ROUNDUP: Ostdeutsche Autowerke setzen stark auf Elektroautos
BERLIN (dpa-AFX) - Die meisten Autos werden in Westdeutschland produziert
- doch auch in den ostdeutschen Bundesländern hängen zahlreiche
Arbeitsplätze an der Branche. Insbesondere Elektroautos haben hier einen starken Stand. Doch die Bedingungen für die Standorte könnten besser sein, das wurde beim sogenannten Branchendialog Automobil deutlich, bei dem Vertreter von Industrie, Gewerkschaften, Bund und Ländern auf Einladung der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), beraten haben.
Finanzierungsprobleme bei Zulieferern
Ein Problem: Zulieferer haben nach Angaben von Teilnehmern Schwierigkeiten, Geld von Banken zu bekommen. Auch deshalb habe er mit der Kaufprämie für Elektroautos ein klares Signal setzen wollen, dass neben reinen Elektroautos auch Fahrzeuge mit Range Extender und sogenannte Plug-in-Hybride gefördert werden sollten, sagte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD).
Plug-in-Hybride sind Autos, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können. Range Extender sind kleine Verbrennungsmotoren, die die Reichweite von Elektroautos erhöhen.
Recycling bei VW
Ebenfalls nötig sei die Gewinnung von Fachkräften, sagte Kaiser, gerade angesichts einer schrumpfenden Bevölkerung insbesondere in Ostdeutschland. Neben der Qualifizierung junger Menschen brauche es dafür auch Zuwanderung.
Schneider lobte die Entscheidung von VW, im Zwickauer Werk auf Recycling zu setzen. Das sei sehr arbeitsplatzintensiv und helfe bei der Sicherung des Standorts. Die Wiedergewinnung von Rohstoffen aus alten Autos sei wichtig, auch um sich unabhängiger zu machen von ausländischen Lieferanten. IG-Metall-Chefin Christiane Benner pflichtete ihm bei, gerade Batterien könnten recycelt werden.
Hoher Anteil von Elektroautos in ostdeutscher Produktion
Andreas Rade, Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie (VDA), sagte zur Zukunft der ostdeutschen Autostandorte: "Wir sind mit Milliarden investiert." Jetzt komme es darauf an, den Hochlauf der Elektromobilität zu beschleunigen, durch die Kaufprämie und günstigeren Ladestrom. "Und das Zweite ist, wir müssen wettbewerbsfähig sein gegenüber der weltweiten Situation." Benner hatte vor dem Treffen klare, verbindliche Standortzusagen gefordert, auch Kaiser hatte das verlangt.
Insgesamt 60 Prozent aller in Ostdeutschland produzierten Pkw waren im vergangenen Jahr Elektroautos. Das geht aus Berechnungen der Leipziger Initiative Automotive Cluster Ostdeutschland (ACOD) auf Basis von Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) hervor.
Mehr Autos werden in Westdeutschland produziert
Zum Vergleich: In Westdeutschland machen Elektro-Pkw 35,1 Prozent der Produktion aus, in Deutschland insgesamt sind es 40,2 Prozent. In absoluten Zahlen werden im Westen aber mehr Elektroautos produziert, ebenso wie mehr Wagen insgesamt. Schwerpunkte sind Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg.
Der hohe E-Auto-Anteil in den ostdeutschen Werken ist vor allem den reinen E-Auto-Standorten von Tesla
In Brandenburg werden nur E-Autos gebaut
2022 eröffnete dann der US-E-Auto-Pionier Tesla in Grünheide von Berlin sein einziges Werk in Europa. Autowerke gab es in dem Bundesland bisher nicht. Brandenburg war damit das erste Bundesland, in dem ausschließlich E-Autos gebaut werden.
Die größere Stückzahl entfällt im Osten aber auf Sachsen. Neben VW Zwickau kommen dort die Werke von BMW
Wirtschaftsfaktor Autoindustrie
Der Geschäftsführer des ACOD, Jens Katzek, sagte der dpa, deutlich über 200.000 Menschen arbeiteten in der Automobilindustrie und den Zulieferern in Ostdeutschland. Damit hingen anteilig mehr Industriearbeitsplätze im Osten der Republik am Thema Automobil als in Westdeutschland. Allerdings sei auch der Druck besonders hoch, dass die Umstellung auf Elektromobilität funktioniere./hrz/DP/men