veeva gliedert seine Angebote in zwei Produktkategorien, nämlich jene die sich auf die Kundenbeziehungen der Pharmaunternehmen (Kommerzielle Cloud) beziehen und jene, die sich mit den internen Prozessen beschäftigen (Entwicklungs-Cloud). Da viele Unternehmen vor allem individuelle Lösungsansätze wünschen und Hilfe bei der Weiterentwicklung und der Administration ihrer Clouds benötigen, verdient Veeva verstärkt am Service- und Beratungsbereich. Einen Großteil der mittlerweile mehr als 600 Kunden betreut der Konzern mit knapp 2200 Mitarbeitern in den USA (Umsatzanteil 55 %), Europa (30 %) und Japan (15 %). 50 der weltweit größten Pharmakonzerne gehören zum Kundenstamm der Kalifornier, die vor allem in Asien noch großes Wachstumspotential sehen. Darüber hinaus könnte die Industriegüterbranche, die Cloud-Computing noch unterdurchschnittlich nutzt, für einen weiteren Wachstumsschub sorgen.

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Die Wachstumszahlen von Veeva über die vergangenen fünf Jahre sind durchaus beeindruckend. Das durchschnittliche, jährliche Umsatzwachstum lag bei 35 %, das Gewinnwachstum im gleichen Zeitraum bei durchschnittlich 39 %. Die operative Marge betrug 22 %. Nun bewertet die Börse nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft und was das Unternehmen in den nächsten Jahren noch zu bieten haben wird. Nach den jüngsten Quartalszahlen vom November 2018 sieht es nach einer dynamischen Aufwärtstrendfortsetzung aus. Der Umsatz stieg im 3. Fiskalquartal 2019 um 27 % auf 224,7 Mio. USD, der Nettogewinn legte um 83 % auf 64,1 Mio. USD zu. Vor allem der Bereich der „Kommerziellen Cloud“ erweist sich als dynamischer Wachstumstreiber, weshalb das Management für das vierte Quartal einen noch stärkeren Zuwachs bei Umsatz und Gewinn prognostiziert. Die durchschnittliche Schätzung der Analysten erwartet bis 2023 ein jährliches Umsatzplus von 20 % und ein Zuwachs beim Ergebnis je Aktie von 19 bis 21 %. Das 2019er KGV von 63,6, das 2020 auf 60 sinkt, lässt sich daher auch nur mit der hohen Wachstumsfantasie begründen, ein Schnäppchen ist die Aktie damit kurzfristig nicht mehr. Mittelfristig bleiben die Aussichten aber weiter mehr als gut.
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