Aktien Frankfurt: Angriffe in Straße von Hormus schrecken Anleger kaum
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die sich wieder verschärfende Auseinandersetzung im Nahen Osten hat den Dax am Donnerstag wenig beeindruckt. "Die Anleger in Frankfurt bleiben mit Blick auf Nahost in Lauerstellung und bauen trotz der wieder aufflackernden Angriffe auf ein konstruktives Verhandlungsergebnis", kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst CMC Markets. Ungeachtet wieder anziehender Ölpreise verlor der deutsche Leitindex um die Mittagszeit lediglich 0,18 Prozent auf 25.132 Punkte. Damit bleibt das Rekordhoch bei 25.507 Punkten, dem er sich zuletzt genähert hatte, in Sichtweite.
Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen gewann hingegen 0,09 Prozent auf 33.041 Punkte, während der 0,4 Prozent festere Nebenwerte-Index SDax seine Rekordjagd fortsetzte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es indes um 0,2 Prozent nach unten.
Das US-Militär griff nahe der Straße von Hormus eine iranische Stellung an, von der aus Drohnen gesteuert wurden. Zudem seien vier Drohnen abgeschossen worden, die eine Bedrohung für die USA darstellten, erklärte ein US-Beamter. "Diese Maßnahmen waren zurückhaltend, rein defensiv und darauf ausgerichtet, die Waffenruhe aufrechtzuerhalten", hieß es weiter. Im Gegenzug beschoss der Iran nach Angaben des eigenen Staatsfernsehens die Militärbasis, von der die US-Schläge ausgegangen seien.
Gefragt waren vor diesem Hintergrund die Aktien von Unternehmen aus dem Rüstungsbereich. Im Dax führte Rheinmetall mit einem Plus von 4,6 Prozent die Gewinnerliste an. Damit setzten die Aktien ihre Erholung vom Mitte Mai markierten Tief seit April vergangenen Jahres fort. Der Konzern vermeldete einen Auftrag für mehr als 2.000 militärische Transportfahrzeuge im Wert von rund einer Milliarde Euro. Für 2026 steht beim einstigen Überflieger indes immer noch ein Kursrückgang von gut 17 Prozent zu Buche.
Die Branchenkollegen TKMS , Renk Hensoldt und Alzchem aus der zweiten und dritten deutschen Börsenreihe, die sich seit Jahresbeginn allesamt besser als Rheinmetall geschlagen haben, stießen am Donnerstag ebenfalls auf großes Kaufinteresse. Hier standen Gewinne von bis zu 8,7 Prozent zu Buche.
Der Halbleiterkonzern Infineon erzielte ein Kursplus von 2,4 Prozent auf 78,60 Euro. Die Aktien blieben nur knapp unter ihrem am Vortag erreichten Hoch seit dem Jahr 2000, bevor Gewinnmitnahmen eingesetzt hatten. Nun schraubten sowohl Deutsche Bank Research als auch die US-Bank Morgan Stanley ihre Kursziele mit 90 beziehungsweise 91 Euro deutlich nach oben.
Dagegen ging es für Bayer am Dax-Ende um 2,1 Prozent bergab. Hier belastete eine Klage des US-Saatgutunternehmens Latham. Es wirft dem Agrarchemie- und Pharmariesen vor, wettbewerbswidrige Praktiken angewendet zu haben, um den US-Markt für gentechnisch verändertes Maissaatgut zu monopolisieren.
Zu den größten Verlierern im MDax zählte Delivery Hero . Die Aktien des Essenslieferdienstes büßten 3,7 Prozent ein, obwohl der US-Fahrdienstvermittler Uber seine Beteiligung deutlich aufgestockt hat. Der direkte Anteil ist demnach von 19,5 auf 24,99 Prozent gestiegen. Weitere fast 12 Prozent hält Uber indirekt über Finanzinstrumente.
Vor diesem Hintergrund sei es unklar, ob und wann Uber durch die Erhöhung der Stimmrechte zu einem offiziellen Übernahmeangebot verpflichtet werde, schrieb Citigroup-Analystin Monique Pollard. Nach deutschem Recht wäre dies eigentlich beim Erreichen der 30-Prozent-Schwelle der Fall. Dass die Nachrichten die Aktien nicht weiter antreiben würden, hatte Pollard angesichts der Kursverdoppelung seit ersten Berichten über die Uber-Absichten vor knapp drei Wochen schon erwartet./gl/jha/
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---